Bündnis für Toleranz

Engagement für Demokratie und Menschenwürde

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    Bayerisches Bündnis für Toleranz

    Demonstration für Demokratie und Toleranz

    Bild: epd Bayern

    Immer mehr Menschen engagieren sich in Netzwerken, um Demokratie und Menschenwürde aktiv zu schützen. Dieses Ziel hat sich das Bayerische Bündnis für Toleranz sogar in seinen Namen geschrieben.

    Es ist der erste Satz im ersten Artikel des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Doch täglich wird dieser Satz in Deutschland mit Füßen getreten. Rassistische Sprechchöre auf dem Fußballplatz, nationalistische Parolen bei Neonazi-Aufmärschen, geschändete Grabsteine auf jüdischen Friedhöfen, Hakenkreuzschmierereien an Hauswänden und brutale Attacken gegen Ausländer sind dafür beschämende Beispiele.

    Der 21. August 2004. Die oberfränkische Kleinstadt Wunsiedel erlebt den größten Aufmarsch von Neonazis des Jahres in ganz Europa. Mehr als 4500 Rechtsextremisten marschieren zum Gedenken an den in Wunsiedel begrabenen Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß durch die Straßen. Empfangen werden sie von einem bunten, gewaltlosen und kreativen Protest mit Luftballons und Transparenten, und am Ende reinigt eine junge Mannschaft von „Straßenkehrern“ symbolisch den Asphalt vom „braunen Dreck“.

    Zitat

    Das bayerische Bündnis für Toleranz ist ein Zeichen der Reife unserer demokratischen Kultur. Dass sich so viele unterschiedliche Organisationen aus der Mitte der Gesellschaft in Bayern zu diesem Bündnis zusammengefunden haben, ist ein Riesenschatz. Es zeigt: Toleranz, Menschenwürde und Demokratie sind so verwurzelt in Bayern, dass rechtsradikale Hetze nicht hingenommen wird. Die Menschen zeigen Flagge für die Demokratie!

    Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

    Hunderte Bürgerinnen und Bürger aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen haben sich gegen die neuen Nationalsozialisten friedlich zur Wehr gesetzt – ein starkes Zeichen gewachsener Zivilcourage, für das eine evangelische Jugendinitiative den Grundstein gelegt hatte. Heute steht Wunsiedel für ein Modell erfolgreichen Engagements für die Grundwerte der Verfassung, und der Slogan „Wunsiedel ist bunt, nicht braun“ wurde von ungezählten anderen Orten übernommen, die sich immer wieder mit Aufmärschen der Rechtsextremisten auseinandersetzen müssen. So beispielsweise im oberfränkischen Gräfenberg, wo sich die Bürger Monat für Monat gegen Kundgebungen von Neonazis zur Wehr setzten

    „Initiativen wie ‚Wunsiedel ist bunt’ sind der wahre Verfassungsschutz, nicht die Behörde mit diesem Namen“, schreibt Heribert Prantl, Leitender Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, in seinem Vorwort für eine Dokumentation über den zivilgesellschaftlichen Aufbruch in der Fichtelgebirgsstadt. Um diesem „Verfassungsschutz“ eine möglichst breite Basis zu geben, konstituierte sich am 14. Juli 2005 in München das „Bayerische Bündnis für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen“.

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    Federführend bei dieser Neugründung waren der damalige evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter. Maßgebliche Impulse kamen von der früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Nachdem im Sommer 2003 ein von Neonazis geplanter Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung der Münchner Synagoge verhindert worden war, hatte Knobloch eine gemeinsame Kommission der Kirchen zur Abwehr des Rechtsextremismus angeregt.

     

    Anfang 2014 zählte das bayerische Bündnis bereits 50 Mitglieder, die eindrucksvoll den großen gesellschaftlichen Rückhalt spiegeln: Die Liste reicht vom Landtag über den Zeitungsverlegerverband und das Rote Kreuz bis zum Sportschützenbund. Immer wieder meldet sich das Bündnis zu aktuellen Ereignissen zu Wort, so etwa mit Appellen zur bewussten demokratischen Stimmabgabe im Vorfeld von Wahlen oder mit Initiativen wie der Aktion „Gemeinsam gegen Rechtsextremismus“ in den beiden Fußball-Bayernligen. Im Juni 2012 wurde das Bündnis für Toleranz mit dem Toleranzpreis in der Kategorie „Zivilcourage“ der Evangelischen Akademie Tutzing ausgezeichnet, im Jahr darauf mit dem Wilhelm-Högner-Preis 2013 der Bayerischen Landtagsfraktion der SPD.

    Informationen zum Thema Bayerisches Bündnis für Toleranz

    Bayerisches Bündnis für Toleranz

    Das Bayerische Bündnis für Toleranz tritt für Toleranz sowie den Schutz von Demokratie und Menschenwürde ein und fördert diese Werte. Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus, die den Einzelnen, die Gesellschaft und den Staat bedrohen, setzt das Bayerische Bündnis für Toleranz durch diese Werte etwas Positives entgegen. Die Mitgliedsorganisationen des Bayerischen Bündnisses für Toleranz bekämpfen rechtsextreme, antisemitische und rassistische Einstellungen, Haltungen und Handlungen, nicht aber die Menschen, die hinter diesem Gedankengut und diesen Aktivitäten stehen.

    Allerdings: „Sich nur gegen etwas zu wehren, wäre zu wenig.“ So formuliert es Martin Becher, der seit 2011 Geschäftsführer des Bündnisses ist und die Projektstelle gegen Rechtsextremismus unter dem Dach des Evangelischen Bildungszentrums Alexandersbad bei Wunsiedel leitet. Das Bündnis hatte die Stelle im Jahr 2007 ins Leben gerufen, um Aufklärungs-, Bildungs- und Netzwerkarbeit etwa für Kommunen, Initiativen oder Verbände zu leisten, beispielsweise mit dem alljährlichen „Wunsiedler Forum“, einer Kooperationsveranstaltung mit dem bundesweiten „Bündnis für Demokratie und Toleranz“.

    Becher ist es ein wesentliches Anliegen, die Zusammenhänge aufzuzeigen, auf welche Weise rechtsextremistisches Gedankengut eine Bedrohung für die Gesellschaft darstellt. So sei es eine zentrale Aufgabe, die Begriffe Demokratie, Toleranz und Menschenwürde mit Leben zu erfüllen. Die Mitgliedschaft im Bündnis ist deshalb nach seinen Worten auch eine Selbstverpflichtung, dass die beteiligten Institutionen „in ihren eigenen Reihen und mit ihrem eigenen Tun und Handeln diese Werte ernst nehmen und diese Werte auch verfolgen wollen“.


    01.06.2025