Zur Ökumene-Konzeption

Von Kirchenrat Ivo Huber,  Referent für Theologische Grundsatzfragen

Folgende Leitfragen haben uns bewegt bei der Erarbeitung der Ökumenekonzeption:

Welches Verständnis von Ökumene haben wir? Wie wollen wir uns selbst verhalten, damit wir ein fairer Partner für die anderen sind?
Was geschieht überhaupt in der Ökumene in unserer Landeskirche?
Welche Akzente wollen wir in der Ökumene setzen?
Welche Konsequenzen und welches Ziel verbinden wir mit unserer Vorstellung von Ökumene?
Und schließlich: Welchen Stellenwert räumen wir der Ökumene in unserer Kirche ein?

Das Vorhaben der Ökumenekonzeption, das uns die letzten Jahre intensiv beschäftigt hat, steht in engem Zusammenhang mit dem Text „Außenbeziehungen der ELKB – Ein Beitrag zur weltweiten Communio“, in dem die ELKB beschlossen hat, wie die weltweiten Beziehungen der ELKB in Zukunft gestaltet werden sollen.

In der „Konzeption Ökumene“ kommt nun das Miteinander der Konfessionen in den Blick. Die Konzeption will klären, unter welchen theologischen Voraussetzungen und mit welcher Zielsetzung die ELKB sich in der interkonfessionellen Ökumene engagiert. Die besondere Beziehung zum Judentum und der Dialog der Religionen sind wichtige Themen, die jedoch in einem nächsten Schritt eigens behandelt werden. 

In den Überlegungen, wie dieses Unterfangen sinnvoll angegangen werden kann, wurde schnell klar, dass wir neben einer theologischen Fundierung auch praktische Fragen geklärt haben wollten. Wir wollten herausfinden und anschließend beschreiben, wie das ökumenische Leben unserer Kirche in Bayern überhaupt aussieht, um „aus einem Nebel von Vermutungen“ herauszukommen. Einen wesentlichen Bestandteil der „Konzeption Ökumene“ bildet deswegen eine „ökumenische Landkarte“.

In intensiver Zusammenarbeit mit den Ökumenebeauftragten der Dekanatsbezirke und durch die wissenschaftliche Aufarbeitung und Evaluierung der evangelischen FH Nürnberg sind wir nun in der Lage die Vielfalt und regionale Prägung des ökumenischen Lebens in der Landeskirche als Momentaufnahme für das Jahr 2007 darzustellen.

Neben den „harten Fakten“ finden sich in dieser Landkarte auch Einschätzungen von Fachleuten zu ausgewählten Aspekten gelebter Ökumene. So wird zum Beispiel gefragt, wie die Zusammenarbeit mit den Partnern anderer Kirchen eingeschätzt und wie die Entwicklung der letzten Jahre beurteilt wird. Interessant ist, dass die Entwicklung der letzten Jahre, im Gegensatz zu manch pessimistischer Einschätzung, positiv eingeschätzt wird.

Es kann also weder von einem Stillstand noch von einer Eiszeit in der Ökumene die Rede sein.

Sicher, nicht alles in der Ökumene ist einfach, aber die Verhältnisse in Bayern sind gefestigt, mehr noch - der Trend ist positiv.

Konsequenterweise schließt die Konzeption mit ökumenischen Zielperspektiven für die verschiedenen Handlungsebenen der Landeskirche. Hier werden überprüfbare Ziele und Entwicklungsperspektiven benannt und in einigen Jahren soll evaluiert werden, inwiefern diese erreicht worden sind.

Wir freuen uns sehr, dass die Landessynode im Frühjahr 2010 sich des Themas Ökumene mit großer Energie angenommen hat. Auf der Synode in Weiden soll nicht nur die Ökumene-Konzeption beschlossen werden, sondern wird das Thema Ökumene prominent in den Mittelpunkt gestellt werden. Im Eröffnungsgottesdienst wird der Präsident des Sekretariates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, predigen und vermutlich der gesamte Dienstag der Ökumene gewidmet sein. Hier werden prominente Gäste zu erwarten sein.

Insgesamt also eine vielversprechende Eröffnung des Ökumenejahres 2010 durch die Landessynode, von der wir uns Impulse über 2010 hinaus erhoffen.