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Kurze Geschichte der Protestanten in Bayern

2. Jahrhundert

Obwohl die Anhänger des Christus ihren Glauben oft nur im Geheimen leben können, sind die ersten Jahrhunderte der Christenheit Jahre rasanten Wachstums. Die Botschaft des auferstandenen Jesus Christus verbreitet sich entlang der römischen  Handels- und Verkehrswege über Händler und Soldaten. Schon bald gibt es in allen größeren Städten und Garnisonen Christinnen und Christen. In der Mitte des 2. Jahrhunderts ist der christliche Glaube im ganzen römischen Reich verbreitet: in Spanien, Frankreich, im Süden Englands, in Ägypten, Kleinasien (heute Türkei), Nordafrika, am Schwarzen Meer, sogar außerhalb des Imperiums in Armenien, in Syrien und Äthiopien.

Das Christentum ist zunächst eine Religion der einfachen Leute und der Angehörigen sozial benachteiligter Gruppen. Vermutlich haben Frauen bei der Ausbreitung der christlichen Überzeugungen eine zentrale Rolle gespielt. Sie sind besonders ansprechbar für die - damals neuen - Ideen der Brüderlichkeit, der Menschenwürde, der Barmherzigkeit und Friedfertigkeit. Dabei ist der christliche Glaube ist kein abgeschlossenes System. Immer mehr Gedanken aus der griechischen Philosophie fließen ins Christentum ein. Besonders verbreitet sind die Ideen der so genannten "Gnosis", die bis heute eine große Herausforderung für den christlichen Glauben darstellen.

Das 2. Jahrhundert wird auch zu einer Zeit, in der sich die junge Kirche stabilisiert. Strukturen verfestigen sich. Lehrbriefe und Synoden legen erste Ordnungen fest, so z. B. die Kirchenordnung des Hippolyt, die den Aufbau der Gemeinde und liturgische Fragen regelt.

3. Jahrhundert

Durch die Stabilisierung und  Globalisierung des Christentums wird eine theologische Durchdringung des Glaubens nötig. Dabei wird die Bedeutung des Jesus Christus zur zentralen Frage. Wer ist Jesus wirklich? Wie kann er gleichzeitig wahrer Gott und wahrer Mensch sein? Wie können die Geheimnisse des Glaubens in der Sprache der Vernunft verständlich gemacht werden? Aus einem zunächst einfachen Glauben beginnt sich eine Theologie zu entwickeln.

Währenddessen hält der äußere Druck unvermindert an: Auch in diesem Jahrhundert müssen Christen Ausgrenzung und teils blutige Verfolgungen ertragen. Unter den Märtyrern, die wegen ihres Glaubens sterben, sind bekannte Namen: Die Bischöfe und Theologen Origines, Tertullian,  Dionys von Alexandrien, Cyprian von Karthago oder der sozial engagierte  Diakon Laurentius. Auch viele Frauen sind unter den Opfern der Verfolgungen.

4. Jahrhundert

Im vierten Jahrhundert findet die Unterdrückung der Christenheit ein Ende. Kaiser Konstantin macht im Jahr 313 das Christentum zu einem vom Staat anerkannten Kult. Der Legende nach soll Konstantin kurz vor der Entscheidungsschlacht um die Vorherrschaft im römischen Reich eine Kreuzes-Vision gehabt haben. Die Verheißung aus dieser Vision: "In diesem Zeichen wirst Du siegen!".

Der eigentliche Grund für seine Zuwendung zum Christentum ist vermutlich seine politische Weitsicht. Eine einzige Religion im Staat, der Glaube an einen mächtigen Schöpfer-Gott, erschien ihm vermutlich staatstragender und einheitsstiftender als die Vielzahl von Religionen, Kulten und religiösen Überzeugungen, die das römische Reich bisher ausmachte.  Außerdem war diese neue, junge Religion noch stark, kraftvoll und voller Dynamik.

Konstantins Nachfolger Theodosius der Großen macht das Christentum im Jahr 380 zur Staatsreligion. Diese Nähe der christlichen Religion zur staatlichen Macht wird für die Entwicklung des Christentums weit reichende Folgen haben. Das römische Recht, sein Verwaltungswesen und seine Organisation haben das kirchliche Denken beeinflusst und kirchliche Strukturen mitgeprägt.