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Kenia

Brot für die Welt 2018: Wasser für alle

Wassertank in Gichunguri, Kenia, Tank mit Bewohnern

Zuverlässige Versorgung mit Trinkwasser für Gichunguri: In diesem 75 Kubikmeter großen Tank wird das Regenwasser gespeichert.

Bild: Jörg Böthling

Ohne Wasser gibt es kein Leben: Wasser, Ernährungssicherheit und Entwicklung sind untrennbar miteinander verbunden. Wasser ist ein öffentliches, aber endliches Gut. Für alle Menschen.

Die Region nördlich und östlich des Mount Kenya ist durch große Trockenheit geprägt. Viele Frauen verbringen mehrere Stunden am Tag damit, Wasser aus weit entfernten Quellen zu holen. Der Entwicklungsdienst der Anglikanischen Kirche verschafft den Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser – und setzt dabei auch auf unkonventionelle Methoden.

Mit verschränkten Armen steht Agnes Irima vor der Wasserstelle. Entspannt schaut sie zu, wie das klare Wasser aus dem Hahn in ihren gelben Kanister sprudelt. Seitdem der Entwicklungsdienst der Anglikanischen Kirche in Kenia (ADS) mit Unterstützung von Brot für die Welt in ihrem Dorf Gichunguri eine zuverlässige Versorgung mit Trinkwasser aufgebaut hat, braucht die 44-Jährige sich nicht mehr zu sorgen. „Früher hatte ich immer Angst, zu wenig Wasser für meine Familie zu haben.“ Warum sich das geändert hat? Agnes Irima zeigt den Berghang hinauf. Dort thront ein Felsen von der Größe eines Mehrfamilienhauses. Seine über zweitausend Quadratmeter große Oberfläche neigt sich leicht nach unten. Mit Steinen hat eine lokale Baufirma eine Rinne um den Felsen gemauert. Bei Regen leitet diese das Wasser, das auf die Oberfläche prasselt, in einen Behälter aus Beton, in dem sich Sand und Steine absetzen. Von da aus fließt es in einen 75 Kubikmeter großen Tank. Nur wenige Tage Regen genügen, um den großen Tank zu füllen.

Zitat

Die intensive Landwirtschaft verbraucht 70 Prozent unserer weltweiten Wasservorräte. Große Agrarkonzerne haben vielerorts riesige Monokulturplantagen errichtet, die sehr viel Wasser benötigen. Viele Kleinbauernfamilien haben dadurch ihren Zugang zu Wasser verloren. Wenn der Regen infolge des Klimawandels immer häufiger ausbleibt und sie ihr Land nicht bewässern können, drohen Hunger und Mangelernährung.

Brot für die Welt 2018: Wasser für alle

Heute trinken Agnes Irima und ihre Familie mindestens doppelt so viel Wasser wie früher. Nicht dass sie Wasser im Überfluss hätten. Für jeden Kanister bezahlen sie umgerechnet fünfzig Eurocent. So werden Instandhaltung und Ausbau der Wasserversorgung finanziert. Ein Kanister wiegt dreißig Kilogramm. Für Agnes Irima kein Problem: „Im Vergleich zu früher ist das doch eine leichte Übung.“ Früher musste sie fast sieben Kilometer weit laufen, um an Wasser zu kommen. Heute sind es nur noch ein paar Hundert Meter.

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Dürrekatastrophen treten auch in dieser Gegend aufgrund des Klimawandels immer häufiger auf. Damit das Trinkwassersystem trotzdem genug für alle Dorfbewohner bereitstellt, baut ADS gerade zwei weitere Tanks. Wenn diese fertig sind, soll auch die Dorfschule sich daraus versorgen können. Zurzeit müssen die Schülerinnen und Schüler mit zwei Bechern Wasser pro Tag auskommen.

Seitdem sie sich nicht mehr die Hälfte des Tages um die Beschaffung von Wasser kümmern muss, hat Agnes Irima nicht nur mehr Zeit für ihr kleines Stück Land. Sie verkauft auch einmal in der Woche selbstgekochten Sorghumbrei auf dem Markt. Schließlich müssen sie und ihr Mann, der als Tagelöhner auf Baustellen und bei anderen Bauern arbeitet, für fünf Kinder die Schul- und Universitätsgebühren aufbringen.

Frau transportiert Wasser

In einm 30 Kilogramm schweren Kanister transportiert Agnes Irima das Wasser nach Hause.

Bild: Jörg Böthling

Fast 700 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jeder dritte Mensch lebt ohne sanitäre Einrichtungen. Die Wasserknappheit trifft vor allem die Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Dort sind viele arme Menschen vom städtischen Versorgungsnetz abgekoppelt. Noch schlimmer ist die Situation in ländlichen Regionen: Das knappe Wasser muss dort oft von weit entfernten Quellen geholt werden. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft leidet unter der Wasserkrise, und die Ernährungssicherheit ist gefährdet. Auch wenn es in einer Region genug Wasser gibt, heißt das nicht, dass alle Menschen dort Zugang dazu haben. Häufig mangelt es an der nötigen Infrastruktur. Teilweise ist Wasser so teuer, dass sich arme Menschen nicht genug davon leisten können. Und in Regionen, in denen Konflikte herrschen, wird der Zugang zu Wasser oft als Machtmittel missbraucht.

Informationen zum Thema 60. Aktion

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Spendenzweck: Brot für die Welt

Die Aktion „Brot für die Welt“ setzt sich mit ihren internationalen Projektpartnern dafür ein, dass auch die Armen genügend sauberes Wasser zur Verfügung haben: zum Trinken und Kochen und zur Bewässerung der Felder, um Hunger und Mangelernährung vorzubeugen.

Mit dem Spendenprojekt  „Wasser für alle“ möchte Brot für die Welt Bayern den Entwicklungsdienst der Anglikanischen Kirche in der Diözese Mount Kenya East unterstützen. Der Dienst wurde 1982 gegründet. Sein Ziel ist es, die Armen und Ausgegrenzten in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen. Das von Brot für die Welt unterstützte Projekt richtet sich an 2.250 mittellose Familien in fünf Landkreisen, die besonders unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Sie werden unter anderem durch die Einführung von unterschiedlichen Methoden der Regenwassernutzung sowie durch Schulungen zu standortgerechtem Anbau unterstützt.

 


13.09.2017 / Brot für die Welt

01.06.2025