Für die Umwelt

Schöpfung bewahren

Die Erlöserkirche in Bamberg hat für ihr Umweltengagement die Auszeichnung "Grüner Gockel" erhalten. Ein Film von Axel Mölkner-Kappl.

Pfarrerin Simojoki und Bayer-Münch von der Eröserkirche Bamberg im Gottesdienst

Pfarrerin Anette Simojoki und Hubert Bayer-Münch vom Umwelteam im Auftaktgottesdienst auf dem Weg zum "Grünen Gockel".

Bild: ELKB

Kirchengemeinden sind Vorbild beim Thema erneuerbare Energie und für die Bewahrung der Schöpfung. Die Erlösergemeinde in Bamberg und die Thomaskirche in Augsburg zeigen großes Engagement.

Die Bewahrung der Schöpfung ist ein zentrales Thema in der bayerischen Landeskirche. Viele Menschen wollen auch in ihren Kirchengemeinden ihre Verantwortung ernst nehmen und dazu beitragen, dass der  Lebensraum für die nachfolgenden Generati­onen erhalten und lebenswert bleibt. Im Jahr 2016 machte sich die Erlöserkirche in Bamberg auf den Weg zum „Grünen Gockel“. Der "Grüne Gockel" ist ein Umweltzertifikat nach den Standards der europäischen EMAS-Verordnung.

Zitat

Im Glauben an die Liebe Gottes, des Schöpfers, erkennen wir dankbar das Geschenk der Schöpfung, den Wert und die Schönheit der Natur. Aber wir sehen mit Schrecken, dass die Güter der Erde ohne Rücksicht auf ihren Eigenwert, ohne Beachtung ihrer Begrenztheit und ohne Rücksicht auf das Wohl zukünftiger Generationen ausgebeutet werden. Gemeinsam wollen wir uns für nachhaltige Lebensbedingungen für die gesamte Schöpfung einsetzen.

Charta Oecumenica (2001)

Das ehrenamtliche Umweltteam der Erlöserkirche in Bamberg hat knapp drei Jahre lang die eigene Kirchengemeinde unter Umweltaspekten durchleuchtet. Themen wie die Vermeidung und Trennung von Müll, der sparsame Strom- und Papierverbrauch oder der Einkauf regionaler und fair gehandelter Produkte wurden engagiert diskutiert. Akribisch bilanzierte das ehrenamtliche Team aus zehn Frauen und Männern Kennzahlen des Wasser- und Energieverbrauchs. In 30 mehrstündigen Sitzungen hat das Team viele Verbesserungsvorschläge für die Umweltbilanz der Kirchengemeinde erarbeitet.

Mehr zum Thema

Wichtig war es Pfarrerin Anette Simojoki dieses Thema in den Kirchenvorstand und in die Kirchengemeinde hineinzutragen und damit auch in die Öffentlichkeit zu gehen. In der Erlöserkirche in Bamberg klingt das Thema „Schöpfung“ häufig in Gottesdiensten, Filmabenden, Gemeindefreizeiten, Konzerten und Kinderbibelwochen an. Fest etabliert ist auch die Umweltseite im vierteljährlich erscheinenden Gemeindebrief, die Tipps für einen ökologischen Lebensstil anbietet. Das Umweltteam hat Schöpfungsleitlinien erarbeitet und ein Umweltprogramm aufgestellt. Ein eigenes Lastenfahrrad für Transporte innerhalb der Stadt wurde angeschafft. Am Ende des dreijährigen Prozesses hat ein unabhängiger Gutachter die Anstrengungen attestiert und die Gemeinde mit dem "Grünen" Gockel belohnt. Im Rahmen des Gemeindefestes im Juni 2019 wurde die offizielle Zertifizierung zum "Grünen Gockel" gefeiert.

Artenschutz-Maßnahmen in einer Stadtgemeinde

Blumenwiese

Eine Rasenfläche auf dem Campus der Thomaskirche wurde umgepflügt, mit Samen einheimischer Wildblumen und Wildgräser eingesät und gewalzt - eine wunderbare Blühpracht!

Bild: pixabay

Der Schutz der Artenvielfalt ist ein Klassiker der kirchlichen Umweltarbeit, weil er Gottes Schöpfung bewusstmacht. Die am Standrand gelegene Kirchen­gemeinde St. Thomas in Augsburg zeigt, dass es auch für Stadtgemeinden viel­fältige Möglichkeiten gibt, Naturschutz-Pro­jekte umzusetzen, zum Beispiel die artenreiche Blumenwiese. Eine weniger intensiv in Anspruch genom­mene Rasenfläche auf dem Campus wur­de umgepflügt, mit Samen einheimischer Wildblumen und Wildgräser eingesät und gewalzt. Zum Gemeindefest hat der Umweltausschuss mit Kindern Blumen­zwiebeln auf einer Rasenfläche gepflanzt. Auf den übrigen Rasenflächen wird nun so gemäht, dass im Wechsel immer Inseln mit Blumen längerfris­tig stehen bleiben.

An der Blumenwiese sind auch zwei Bienenstöcke angesiedelt. „Durch die Stadt­bienen erhalten wir viel öffentliche Auf­merksamkeit und können Mitmenschen integrieren. Der St. Thomas-Honig ist bei jedem Gemeindefest der Verkaufsschla­ger“, freut sich Annelies Rek aus dem Umweltausschuss  von St. Thomas. "Im Ideenspeicher steht noch, eine bepflanzte Trockenmauer für Insekten und Reptilien anzulegen."


Weitere Maßnahmen, die in St. Thomas umgesetzt wurden:

Insektenhotel

Nahe der Blumenwiese steht das gro­ße Insektenhotel. Beim Bau war die Ju­gendgruppe beteiligt; Empfehlungen aus der Fachliteratur wurden berücksichtigt. Die „Einflugschneise“ ist frei, sonnig und windgeschützt.

Nistmöglichkeiten

Mit fachlicher Unterstützung einer Fachfrau des Naturschutzes und des LBV ha­ben wir ein ökologisches Nistkonzept erarbeitet, das die Bedürfnisse unterschiedlicher Vögel und Fledermäuse berücksichtigt. Der Bau von 80 Nisthilfen war ein gefragtes Event beim Gemeindefest. Die ersten Vögel sind bereits eingezogen. Die Brutmöglichkeit für Dohlen am Kirch­turm und die Fledermauskästen sind seit drei Jah­ren bzw. seit einem Jahr noch nicht nachgefragt worden. Erzwingen kann man den Bezug leider nicht.

Eigenkompostierung

Sämtlicher Grünschnitt und ein Großteil des Grasschnittes sowie kompos­tierbare Küchenabfälle unserer regelmäßigen Spei­sung von ca. 50 Personen werden auf dem Campus in gute Erde verwandelt. Dazu kommen ein semi­mobiler Kompost-Kasten (ca. 4 Kubikmeter) sowie fünf mobile ca. 0,5 Kubikmeter große Thermokomposter zum Einsatz. Hierdurch wird Kohlenstoff gebunden, der nicht in die Atmosphäre abgegeben wird, und Le­bensraum für Krabbeltiere geschaffen.

Pflanzkonzept

Nach dem großen Erfolg mit dem Nistkon­zept bereiten wir ein ökologisches Pflanzkonzept vor. Ziel ist es ebenfalls, durch Fachkräfte die Art und Menge der bestehenden Bepflanzung aufnehmen, überprüfen und ggf. hinsichtlich der ökologischen Bedeutung weiterentwickeln zu lassen. Kriterien dabei sind: mehr einheimische Arten, Früh- und Spätblüher, Synergien für die Nistmöglichkeiten und Insekten- Angebote nutzen.

Nachhaltige Beschaffung

Gemäß unserer neuen Beschaffungsricht­linie ist der Einsatz von Insektiziden oder Pestiziden nicht mehr zulässig.

Der Umweltbeauftragte Hilmar Mante und Annelies Rek ziehen ein Resümee: „Es gibt auch für Stadtgemeinden viel­fältige Möglichkeiten, Naturschutz-Pro­jekte umzusetzen. Wir haben erfahren, dass die Einbin­dung von Fachleuten bei der Planung und Ausführung sehr wichtig ist. Mit unseren Artenschutz-Aktivitäten binden wir Gemeindeglieder mit ein und inspirieren diese zum Nachahmen im ei­genen Wirkungskreis.“

Engagiert zum Klimaschutz beitragen: Das Integrierte Klimaschutzkonzept

"Mit Energie für gutes Klima" - mit diesen Worten hat die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche im April 2009 Gemeinden und Einrichtungen aufgefordert, sich für ein klimabewusstes Leben und Arbeiten zu engagieren. Mehr als 100 Kirchengemeinden, aber auch über 20 Einrichtungen haben seitdem den "Grünen Gockel" bei sich landen lassen.

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Gebäude und Mobilität sind die Hauptquellen von Emissionen im kirchlichen Bereich. "Klimacheck Sparflamme", "Grüner Gockel", "Energetische Sanierungen", "Energiefonds", „Räume für die Zukunft“, so lauteten zahlreiche Programme und Aktionen, die die Landeskirche in den vergangenen 10 Jahren aufgelegt hat. Mit diesen Anregungen und Unterstützungen können Kirchengemeinden etwas für den Klimaschutz tun und viel Geld einsparen.

Diese Programme und Ideen sind im Integrierten Klimaschutzkonzept aufgenommen, gebündelt und fortgeführt, das im März 2019 von der Landessynode beschlossen wurde. Ziel ist, in allen Bereichen der Landeskirche das Engagement im Klimaschutz so zu verstärken, dass die Landeskirche einen „uns angemessenen Beitrag zum Erreichen des 2-Grad-Ziels bis hin zur Klimaneutralität“ leistet. Das Klimaschutzkonzept bietet eine Fülle von praktischen Umsetzungsmöglichkeiten, aus denen die Kirchengemeinden vor Ort auswählen können. Gemeinden können dort mit dem Klimaschutz beginnen, wo er vor Ort gut und effizient umzusetzen ist. 

 

 


25.09.2019 / ELKB