Hilfe für Geflüchtete

Unterstützung für Helfende

Lehrpfade in die Pegnitzer Stadtgesellschaft, Pegnitz „Kennenlernspiel“

Lehrpfade in die Pegnitzer Stadtgesellschaft, Pegnitz „Kennenlernspiel“

Bild: Veronika Kobert

22 Millionen Euro hat die Landessynode der ELKB seit 2015 für Projekte kirchlicher oder diakonischer Einrichtungen bereitgestellt, die Geflüchtete in den verschiedensten Lebensbereichen unterstützen.

Die für die Vergabe einberufene „AG Herberge“ hat seither in 50 Sitzungen über ca. 350 Projektanträge entschieden. Diese zeigen in ihrer Vielfalt das hohe Engagement von Menschen, die sich im Bereich von Kirche und Diakonie in Bayern haupt- oder ehrenamtlich für Geflüchtete einsetzen. So stellten in 2015/2016 Kirchengemeinden und Dekanate 5.000 Wohnplätze für die rasche Unterbringung von Geflüchtete bereit – dauerhaft wurde für ca. 200 anerkannte Asylbewerber Wohnraum geschaffen. Bildungsgebote aller Art, hauptamtliche Unterstützung bei der Koordination Ehrenamtlicher, Fahrradwerkstätten, Begegnungscafés, Ferienangebote für Kinder in Gemeinschaftsunterkünften sind nur ein kleiner Ausschnitt der Projektthemen, die die AG-Herberge erreichten.

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Für viele Projekte fanden die Träger erfolgreich Förderer auch außerhalb von Diakonie und Kirche – über 5 Millionen Euro flossen so als Drittmittel in die geförderten Projekte. Auch deshalb standen nach Ablauf der ursprünglich geplanten Projektzeit der „AG Herberge“ von zwei Jahren noch Gelder zur Verfügung: Diese werden nun nach Beschluss des Landeskirchenrats vom Dezember 2017 schwerpunktmäßig die Integration in sieben Feldern weiter voranbringen.

Schwerpunkt 1: Bereich Trauma- und Psychotherapie – Zusammenwirken von Seelsorge und Ehrenamt

Laut aktueller Studie ist ein großer Teil der Flüchtlinge von posttraumatischen Belastungsstörungen und/oder Depressionen betroffen. Die ELKB unterstützt den Aufbau eines Netzwerkes von Spezialisten, die eine therapeutische Behandlung vornehmen. Dabei geht es auch darum, die Therapeuten in der speziellen Situation, in der Therapie in der Regel mit Hilfe eines Sprachmittlers erfolgen muss, zu unterstützen und die Sprachmittler ihrerseits für die Therapiesituation zu qualifizieren. Darüber hinaus soll eine niederschwellige Begleitung von psychisch belasteten Flüchtlingen ausgebaut werden.

Schwerpunkt 2: Sprache und interkulturelle Kompetenz

Für alle Kommunikations- und Beratungsprozesse mit Flüchtlingsbezug gilt derzeit: Es fehlen Kultur- und Sprachmittler bzw. ein Kirche und Diakonie zur Verfügung stehendes bayernweites Netzwerk an Dolmetschern für besondere Gesprächssituationen – etwa bei Fragen zu Bildung und Gesundheit, oder auch für Glaubens- und Taufkurse in den Kirchengemeinden. Der Landeskirchenrat hat nun Mittel bereitgestellt, um eine bayernweite Vermittlungszentrale für diese Sprachmittler aufzubauen.

Schwerpunkt 3: Einstieg in Bildung und Arbeit

In diesem, für gelungene Integration essentiellen Feld, unterstützt die ELKB verschiedene größere Einzelprojekte. Vielfach geht es darum, den speziellen betreuerischen Mehrbedarf, den Geflüchtete gegenüber Einheimischen haben, zu finanzieren, der oft durch staatliche Förderprogramme noch nicht abgedeckt wird. Die Förderungen erfolgen im Rahmen des Schulunterrichtes, der assistierten Ausbildung, der Errichtung von Vorbereitungsklassen zu Berufsausbildung oder zur Vorbereitung der Aufnahme eines Studiums.

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Schwerpunkt 4: Unterstützung begleiteter Kinder und Jugendlicher und ihrer Eltern

Für Kinder und Jugendliche, die gemeinsam mit Erziehungsberechtigten in Gemeinschaftsunterkünften leben, gibt es bisher nur vereinzelte staatliche Förderungen. Aber gerade diese Kinder und Jugendlichen bedürfen aufgrund ihrer schwierigen Lebens- und Wohnsituation einer besonderen Aufmerksamkeit und ihre Eltern einer guten Begleitung. Projekte und Initiativen in diesem Bereich können für entstehende Sach- und kleinere Honorarkosten weiterhin eine Förderung beantragen – über den bisherigen Weg mit Hilfe nebenstehenden Antragsformulars.

Schwerpunkt 5: Erschließung von Wohnmöglichkeiten für anerkannte Asylbewerber

Wohnungen zu finden ist auch für deutsche Mitbürger schwierig, für anerkannte Asylbewerber ist es nahezu unmöglich. So wohnten im Oktober 2017 noch 32.000 anerkannte Asylbewerber in Asylunterkünften,  weil sie keine Wohnung finden. Neben der Bereitstellung von kirchlichem Wohnraum will die ELKB daher Projekte fördern, die  Geflüchtete unterstützen, auf dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung zu finden.

Informationen zum Thema Weiterarbeit im Flüchtlingsfonds

Weiterarbeit im Flüchtlingsfonds

Nach der Beendigung der Arbeit der AG Herberge werden künftig die geförderten Projekte inhaltlich von einer kleinen Arbeitsgruppe aus Referentinnen und Referenten des Landeskirchenamts, des DW Bayern sowie der Koordinierungsstelle begleitet. Letztere setzt ihre Arbeit bis Ende 2019 als „Koordinierungsstelle des Flüchtlingsfonds der ELKB“ fort. 
Noch nicht absehbar ist, ob und in welcher Höhe ggf. aus in einzelnen Projekten nicht verbrauchten Fördermitteln, die an den Fond zurückfließen, weitere Projekte beantragt werden können. Nähere Informationen hierzu werden voraussichtlich im Laufe des Herbstes 2018 hier zur Verfügung stehen. 

Schwerpunkt 6: Ehrenamtskoordination

Ohne ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe ist gelingende Integration auch weiterhin nicht denkbar. Allerdings ist diese Arbeit inzwischen so komplex und fordernd, dass eine professionelle Koordination in der Regel unerlässlich ist. Aus diesem Grunde war die Finanzierung von hauptamtlichen Ehrenamtskoordinatoren eines der ersten Felder, in denen sich die „AG Herberge“ engagiert hat. Da, wo die gewachsene Arbeit von Ehrenamtskoordinatoren in Dekanaten und Kirchengemeinden noch nicht in eine Zusammenarbeit mit anderen Förderprogrammen eingebracht werden kann, fördert die ELKB diese wichtige Arbeit  für ein weiteres Jahr.

Schwerpunkt 7: Austausch- und Informationsplattform

Begleitend zur Arbeit in den Schwerpunkten bedarf es des weiteren Ausbaus der Vernetzung im Bereich Arbeit mit und für Geflüchtete. Hierzu wird eine gemeinsame Website von Diakonie und Kirche entstehen, die Haupt- und Ehrenamtlichen in der kirchlichen Flüchtlingsarbeit als Plattform für Austausch und Zusammenarbeit dienen soll.


26.04.2017 / ELKB