Kurze Geschichte der Protestanten in Bayern
5. Jahrhundert
Die Umwälzungen der Völkerwanderung prägen das 5. Jahrhundert. Durch den Zerfall des weströmischen Reiches fällt der Kirche die Rolle der ordnenden und gestaltenden Macht zu. In den Händen rivalisierender Herrscher und konkurrierender Völker wird das Christentum aber auch zum Spielball politischer Interessen: Verschiedene Strömungen des christlichen Glaubens wie der Arianismus oder der Nestorianismus werden zum Mittel der politischen Auseinandersetzung.
6. Jahrhundert
Von Irland und Schottland aus wandern schon seit dem 5. Jahrhundert christliche Missionare, meist Mönche, durch den Kontinent. Viele Menschen in Europa sind inzwischen getaufte Christen.
So ist auch ein Mönch eine der herausragenden Persönlichkeiten des 6. Jahrhunderts: Benedikt von Nursia. Mit einer Klostergründung im Jahr 529 legt er den Grundstrein des christlichen Mönchtums in Europa. Der Kernsatz der benediktinischen Ordensregel (Ora et labora) ist bis heute Grundlage vieler Ordensgemeinschaften.
Einer der bedeutendsten Päpste überhaupt, Gregor I., der Große, hat 590 den Stuhl des römischen Bischofs
7. Jahrhundert
In den Wirren dieser Epoche ist das Papsttum die einzige noch funktionierende Ordnungsmacht in Rom. Durch die päpstliche Politik und die Missionsarbeit des Mönchtums werden die Voraussetzungen für die Entstehung eines späteren Kirchenstaates geschaffen. Doch die Macht der Päpste hat auch ganz weltliche Auswirkungen: In England siegt der römische Papst mit Hilfe der iro-schottischen Mönche über die Angelsachsen (664, Synode von Whitby).
Am Ende dieses Jahrhunderts wird der Mann geboren, der für Deutschlands Kirche ausschlaggebende Bedeutung erlangt: Bonifatius.
8. Jahrhundert
Die Christianisierung Deutschlands ist das achte Jahrhundert ein wichtiger Zeitraum - und es steht ganz im Zeichen des Bonifatius. Dieser Winfried Bonifatius erhält in einem für frühmittelalterliche Verhältnisse reifen Alter von 40 Jahren den Auftrag, Germanien zu missionieren. Sein Einsatzgebiet reicht von der Nordsee bis zu den Alpen. Dennoch hinterlässt Bonifatius ein beeindruckendes Werk: er gründet eine Vielzahl von Bistümern (u.a. Fulda, Erfurt, Würzburg, Eichstätt), bekämpft die heidnischen Vorstellungen und Bräuche der Germanen, ordnet das Klosterwesen nach der Regel des hl. Benedikt neu, sorgt für eine fundierte Ausbildung des Klerus und baut eine funktionierende kirchliche Verwaltung auf. 754 wird er bei einer Tauffeier in Friesland erschlagen.
Die römische Kirche bindet im achten Jahrhundert ihr Schicksal eng an das Frankenreich. König Pippin zeigt sich erkenntlich: Durch einen Trick vermacht er der römischen Kirche weite Bereiche Mittelitaliens. Dabei gibt er vor, schon Kaiser Konstantin habe die Päpste zu Erben und Rechtsnachfolgern des römischen Reiches machen wollen. Doch das entsprechende kaiserliche Dokument - die "konstantinischen Schenkung" - ist eine glatte Fälschung. Obwohl die Unechtheit des Dokumentes schon früh bekannt war, hat die römische Kirche auf seiner Grundlage ihre Ansprüche durchgesetzt.


