Bildungsarbeit

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    Bildung die sich an den konkreten Bedürfnissen der Menschen ausrichten.

    Bild: EPD

    Bildung und Wissen entscheiden über die Zukunft – sowohl des Einzelnen als auch der Gesellschaft. Auch wir als Kirche haben eine Bildungsverantwortung – und das schon seit 2000 Jahren.

    Bildung - ein Thema, das uns unser Leben lang beschäftigt. Das "lebenslange Lernen" ist inzwischen zum Modewort geworden. Oje, mag da mancher sagen. Hört das Lernen denn nie auf? Nein. Und das ist auch gut so. Denn der Mensch kann und soll sich immer wieder und weiter entwickeln, seine Gaben und Talente ausbreiten, fragen, suchen, sich orientieren.

    Selbstverständlich ist Bildung dennoch immer konkret an die jeweilige Altersstufe und Lebensphasen gebunden. Die 46 kirchlichen Bildungswerke zwischen Bodensee und Bayreuth bieten eine erstaunliche Palette an Veranstaltungen und Aktionen, die sich zielgenau und konsequent an den gesellschaftlichen Entwicklungen und den konkreten Bedürfnissen der Menschen ausrichten.

    Deshalb spielt in vielen Bildungswerken die „Medienpädagogik“ inzwischen eine ganz große Rolle: Da werden Computerkurse für Senioren angeboten, Konfirmandeneltern erfahren, was ihre Sprösslinge auf den Sozialen Netzwerken wie Facebook so treiben oder tunlichst nicht machen sollten, Gemeinden bekommen Expertenrat, wie sie ihre Homepage am besten und effektivsten gestalten können.

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    Aber auch den wachsenden sozialen Problemen setzt die evangelische Bildungsarbeit erfolgreiche Programme entgegen: Familien und Alleinerziehen, die mit dem Alltag überfordert sind, werden von gelernten Hauswirtschafterinnen unterstützt, Menschen mit Migrationshintergrund bekommen gezielt Hilfen, um möglichst schnell in ihrer neuen Heimat zurechtzukommen. Bei alle diesen Aktivitäten ist es das allem übergeordnete Ziel der Erwachsenenbildung, wie Verbandsvorsitzender Hans Jürgen Luibl erläutert, Menschen zu befähigen, „sich in Kirche und Welt zurechtzufinden, mitreden zu können, sich entfalten zu können“.

    Eine wichtige Adresse sind die Bildungswerke aber auch für Menschen in persönlichen Notlagen: Nach dem Tod des Partners treffen sie in den „Trauercafés“ - wie etwa in München oder in Bayreuth - auf Menschen, die selbst mit einem schmerzlichen Verlust fertig werden mussten, und können sich gegenseitig trösten und aufrichten.

    Bildungsarbeit in Dekanat und Gemeinde - Einige Beispiele

    Bildungsarbeit in Dekanat und Gemeinde - Einige Beispiele

    Überforderten Familien zur Seite stehen

    Wenn einer Familie der Alltag über den Kopf wächst, tritt das Evangelische Bildungswerk Donau-Ries auf den Plan. Dabei setzt das Bildungswerk, wie die pädagogische Leiterin Christa Müller erläutert, bei dem an, was Leib und Seele zusammenhält: In dem Kurs „Leichter durch den Alltag“ lernen die überforderten Eltern oder Alleinerziehende an neun Vormittagen, wie man ein gutes und preiswertes Essen kocht. Die Mahlzeiten, die für vier Personen ausgelegt sind, können die Teilnehmer dann gleich mit nach Hause nehmen und auf den Tisch bringen.

    Die Kurse, die von gelernten Hauswirtschaftlerinnen gegeben werden, vermitteln aber auch, wie die Familien überdimensionierte Wäscheberge abbauen und ihren Alltag gut auf die Reihe bringen können. Der absolute Höhepunkt des Kurses ist der Fasching, wenn an einem Vormittag die Kinder mit dabei sind, die Familien zusammen spielen und essen. Denn es ist dem Bildungswerk ein großes Anliegen, wie Christa Müller betont, dass die Familien eine Esskultur entwickeln und um den Tisch eine Mitte finden – für Kommunikation und Zusammenhalt.

    In diesen hauswirtschaftlichen Kursen, bei denen das Bildungswerk eng mit den Gemeinden zusammenarbeitet, sollen in Zukunft auch Erziehungsfragen und Medienpädagogik behandelt werden. 30 Männern und Frauen aus benachteiligten Familien sind die Kurse bisher zur Seite gestanden. Christa Müller freut sich besonders, dass durch diese Angebot der evangelischen Bildungsarbeit einige Frauen sogar eine berufliche Perspektive oder einen Ausbildungsplatz gefunden haben.

    www.evang-bildungswerk-donau-ries.de

    Kulturelle Brücken

    Ein umfangreiches Kulturprogramm für ganz unterschiedliche Zielgruppen stellt das Evangelische Bildungswerk Bayreuth/Bad Berneck/Pegnitz auf die Beine. Jugendliche mit und ohne Behinderung machen gemeinsam Theater. Bei dem „Bayreuther Lernfest“ treten Theatergruppen aus den Himmelkroner Heimen, aus einer Behindertenwerkstatt, des Gehörlosenchors und von Schulen miteinander auf, wie Geschäftsführer Jürgen Wolff erläutert. Ziel der verschiedenen Theaterworkshops sei es, Menschen mit Behinderung aus der „gesellschaftlichen Isolation“ zu holen.

    Als weiteres Angebot des Bildungswerks bereichern die „Filmgespräche“ die Bayreuther Kulturszene. Einmal im Monat führt das Bildungswerk in Kooperation mit einem Kino einen besonderen Film vor, zu dem es Vor- und Nachgespräche gibt. Immer mehr Cineasten nutzen diese Möglichkeit, sich unter fachmännischer Moderation über einen Film auszutauschen.

    Eine kulturelle Brücke zwischen den Generationen schlägt das Evangelische Bildungswerk Schwabach mit seinem Projekt „unter 7 und über 70“. Eine Gruppe von Vorschulkindern besucht mit einer eigens für dieses Projekt qualifizierten Referentin ein nahe gelegenes Seniorenheim. Dort singen die Kinder dann mit den pflegebedürftigen oder demenzkranken Menschen. Gewinners sind beide Seiten: die Senioren erfahren eine hochwillkommene Abwechslung, die Kinder bekommen sozusagen nebenbei eine kostenlose musikalische Früherziehung.

    www.ebw-bayreuth.de
    www.schwabach.de

    Mobiles Kaffeekränzchen 2.0

    Für viele ältere Menschen sind die Social Media wie etwa das Facebook immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Abhilfe schafft da ein Projekt des Münchner Bildungswerks. In Internet-Schnupperkursen antwortet die ausgewiesene Medienfachfrau Annette Hüsken-Brüggemann auf alle Fragen rund um Facebook und Twittern in ihrem „Netz-C@fe“.

    Das Bildungswerk hat dieses „Kaffeekränzchen 2.0“ zusammen mit der „Hilfe im Alter“ der Inneren Mission München entwickelt. Die nötige Hardware bietet ebenfalls das Bildungswerk – 17-Zoll-Laptops, Mäuse, Router, eben alles, was nötig ist, um für einen Zeitraum von drei Monaten das mobile „Netz-C@fe“ in jeden beliebigen Gemeinderaum zu bringen.

    Mit seinem Projekt will das Bildungswerk die gesellschaftliche Teilhabe von Senioren über Social Media ermöglichen und so auch der abnehmenden Mobilität dieser Personengruppe begegnen. „Die Teilnehmer lernen, sich übers Internet zu informieren und Kontakte zu pflegen, erschließen sich durch den Kurs aber auch gleichzeitig in ihrem Viertel neue – reale – Sozialkontakte“, betont Hüsken-Brüggemann. Das Pilotprojekt steht allen Gemeinden im Dekanat München offen.

    ebw-muenchen.de

    Kirchliche Heimat für Russland-Deutsche

    Das Evangelische Bildungswerk Regensburg sucht nach Wegen, wie Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion besser in das kirchliche Leben integriert werden können. Vor allem in den 1990-er Jahren kamen viele „Deutsche aus Russland“ in die Oberpfalz, in einigen Gemeinden des Dekanats Regensburg machen sie mehr als die Hälfte der Mitglieder aus. Aus ihrer eigenen Tradition heraus stehen sie aber in häufig Distanz zu den klassischen Formen des Gemeindelebens in ihrer neuen Heimat und beteiligen sich nur sehr zögerlich an den Gruppen und Kreisen oder den Leitungsgremien , wie etwa dem Kirchenvorstand, sagt Bildungswerk-Geschäftsführer Carsten Lenk.

    In einem breit angelegten Projekt bietet das Bildungswerk Möglichkeiten der wechselseitigen Begegnungen – etwa gemeinsames Kochen, Musik und Tanz. Dabei sollen die Zuwanderer ihre Traditionen präsentieren. In Erzähl-Cafes können die oft sehr berührenden Schicksale und Lebensläufe der Russland-Deutschen lebendig und authentisch berichtet werden, Ausstellungen, die von dieser Gruppe selbst gestaltet werden, runden das Bild ab. Spezielle Glaubenskurse schaffen Zugänge und Übergänge zwischen den unterschiedlichen Ausprägungen der Frömmigkeit und Spiritualität. Für die Gesamtkoordination und die Vernetzung der verschiedenen Projekte sorgt wiederum das Bildungswerk.

    www.ebw-regensburg.de

    Die Erwachsenenbildung mit all ihren Facetten, ihren Um- und Aufbrüchen, ist ein Markenzeichen der evangelischen Kirche mit einer langen Tradition: Denn sie ist ein „Produkt der Reformation“, fasst Luibl zusammen. Die bahnbrechende neue Idee Luthers und seiner Mitstreiter war, dass „jeder Christ die Bibel lesen sollte, um 'frei und mündig zu werden vor Gott und der Welt'“. Die Folge dieses – theologischen – Grundgedankens sei dann eine „grandiose Alphabetisierungskampagne“ gewesen, so Luibl.

    Eine direkte Linie von der Reformationszeit, in der sich vor allem Philipp Melanchthon für freie Bildung für alle Schichten stark machte, zieht der Münchner Bildungswerk-Chef Felix Leibrock. Damals ermöglichten Lesen und Schreiben die Teilhabe der Menschen am gesellschaftlichen Leben. Heute bedeutet Teilhabe der Umgang mit den neuen Medien, mit Computern und Sozialen Netzen. Deshalb hat das Münchner Evangelische Bildungswerk (ebw) als Zukunftsprojekt eine kompetente Medienfachfrau angestellt, die sich vor allem um die Menschen kümmert, die noch keinen Zugang zu der modernen Medienwelt haben.

    Evangelische Akademie Tutzing

    Evangelische Akademie Tutzing ,© ELKB

    Mit Tagungen und Seminaren von unterschiedlichen Formaten bietet die Evangelische Akademie Tutzing ein Forum, um aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft, Religion und Kultur zu diskutieren und Impulse für Kirche und Gesellschaft zu setzen. Die Veranstaltungen der Akademie richten sich explizit an Menschen unterschiedlicher Konfessionen und politischer und weltanschaulicher Einstellungen.

    Evangelisches Bildungszentrum Hesselberg

    Evangelisches Bildungszentrum Hesselberg ,© Andreas Weinhut

    Das Evangelische Bildungszentrum Hesselberg veranstaltet Tagungen, ist Anlaufstelle für Schulausflüge oder Konfirmandenfreizeiten und bietet zahlreiche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, insbesondere im sozialdiakonischen Bereich. Das vielfältige Angebot und die landschaftlich reizvolle Lage machen den Hesselberg zu einer beliebten Anlaufstelle in Sachen Bildung, Beratung und Erholung.

    Foto: copyright Andreas Weinhut

    Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad

    Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad,© ELKB

    Bildung, Begegnung und Besinnung - das Evangelische Bildungszentrum Bad Alexandersbad richtet sich mit seinem vielfältigen Angebot an Herz und Verstand. Mit seiner Lage am Berührungspunkt dreier Bundesländer (Bayern, Sachsen, Thüringen) und in unmittelbarer Nachbarschaft zu Tschechien versteht sich das Bildungszentrum als Ort der Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägung.

    Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum Pappenheim

    Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum Pappenheim,© ELKB

    Kinderfreizeiten zum Dschungelbuch, Hochseilgartentraining für Unternehmen und spannende Jahresthemen - das evangelische Bildungs- und Tagungszentrum Pappenheim bietet Bildungsangebote für Menschen jeden Alters. Ein besonderes Anliegen des Bildungszentrums ist die Fort- und Weiterbildung in Beruf und Ehrenamt.

    Tagungsstätte Wildbad Rothenburg o.d.T.

    Tagungsstätte Wildbad Rothenburg o.d.T.,© ELKB

    Ob Manager oder Pilger, Künstler oder Familien, Seminarteilnehmer oder Konfirmanden – das Wildbad Rothenburg bietet Raum für vielfältige Diskussionen und Beschäftigungen. Als Haus der Kirche sieht sich das Wildbad dem Leitsatz „in Verantwortung leben“ verpflichtet.

    Evangelische Stadtakademie Villa an der Schwabach

    Evangelische Stadtakademie Villa an der Schwabach,© ELKB

    Die Evangelische Stadtakademie Villa an der Schwabach fördert die kirchliche Erwachsenenbildung im Dekanat Erlangen. Schwerpunkte der Bildungsarbeit liegen auf den Bereichen Theologie/Philosophie, Kirche und Gesellschaft, sowie auf Studienreisen und der Fortbildungsarbeit.

    Evangelische Stadtakademie Nürnberg

    Evangelische Stadtakademie Nürnberg,© ELKB

    Vom Themenkreis Christentum und Religionen über Körper und Gesundheit bis hin zur persönlichen Biographiearbeit: Die evangelische Stadtakademie Nürnberg bietet vielfältige Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit aktuellen Themen und zur Reflexion des eigenen Lebensweges.

    Evangelische Stadtakademie München

    Im Herzen der Stadt gelegen ist die evangelische Stadtakademie in München ein Ort des Gesprächs und der öffentlichen Meinungsbildung. In zahlreichen Veranstaltungen werden Fragen aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Politik, Wirtschaft, Religion und Kultur aufgegriffen und Impulse für Kirche und Gesellschaft erarbeitet.

    Rudolf-Alexander-Schröder-Haus Würzburg

    Das Rudolf-Alexander-Schröder-Haus widmet sich der Erwachsenen- und Familienbildung im Raum Würzburg. Neben Angeboten für Fort- und Weiterbildung bietet das Schröderhaus vielfältige Studienreisen, Exkursionen und Führungen an.

    Trotz der langen Tradition und einer klaren Verortung in Kirche und christlichem Menschenbild muss sich auch die Evangelische Erwachsenenbildung immer neu im vielfältigen Konzert der anderen Anbieter – von Volkshochschulen über Akademien bis zum Seniorenstudium – als eigene Stimme behaupten.

    Bei aller Konkurrenz ist die evangelische Erwachsenenbildung nach Überzeugung von Oberkirchenrat Detlev Bierbaum, Leiter der Abteilung „Gesellschaftsbezogene Dienste“ im Landeskirchenamt, heute wichtiger denn je. Denn bei ihr stehen nicht ökonomische Gesichtspunkte wie etwa die Aneignung von beruflich-fachlichen Fähigkeiten im Mittelpunkt, sondern der einzelne Mensch, mit seinen ganz individuellen Defiziten und Potentialen.

    Informationen zum Thema Arbeitsgemeinschaft Evangelische Erwachsenenbildung

    Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung in Bayern e.V.

    Die AEEB ist ein Zusammenschluss der Träger der evangelischen Erwachsenenbildung. Insgesamt zählt der Verband 81 Mitglieder, darunter die Evangelische Akademie Tutzing, die Bildungs- und Tagungszentren im ländlichen Raum, die Bildungszentren in der Region sowie die Bildungswerke in den Dekanatsbezirken.

    www.aeeb.de

    Deshalb ist die Erwachsenenbildung der Kirche nicht nur lieb, sondern auch was wert: In einem breiten „Innovationsprozess“, für den 800.000 Euro vorgesehen sind, werden derzeit neue, zukunftsfähige Formate entwickelt. Dabei soll überlegt werden, wie sich kleine Bildungswerke zu sinnvollen regionalen Verbünden zusammenschließen und Kooperationen zwischen Gemeinden, Dekanaten und den Fachleuten in den Bildungswerken geschaffen werden können.

    Auch wenn der alte Reformator Melanchthon nicht einmal im Traum an Computer, Handys und Facebook gedacht hätte, würde er doch ganz sicher mit großer Freude auf die blühende Evangelische Erwachsenenbildung schauen, die für viele Menschen in der Kirche, am Rand und außerhalb der Kirche unendlich wertvoll ist und bleiben wird.


    25.06.2014 / Harmsen/epv