Europäischer Stationenweg

Geschichten auf Reisen

Europäischer Stationenweg Wegweiser Europakarte

Europäischer Stationenweg: Regionale und ökumenische Partner luden zu einem Fest mit zahlreichen Veranstaltungen ein, um lokale Beziehungen zur Geschichte der Reformation aufzudecken.

Bild: r2017

Vom warmen Rom bis ins kalte Bergen, von westlichen Dublin bis nach Sibiu im Osten geht der Stationenweg und verbindet Stätten der Reformationsgeschichte, darunter auch Augsburg, Nürnberg und Coburg.

Von November 2016 bis Mai 2017 bereiste der Truck auf Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und dem Schweizer Evangelischen Kirchenbund (SEK) 68 Orte in 19 verschiedenen Ländern und sammelt Geschichten rund um die Reformation. »Luthers Botschaft von der Freiheit eines Christenmenschen kennt keine nationalen oder kulturellen Grenzen«, erläuterte der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Deshalb sei die internationale Dimension des Reformationsjubiläums zentral. Der »Europäische Stationenweg« verdeutliche das auf besonders anschauliche Weise, indem er regionale  Reformationsgeschichten sammelt und nach Wittenberg bringt. "Der Stationenweg ist genau die Idee, die wir jetzt in Europa brauchen", hielt Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm mit Blick auf Spannungen und Differenzen auf dem Kontinent fest.

An den offiziellen Stationen luden Kirchengemeinden und Kommunen für jeweils 36 Stunden dazu ein, regionale Zeugnisse und Traditionen der Reformation neu zu entdecken. Mit überraschenden Inszenierungen wurde Historie lebendig gemacht. Persönliche Geschichten bezeugten die aktuelle Bedeutung reformatorischer Gedanken. Für Kontinuität im abwechslungsreichen Programm sorgten Annika Lützow und ihre Team-Kollegen vom Verein "Reformationsjubiläum 2017" mit Sitz in Wittenberg. Sie leisteten hier Bundesfreiwilligendienst und waren eines von vier Teams, die den Truck auf seinem Weg durch ganz Europa durch die größten Städte der Reformation begleiteten. "Man kriegt schnell Routine im Aufbau der Medienstationen und Infostände oder im Auslegen der Flyer. Interessant sind aber die Gespräche, die wir hier mit den Besuchern führen", sagte die 19-Jährige.

In Bayern machte der Truck im April 2017 in Augsburg, Nürnberg und Coburg Station. Diese Ort haben in der Geschichte in der von Martin Luther angestoßenen kirchlichen Reformation eine bedeutende Rolle gespielt.

Augsburg

Augsburg ist ein wichtiger Ort in der Erinnerungskultur der Reformation. Ein Film von Axel Mölkner-Kappl.

Zwei Wochen wohnte Luther im Karmeliterkloster bei St. Anna. Drei Tage lang vom 12. bis 14 Oktober 1518,  stritt er im Stadtpalast der Fugger mit dem päpstlichen Gesandten Cajetan. Dieser erwartete einen Widerruf, drohte mit Festnahme und einem Ketzerprozess. Der blieb aus und bevor Luther festgenommen werden konnte, floh er mit der Hilfe von Freunden in der Nacht aus Augsburg. Die drittgrößte Stadt Bayerns war Schauplatz des Reichstages 1530, wo Philipp Melanchthon die „Confessio Augustana“ einbrachte und verteidigte. Dieses Bekenntnis ist heute Grundlage vieler protestantischer Kirchen.

Nürnberg

Nürnberg war nicht nur die erste deutsche Stadt, die 1525 die Reformation durchführte, sondern galt auch als eines der wichtigsten Medienzentren in Deutschland. Ein Film von Axel Mölkner-Kappl.

Kurz nachdem Luthers „95 Thesen gegen den Ablass“ gedruckt erschienen waren, wurden sie in Nürnberg in deutscher Sprache gedruckt. 1522 wurden die drei wichtigen Predigerstellen mit drei jungen Theologen, die Luthers Ideen nahestanden, besetzt.  Nürnberg war die erste deutsche Reichsstadt, die 1525 die Reformation durchführte und evangelisch wurde. Die Stadt galt als "Medienzentrum Martin Luthers", sagte Dekan Jürgen Körnlein. Nürnberg ist mit einem siebenminütigen Filmbeitrag dabei, für den Iris Köglmeier, Jugendreferentin der Evangelischen Jugend Nürnberg (EJN), in die Rolle eines Engels schlüpfte, der durch die ehemalige Reichsstadt führt.

Coburg

Auf der Veste in Coburg lebte und arbeitete Luther im Jahr 1530. Ein Film von Axel Mölkner-Kappl.

Am 15. April 1530 durchschritt Martin Luther das Spitaltor und hat in Coburg Geschichte geschrieben. Ein halbes Jahr hat er auf der Veste Coburg gelebt und gearbeitet. Während in Augsburg der Reichstag 1530 zusammen kam, bei dem der Glaubensstreit verhandelt werden sollte. Luther stand noch immer unter Reichsbann und die Reise nach Augsburg wurde ihm verwehrt. Coburg war der letzte geschützte Ort für ihn im Gebiet seines Kurfürsten. "Der Ort ist sehr hübsch und bequem zum studieren", schrieb Luther in einem Brief aus Coburg  an seinen Sohn Hans. Luther nutzte die 25 Wochen, in denen er auf der Veste in Coburg lebte,  produktiv. Er schrieb rund 120 Briefe und arbeitete im Rahmen seiner Bibelübersetzung an den Propheten und den Psalmen („Coburger Psalter“ Psalm 1-25).

Zur Person

Europäischer Stationenweg Karte, Bild: © r2017

Blog "Geschichten auf Reisen"

Das Team auf dem Truck - 15 Volunteers und ein Teammanager - sammelten Geschichten aus den Orten, die besucht wurden. Im Truck konnten diese Geschichten erlebt werden: als Video, als Audio
oder auch in Texten. Nachzulesen sind sie auf dem Blog „Geschichten auf Reisen“.


09.05.2017 / r2017/ELKB