Blog zur Fußball-WM 2018

Game over

Türschild Hotel rütteln

Susanne Breit-Keßler über das Vorrunden-Aus für Deutschland in der Fußball-WM 2018.

Bild: Susanne Breit-Keßler

Die deutsche Mannschaft ist in der Vorrunde der WM ausgeschieden. "Ein Desaster, das man nicht durch Interpretationen vergrößern muss", schreibt Susanne Breit-Keßler in ihrem chrismon-Blog zur WM.

„Zwickt‘s mi, i man i tram! Des derf ned wohr sein, wo samma daham?“ Das hat der Österreicher Wolfgang Ambros vor über 40 Jahren gesungen. Immer noch aktuell der Song. Denn ich habe auch das Gefühl, dass ich träume und zwar schlecht. Dass das einfach nicht wahr sein darf: La Mannschaft ist ausgeschieden. In der Vorrunde. Sie sind letzte in ihrer Gruppe. Trotzdem braucht mich keiner zwicken. Ich weiß, es ist wahr.

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Was ich jetzt fürchte, sind die diversen Bewältigungsmechanismen. Es gibt Wichtigeres, sagen die, die moralisch erhaben sind über Niederungen des Fußballs. „Denk an die Probleme dieser Welt ...“ Ja doch! Tu‘ ich täglich! Mann! Muss diese Mannschaft dazu auch noch verlieren? Oder: „Es ist gut, über den tieferen Sinn von Niederlagen nachzudenken.“ Nein. Ist es nicht. Wer braucht Niederlagen, wenn man ins Achtelfinale kommen könnte?

Des war‘s

Dann die Love and Peace Typen: „Hey! Wir sind sowieso voll für die Kleinen“. Rührend. Japan, Senegal, Schweiz. Das kann man kirchlich auch noch prima von der globalen Nächstenliebe her begründen. Immer gerne. Aber doch nicht bei einer WM, Mensch! Wer eher hilflos sagt: „Äh, öh, gut, wir können bei offenem Fenster schlafen, weil es keinen Auto-Corso gibt“ ist mir dagegen noch fast sympathisch. 

Das wenigstens ist handfeste, sich selbst tröstende Verzweiflung. Mit zitternder Stimme vorgetragen. Aber letztlich ist alles total daneben. In einer für Kenner bedeutsamen Szene der Helmut Dietl-TV-Serie „Monaco Franze - der ewige Stenz“ sagt der Held, ein echter Hallodri, die trefflichen Sätze: „Ein rechter Sch...dreck war‘s, altmodisch bis provinziell war‘s. Des war‘s.“ viel mehr Analyse braucht es nicht. 

Überkommener, aufgeblasener, pomadiger Altherren-Stehfussball war das. Grottenschlecht. Hätten sich die deutschen Fußballer samt ihrem lässigen Trainer-Team mal besser am christlich-tatkräftigen Liedgut orientiert: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen.“ Da wäre was los gewesen auf dem Platz. War aber nicht. Nichts mehr ist es mit draußen in der Welt spielen. Heimkommen, Jungs.


28.06.2018 / chrismon/Susanne Breit-Keßler