Interkulturelle Erziehung oder: Weltfrieden auf kleinstem Raum
In Stadtteilen mit einem hohen Anteil ausländischer Familien sind in den Kindergärten unterschiedliche Kulturen und Religionen schon lange Realität. Tageseinrichtungen für Kinder tragen mit ihren Konzepten der interkulturellen Erziehung zur gelingenden Integrationsarbeit insgesamt wesentlich bei. Interkulturelle Erziehung spielt dabei eine Vermittlerrolle, denn sie fördert Toleranz, gegenseitige Achtung und Wertschätzung. Sie bietet Wegbegleitung und will Familien unterschiedlicher Welten und Kulturen zueinander führen. Dabei steht der soziale Kontakt im Vordergrund und das Ziel, Fremdes kennenzulernen und vertraut werden zu lassen. Untereinander und voneinander lernen wird möglich. Um einander näher zu kommen, brauchen Kinder und Erwachsene Interesse für Fremdes, Bereitschaft für Veränderungen und Freude an gemeinsamen Erfahrungen.
In den letzten Jahren, seit wieder mehr Kinder ohne jegliche Deutschkenntnisse in den Kindergärten angemeldet werden, ist es vielen Erzieherinnen ein dringendes Anliegen, die Zusammenarbeit mit den Eltern zu intensivieren. Denn nur in enger Kooperation mit den Eltern und mit gegenseitiger Unterstützung kann die Entwicklung des Kindes nachhaltig gefördert werden. Interkulturelle Erziehung unterstützt damit auch die gesamte Familie und fördert aktiv deren soziale Integration.
Für ausländische Eltern, deren Kind einen Kindergarten besucht, ist es besonders wichtig, dass sie mit der Konzeption der Einrichtung vertraut gemacht werden. Eigens für sie angebotene Nachmittagsstunden sind eine Möglichkeit. Dabei wird den Eltern ausführlich erläutert, dass die Einrichtung kein „Aufbewahrungsort“ für Kinder berufstätiger Eltern ist, sondern vielmehr eine Erziehungs- und Bildungseinrichtung, die gerade für ihre Kinder das „erste Sprungbrett“ ins schulische und soziale Leben sein kann. Den Eltern wird das Konzept der Sprachförderung aufgezeigt, Spiel- und Bastelmaterialien sowie Kinderbücher vorgestellt und Strukturelemente des Tagesablaufs wie Freispiele und Gruppenarbeit erläutert. Schließlich erfahren sie etwas über Feiertage und Symbole der verschiedenen Religionen. So können die Eltern nachvollziehen, was ihrem Kind im Kindergarten angeboten wird. Mit Hilfe unterschiedlicher Materialien – zum Beispiel Liedertexte, Gedichte, Geschichten – können sie die Förderung ihres Kindes zu Hause gezielt fortsetzen.
Eine gute Kooperation zwischen ausländischen Eltern und pädagogischen Mitarbeiter/innen fördert die gesamte Arbeit der Einrichtung. Das Miteinander belebt wesentlich den gemeinsamen Alltag.
Viele Kindergärten orientieren sich an Konzepten interkultureller Erziehung. Um die kulturelle Verschiedenartigkeit der Familien kennenzulernen und mehr über ihre Herkunft zu erfahren und ihre Lebensart wertschätzen zu lernen, startete der Kindergarten St. Johannes in Augsburg ein Jahresprojekt mit dem Motto „Gemeinsam geht es besser“.
>> Hierzu ein Bericht der Leiterin der Einrichtung, Marlies Schaumlöffel-Brodte
Text: Rosemarie Lang


