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Kurze Geschichte der Protestanten in Bayern

12. Jahrhundert

Die kommenden Jahrhunderte  haben ein neues Thema: Die  Auseinandersetzung mit dem Islam. Im 15. Jahrhundert hat die im Jahr 622 begründete Religion bereits Arabien, Nordafrika und Spanien erobert. Der islamische Glaube ist bis nach Indien vorgedrungen. Israel, das Heilige Land, ist bedroht.

1119 gründen französische Ritter zum Schutz der Pilger im Heiligen Land den "Templer-Orden". In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gelingt es dem Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux, den deutschen und französischen König und die Ritterschaften Europas in mitreißenden Predigten für einen zweiten Kreuzzug zu begeistern. Vor allem wegen der Unstimmigkeiten zwischen den Herrschern Ludwig VII. und Konrad III. scheiterte diese groß angelegte Unternehmung jedoch komplett. In der Folge wird im Jahr 1187 Jerusalem von den Sarazenen erobert und das christliche Kreuzzug-Heer durch Saladin vernichtend geschlagen. Weitere Kreuzzüge werden diesem Ereignis folgen.

Während die Päpste und bischöflichen Fürsten in der Weltpolitik engagiert sind, gibt es "an der Basis" immer wieder Reformer, die den Kern des christlichen Glaubens entschieden leben. Einer davon ist der Bettelmönch Franziskus, dessen Lehre bis heute nachwirkt. Noch immer sind es vor allem Mönche aus franziskanisch geprägten Orden, die sich für soziale Gerechtigkeit auch politisch engagieren (z.B. in der südamerikanischen Theologie der Befreiung). Neben den Reformbewegungen in der Kirche entstehen auch kirchenkritische und sozialrevolutionäre Bewegungen am Rande der Kirche. In Südfrankreich führen Kirche und Staat einen erbitterten Krieg gegen die Albigenser (auch Katharer - "die Reinen" genannt), eine mittelalterliche Sekte, benannt nach der südfranzösischen Stadt Albi.

13. Jahrhundert

Im 13. Jahrhundert, dem Zeitalter der Hochscholastik, wirken zahlreiche bedeutende Theologen gleichzeitig: Thomas von Aquin (+1274),  Bonaventura (+1274), Albertus Magnus (+1280), Alexander von Hales, Johannes Duns Scotus.

Der bereits im 11. Jahrhundert schwelende Konflikt zwischen Kaiser und Papsttum setzt sich in diesem Jahrhundert fort. Stauferkönig Friedrich II., obgleich mächtigster Herrscher des Hochmittelalters, unterliegt im Streit mit dem Papst. Gleich zweimal wird er mit dem Kirchenbann belegt (1227 und 1239). Im Jahr 1245 wird er auf dem Konzil von Lyon abgesetzt. Nur wenige Jahre später wird Friedrichs Enkel Konradin von Hohenstaufen von Günstlingen des Papstes der Prozess gemacht: 1268 wird er auf dem Marktpatz von Neapel hingerichtet.

Mit Konradin endet das Herrschergeschlecht der Staufer; Deutschland wird für geraume Zeit von der politischen Bühne Europas verdrängt.

Das 13. Jahrhundert ist auch das Jahrhundert aufgewühlter religiöser Erneuerung, apokalyptischer Ängste, schwärmerischer und sozialer Bewegungen. So ziehen etwa die Flagellanten singend und betend durchs Land, geißeln sich zur Buße die nackten Oberkörper, um so schwärmerisch verzückt am Leiden Jesu teilzuhaben und die Welt zu erlösen. Fanatisierte Kinder rotten sich zusammen, ziehen im so genannten Kinderkreuzzug nach Jerusalem und gehen unterwegs elend zugrunde. Der nach Joachim von Fiore genannte Joachimismus findet rund 50 Jahre nach dem Tod Joachims seinen Höhepunkt. Seine Anhänger zeichnen sich durch das Warten auf den nahenden Weltuntergang aus.

Die offizielle Kirche reagiert verunsichert auf diese Entwicklungen. Sie verbietet neue Ordengründungen, im Jahr 1235 setzt der Papst offiziell die Inquisition ein, eine Art kirchliche Gesinnungspolizei mit schlimmen Folgen für all diejenigen, deren Treiben als Ketzerei oder Häresie eingestuft wird. In Südfrankreich werden die Kriege gegen die Albigenser noch immer mit großer Härte geführt.

Nachdem Jerusalem von Kreuzfahrern zwischenzeitlich zurückerobert werden konnte, wird es 1244 endgültig von den Muslimen besetzt. Rund 50 Jahre später ist das gesamte Kreuzzugsunternehmen gescheitert: Mit dem Fall der Burg der Hafenstadt Akko 1291 werden die letzten Kreuzritter vertrieben.

14. Jahrhundert

Das vierzehnte Jahrhundert steht für das Aufkommen der  Renaissance und den gleichzeitigen Verfall des römischen Papsttums. Es ist eines der dunkelsten Kapitel der Kirche. Zum Beginn des Jahrhunderts geraten die Päpste unter den Einfluss Frankreichs. Der Sitz des Papstes wird nach Avignon verlegt (1309) und bleibt dort bis 1377. Erst Papst Gregor XI kehrt nach Rom zurück. Ein Jahr später setzt Frankreich einen Gegenpapst durch. Damit ist das abendländische Schisma (Kirchen-Spaltung) vollzogen; es wird bis 1415 andauern. Der Wunsch nach kirchlicher Erneuerung und religiöser Vertiefung bewegt dagegen die Basis. Bußprediger wie Vinzenz Ferrer und Bußwallfahrten finden breiten Anklang.

Die Schwäche des Papsttums und seine Abhängigkeit von französischen Interessen führen umgekehrt dazu, dass sich die deutschen Fürsten und Könige allmählich von Rom und päpstlichen Machtansprüchen emanzipieren. Mit Ludwig dem Bayern wird 1328 zum ersten Mal ein Kaiser in Abwesenheit eines Papstes gekrönt. Der Rhenser Kurverein von 1338 und die Goldene Bulle von 1356 das Wahlrecht neu: Sieben Kurfürsten wählen von nun an den deutschen König; eine päpstliche Bestätigung ist dazu nicht mehr erforderlich.

In 14. Jahrhundert beginnen die Kontakte des Abendlandes mit dem Morgenland, die durch die Kreuzzüge zustande gekommen waren, Früchte zu tragen: Die westeuropäische Kultur lernt arabische Wissenschaften kennen; über sie findet sie wieder Zugang zu antiken, hellenistischen Quellen. Das führt zu einer Wiedergeburt (Renaissance) antiken Denkens. Der klassisch-schöne, göttliche Mensch wird zum Leitbild der Epoche. Es kommt zu einer stürmischen Entwicklung von Kunst, Forschung und Bildung. 1348 wird die Universität Prag gegründet, 1365 folgen Wien, 1386 Heidelberg, 1388 Köln, 1392 Erfurt

15. Jahrhundert

Im 15. Jahrhundert erreicht  die Renaissance ihren Höhepunkt. Markante Vertreter dieser geistigen Bewegung sind Erasmus von Rotterdam, Theologe und humanistischer Philosoph; die Maler Michelangelo, Leonardo da Vinci und Raffael; der Theologe Nikolaus von Cues, der Mystiker Thomas von Kempen.

Gutenbergs Entdeckung des Buchdrucks (um 1450) ist ein kulturhistorischer Meilenstein, erst durch ihn wird die massenhafte Verbreitung von Wissen und damit eine individuelle Bildung möglich.

Im Jahr 1492 entdeckt Kolumbus Amerika. Gleichzeitig wütet in Spanien die Inquisition grausam gegen Mauren, Juden, Katharer und Waldenser. 1483 wird Luther geboren, 1484 Zwingli. Die Päpste in Rom zeichnen sich eher durch Kunstverstand und üppige Bautätigkeit aus als durch theologische oder religiöse Kompetenz.