Mit Psalm 23 gegen die Flugangst: Persönlichkeiten der ELKB und ihre Urlaubspläne 2010
Im August, wenn die großen Ferien in Bayern starten, hat Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (Foto links unten) volles Programm: „In den ersten Tagen besuche ich zunächst unsere Partnerkirchen in Nicaragua, Costa Rica, Guatemala und Honduras.“ Da seine Ehefrau, Dorothea Friedrich, Lehrerin ist, folglich nur Urlaub in den großen Sommerferien bekommt und der Landesbischof am liebsten mit ihr so weite Reisen unternimmt, legt er die dienstlichen Besuche bei den Gemeinden in Mittelamerika in den August. Nach dem offiziellen Teil will er mit seiner Frau, die im Übrigen auf eigene Kosten mitfliegt, „auch noch ein paar Tage in Guatemala dranhängen“.
Direkt danach geht’s weiter nach Griechenland in die Hafenstadt Volos am Pagasitischen Golf in der Region Thessalien. „Mit dieser Reise folgen wir einer Einladung des griechisch-orthodoxen Erzpriesters Apostolos Malamoussis aus München, um bei der Hochzeit seiner letzten noch unverheirateten Tochter dabei zu sein“, verrät Dr. Friedrich. Anschließend hängen die Friedrichs wieder „ein paar Tage dran“: in Volos. „Die letzten beiden Augustwochen mache ich dann reinen Urlaub mit meiner Frau in Wernfels bei Nürnberg; da haben wir seit über 30 Jahren ein Bauernhaus, das wir uns auch schon als Altersruhesitz auserkoren haben“ - gegensätzlicher könnte das Ferienprogramm nicht sein!
Dr. Friedrich freut sich auf „Bifteki“
Wenn er sich alle drei Ziele einmal vor das geistige Auge hält: Welches reizt den Landesbischof am meisten? „Griechenland!“, antwortet er da wie auf der Pistole geschossen. „Das Land ist einfach ideal, Sie haben immer Sonne, Sie können wunderbar schwimmen dort. Außerdem kennen meine Frau und ich schon ganz viel, da müssen wir nicht ständig Ausflüge machen, sondern können uns einfach nur ausruhen“, erzählt Dr. Friedrich augenzwinkernd. Außerdem freut er sich auf sein Lieblingsessen: „Bifteki, die griechischen gebratenen Fleischpflanzerl!“
Dr. Dorothea Greiner, Oberkirchenrätin und Regionalbischöfin von Bayreuth (Foto links unten), bewegt sich kulinarisch in einer ganz anderen Ecke. Seit stolzen 20 Jahren schon verreist Dr. Greiner mit ihrer Familie nach Frankreich an die Atlantikküste, um dort drei Wochen mit dem Wohnwagen zu campen. So auch dieses Jahr. In die Ferien startet sie ab der zweiten Augusthälfte, im Gepäck eine Riesenfreude auf den Atlantik. „Das ist einfach so ein wunderschönes Meer“, schwärmt Dr. Greiner, „es macht einen solchen Spaß, sich da auszutoben, nicht nur zu schwimmen, sondern auch über die Wellen zu springen“, lacht die Regionalbischöfin. „Es ist ein Spiel mit dem Wasser – danach ist man erschöpft und glücklich zugleich.
Mit bloßen Füßen auf weichem Pinienboden
Zusätzlich freut sie sich auf das französische Essen. „Wenn wir ankommen, gibt es noch am selben Abend erst einmal einen großen Topf ,Soupe de Poisson‘, also Fischsuppe, auf unserem Campingplatz, einfach umwerfend!“, erzählt Dr. Greiner begeistert. „Ich liebe es, zwei Stunden in Ruhe in einem einfachen Dorfrestaurant zu essen, und dazu den köstlichen Bordeaux-Wein aus dem Fass zu genießen.“ Dazu überwältigt sie jedes Mal wieder die Landschaft, das unvergleichliche Naturerlebnis, das ihr speziell der Aufenthalt auf dem Campingplatz beschert. „Morgens aufzustehen und nicht auf kalten Fließen entlang zu tappen, sondern mit den bloßen Füßen auf weichem Pinienboden - das ist Natur pur“, lacht die Oberkirchenrätin.
Langgestreckte Radwege entlang der Küste laden sie zum ausgiebigen Radeln ein. Gleichwohl relaxed sie nicht nur an der frischen Luft bei Spaziergängen am Strand oder in den weitläufigen Wäldern, sondern auch bei der Ausarbeitung einer Predigt. „Häufig nehme ich mir einen biblischen Text mit in den Urlaub, den ich dann dort nach und nach und ganz entspannt auf mich wirken lassen kann“, verrät Dr. Greiner. „Das ist keine Arbeit für mich; die Entstehung einer Predigt, ganz in Ruhe, ist eher noch einmal ein gutes Stück Erholung für mich und prägend für den Urlaub.“
"Ich bin ein sehr bodenständiger Mensch"
„Gerne spontan“ gestaltet Susanne Breit-Keßler ihren Sommerurlaub (Foto links unten). Die Oberkirchenrätin im Kirchenkreis München und ständige Vertreterin des Landesbischofs hat „noch gar keine Pläne“ wo es dieses Jahr hingehen soll, und ob ihr Mann und sie überhaupt verreisen. „Das kommt ganz auf das Wetter an!“ Geben sich die bayerischen Sommerferien sonnendurchflutet, „bleiben wir zu Hause und genießen unser schönes Bayern – ich bin ein sehr bodenständiger Mensch“, unterstreicht die Regionalbischöfin. Mit Blick auf heimische Gefilde könnte sie sich gut einen entspannten Trip in den von ihr sehr geliebten Bayerischen Wald vorstellen. Bei Dauerregen würden ihr Mann und sie allerdings schon in die südliche Sonne flüchten. „Wir haben es gerne warm!“
Als Reiseziel hätte sie für diesen Sommer dann am liebsten mal wieder Italien. „Wir waren vor Jahren schon mal in Sizilien, das ist kulturell sehr interessant. Wir liegen im Urlaub nämlich nicht nur auf der faulen Haut, sondern lernen gern Land und Leute kennen, entdecken gern alte Orte. Wir haben auch schon eine Rundreise durch den Norden Italiens bis an den Gardasee gemacht. Und ein Besuch im Krippenmuseum im Südtiroler Brixen wäre selbst im Sommer wunderbar.“
"Lesen, lesen, lesen!"
Entspannung bedeutet für Breit-Keßler: „Zeit für meinen Mann und Zeit für mich“. Und: „Lesen, lesen, lesen! Mein Mann sagt immer, ,ich fresse Bücher‘“, lacht die Oberkirchenrätin. Wenn ein Band „nicht gerade 700 Seiten hat“, verschlingt sie „ein Buch pro Tag, das Schnelllesen habe ich in meiner Kindheit gelernt. Als ich klein war, war mein Vater eine Zeitlang schwerkrank. Während dieser Zeit hat er viel gelesen, und ich habe mich dann immer an ihn gekuschelt und mitgelesen. Er hat ganz schnell gelesen, und da habe ich mich seinem Tempo angepasst, um mitzukommen.“
Zurzeit liegt „13 Stunden“ von Deon Meyer auf ihrem Nachttisch, ein gutes Buch für den Sommerurlaub wäre aber auch „ein spannender Krimi von Ian Rankin“. Oder ein Buch, das in eine fremde Welt entführt, die so ganz anders ist, als die hektische deutsche – „ein belletristisches Buch über Asien oder Afrika zum Beispiel.“ Bei so einer Schmökerlektüre merkt man im Hinblick auf viele Probleme unseres Alltags: „Es ist alles halb so wild!“
Mit Psalm 23 gegen die Flugangst
Und auch sonst hat Breit-Keßler tolle Tipps gegen Stress im Angebot. Etwa, wenn auf dem Weg an ein fern gelegenes Sommerreiseziel die Flugangst im Airbus an ihr zerrt. „Dann bete ich den Psalm 23, den absoluten Anti-Stress-Psalm! Und zwar nicht nur einmal, sondern mehrmals hintereinander und immer wieder – da wird man automatisch ruhig!“ Ein kleines Gespräch mit Gott ist anderswo für Urlauber längst Usus. „In arabischen Ländern erklingen am Flughafen Koransuren über die Lautsprecher, bevor der Flieger startet – warum gibt es das bei uns noch nicht, dass biblische Worte vor dem Abflug gesprochen werden.
Die Idee würden die Nürnberger Regionalbischöfe bestimmt auch begrüßen, wenngleich sie im Sommer nicht in die Luft gehen: Oberkirchenrätin Elisabeth Hann von Weyhern (Foto links) und Oberkirchenrat Dr. Stefan Ark Nitsche werden die ersten beiden Augustwochen auf Amrum verbringen, die 12-stündige Reise von Nürnberg aus bewältigt das Ehepaar natürlich mit Auto und Fähre. Seit acht Jahren schon fahren die Regionalbischöfe auf die wunderschöne nordfriesische Insel, die sie zunächst teils jobtechnisch kennen gelernt haben.
„In den ersten vier Jahren, als wir noch Planungsreferenten waren, haben wir dort Urlauberseelsorge gemacht, das ist dann immer halb Urlaub und halb Arbeit“, erklärt Hann von Weyhern. Die stille Schönheit Amrums hat sie und ihren Mann dann so eingefangen, dass sie auch in der Zeit danach immer wieder hingefahren sind. „Die Natur reizt uns. Amrum ist jeden Tag gleich und jeden Tag ein bisschen anders.“ Mal wühlt der Wind die Wellen auf, mal ruht die See, ist die Luft wie Samt, „das Klima wechselt ständig, und doch wirkt alles auf dieser kleinen Insel so vertraut, wo wir jeden Weg, jede Ecke kennen. Wir sind der Insel treu geblieben.“
Den neuen Kluftinger-Krimi „extra aufgespart für den Sommer“
Das Ehepaar hat gleich ganz viele andere mit ihrer Begeisterung angesteckt. „Im Sommer werden wir wieder mit der ganzen Großfamilie hinfahren“, erzählt Hann von Weyern. Mit dieser dann am Strand zu flanieren „hat ein bisschen was von den Buddenbrooks, nur nicht ganz so edel“, lacht die Nürnberger Regionalbischöfin augenzwinkernd. Der Urlaub sei einfach eine schöne Gelegenheit für ein großes Familientreffen, mit Mutter, Bruder, Schwester und Freunden, schwärmt Hann von Weyern, „wir sitzen dann in unseren Strandkörben und reden, reden, reden“.
Und stecken auch mal die Nase in ein gutes Buch. Kein Fachbuch, „wir haben zwar auch ein paar dabei, aber die klappen wir immer nur ganz kurz auf und denken uns dann, ,ach nö‘“, lacht Hann von Weyern. Dann lieber doch den neuesten Kommissar Kluftinger-Krimi – „den haben wir uns extra aufgespart für den Sommer!“
Text: Almut Steinecke

