Blog zur Fußball-WM 2018

Tränen lügen nicht

Teich, Blätter, Kaulquappen

Weinen ist gesund

Bild: Susanne Breit-Keßler

"Die Fußballweltmeisterschaft in Russland ist ein Lehrstück: Männer können weinen! Sie sollen es sogar. Denn das macht die Welt ganz einfach besser. Danke Neymar!", sagt Susanne Breit-Keßler im Blog.

Männer weinen im Schnitt zweimal im Jahr. Und wenn ein Mann weint, kann frau sicher sein: Er ist auf dem Fußballplatz, sein Team verliert ganz barbarisch oder siegt unfassbar triumphal. Natürlich kann so ein Mann auch schluchzenderweise im Stadion oder zuhause auf der Couch hocken. Unvergessen das Spiel von La Mannschaft gegen Brasilien vor vier Jahren, in dem die Seleção 7:1 unterlag. „Sete a um“ - das waren noch Zeiten! 

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„Tor für Deutschland“ zetert der Brasilianer heute noch sprichwortartig, wenn ihm ein Missgeschick widerfährt. „Sete a um“ ist Sinnbild  für heulende Männer, die sich beim Volk, bei Ehefrauen und Kindern, Großeltern, Nachbarn und dem Hund für die Niederlage entschuldigen. Neymar, der bis heute gerne theatralisch zu Boden geht, er weinte, weil er damals nicht mitverlieren durfte. Das klappte bei dieser WM gegen Belgien sehr gut. 

Heul‘ doch!

Olli Kahn, inzwischen eiskalter Moderator, sagte beim letzten Champions League Finale abschätzig über Spieler: „Die weinen immer. Das kann man doch auch in der Kabine machen“. Kann man, muss man aber nicht. Dann sieht es nämlich keiner. Und das ist schade. Denn ein weinender Mann weckt in einer Frau nicht nur die schönsten Gefühle. Er macht auch Hoffnung auf eine Welt, in der nicht bloß die harten Kerle was zu sagen haben. 

Beim Fußball sind Männer so, wie man sie sich wünscht: Sie knutschen, rollern fröhlich gemeinsam über den Boden, springen sich friedlich an  und - sie weinen. Wir Frauen wissen schon lang: Weinen löst Spannungen und baut Stress ab. Schädliche Eiweißstoffe, die sonst krank machen, werden mit der Tränenflüssigkeit ausgespült. Lasst uns nicht bloß Spielern, sondern auch den Mächtigen dieser Welt zurufen: Heul’ doch! Dann geht’s uns allen besser.


10.07.2018 / chrismon/Breit-Keßler