Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

"Würfelt Gott?" - Schülerin Julia (12) interviewt den Landesbischof

Schülerin Julia ist Präparandin und interessiert sich sehr für kirchliche Themen – insbesondere für Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der ein Schulfreund  ihres Vaters ist. Anlässlich des Besuches des Landesbischofs zum 850-jährigen Stadtjubiläum in Rödental konnte sie Heinrich Bedford-Strohm interviewen und fragen, was sie schon immer von einem Bischof wissen wollte. „Ich hätte dem Landesbischof noch stundenlang zuhören können“, resümiert die begeisterte Nachwuchsjournalistin. Ihr Urteil: „Unheimlich sympathisch, menschenfreundlich und charmant“. Lesen Sie hier ihr Interview.

Julia Kroworz durfte in Rödental Landesbischof Bedford-Strohm interviewen

Was macht ein Landesbischof?

Ein Landesbischof macht natürlich sehr viele verschiedene Dinge. Ganz wichtig ist für einen Landesbischof, dass er predigt und Gottesdienste hält. Aus den Gottesdiensten kommt die Kraft für alles andere. Was ich jetzt heute mache, einen Gottesdienst irgendwo in Bayern zu halten, ist sehr wichtig. Oft fahre ich auch in die Gemeinden und in die Kirchenkreise fahre und feiere dort mit den Menschen einfach zusammen Gottesdienst.

Natürlich rede ich auch viel öffentlich, spreche mit Politikern und versuche die ethischen Grundlagen des christlichen Glaubens in die politischen Zusammenhänge mit einzubringen. Dann habe ich selbstverständlich im Landeskirchenamt viele Besprechungen mit Menschen, die sich mit der Zukunft der Kirche beschäftigen und die dann über bestimmte Programme und Konzepte nachdenken, die der Kirche helfen sollen.

Wie sind Sie Landesbischof geworden?

Ich bin von der Bayerischen Landesynode gewählt worden. Das sind über 100 Synodale, die die letzte Gesetzgebungsgewalt in unsere Kirche haben. Es ist also so, dass nicht der Landesbischof bestimmt, was gemacht wird, und die Gesetze macht, sondern die Landessynode. Die Landessynode ist die Vertretung aller Kirchengemeinden und die haben auch das Recht, den Landesbischof zu wählen. Da gibt es dann mehrere Kandidaten und so war es auch bei mir und dann bin ich eben gewählt worden.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Ich gehe morgens um 7.30 Uhr oder manchmal auch schon vorher ins Büro. Ab und zu lese ich zuhause schon ein paar E-Mails und gehe dann danach ins Amt.  Dann habe ich Besprechungen mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Anschließend habe ich oft mit Medien, mit dem Radio, dem Fernsehen oder mit der Zeitung einen Termin.

Es könnte zum Beispiel auch sein, dass mein Fahrer mich abholt, weil ich in eine andere Stadt in Bayern fahren muss, um dort einen Gottesdienst oder einen Vortrag zu halten.  Um 8.30 Uhr, bevor das alles losgeht, gibt es im Landeskirchenamt eine Andacht, zu der alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hingehen können und wenn ich kann und im Haus bin, gehe ich da auch am Anfang des Tages sehr gerne hin.

Und natürlich versuche ich Zeit zu haben, um die Post zu lesen. Ich bekomme viele Briefe und sehr viele E-Mails und wenn ich irgendwie kann, dann antworte ich selbst oder ich gebe es weiter an die Menschen, die sich mit der Sache, um die es da geht, besonders beschäftigen.

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Pfarrer oder Landesbischof geworden wären?

Ich war in allem, was ich bisher gemacht habe, immer sehr glücklich. Dazu muss ich sagen, dass ich ja schon viele andere Dinge ausgeübt habe. Ich war gerne Gemeindepfarrer und ich war auch sehr gerne Professor an der Universität. Als ich noch ein Kind war, wollte ich immer gerne Bäcker werden, weil ich so gerne Kuchen esse und am liebsten den Teig nasche.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich habe schon viele Vorbilder. Dietrich Bonhoeffer ist sehr wichtig für mich. Er ist ein Theologe und Pfarrer gewesen, der im 3.Reich Widerstand geleistet hat und dafür von den Nazis umgebracht worden ist. Auch Menschen wie Martin Luther King oder Nelson Mandela haben sich aus der Kraft ihres Glaubens für Menschenwürde in ihren Gesellschaften eingesetzt.  Das beeindruckt mich sehr und das ist mir Vorbild.

Waren Sie ein guter Schüler?

Ich war ein ganz guter Schüler. Ich habe mich immer viel mit anderen Sachen beschäftigt, war zum Beispiel Schülersprecher und habe mich auch in politischen Fragen engagiert. In der Schulzeit habe ich auch Geige gespielt im Collegium Musicum. Obwohl ich immer viel anderes gemacht habe, war ich aber trotzdem ganz gut in der Schule.

Was waren Ihre Lieblingsfächer?

Ich habe – witzigerweise - immer gerne Latein gemacht. Musik hat mir allzeit Spaß gemacht, Sport habe ich sehr gerne betrieben und die Sprachen Englisch und Französisch lagen mir.

Haben Sie Sprüche oder Bibelzitate, die Sie durch das Leben tragen?

Das Wort, was jetzt für meine Bischofszeit am wichtigsten geworden ist, kommt aus dem 2.Korintherbrief und lautet: “Der Herr ist der Geist und wo der Geist des Herren ist, da ist Freiheit.“ Die Freiheit eines Christen ist mir sehr wichtig und dass wir die Dinge, die wir tun, nicht tun, weil wir sie tun müssen, sondern weil sie sozusagen aus dem Herzen herausfließen.

Was wollen Sie als Landesbischof erreichen?

Ich möchte gerne ganz besonders auch junge Leute ansprechen und erreichen, dass die Jugend die Kraft des christlichen Glaubens spürt. Ich möchte gerne die Gottesdienste stärken; ich möchte überlegen, wie Gottesdienste so attraktiv und interessant sein können und so viel Ausstrahlung haben, dass die Menschen gerne hingehen und mehr Leute die Gottesdienste besuchen, als es jetzt der Fall ist.

Dann möchte ich gerne, dass die kraftvollen Orientierungen der Bibel und des christlichen Glaubens auch in den öffentlichen Fragen, die diskutiert werden und die eine ethische Dimension haben, zur Wirkung kommen. Also wenn es zum Beispiel  um Wirtschaft geht, dass der Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit nicht vernachlässigt wird  und dass die Schwachen nicht bei Seite gelassen werden, sondern auch ihr Recht bekommen. Dass das gewährleistet ist in der Politik, dafür will ich mich verstärkt einsetzen.

Wie wollen Sie Kinder und Jugendliche für die Kirche begeistern?

Eine Sache, die ich jetzt ganz konkret gemacht habe, ist dass ich eine landesbischöfliche facebook-Seite eingerichtet habe. Dort verbringen Jugendliche viel Zeit und ich bin einfach auch neugierig auf diese Medien. Ich möchte wissen, was denken Jugendliche und finde deren Ideen ganz toll. Auf der facebook-Seite melden sich ganz viele Menschen, auch Jugendliche zum Teil, zum Beispiel auf meine Frage hin „Was ist wichtig für den Gottesdienst, so dass der interessant ist?“.

Da habe ich ganz tolle und interessante Anregungen bekommen. Insofern suche ich das Gespräch mit Menschen und insbesondere mit jungen Menschen, aber darüber hinaus auch mit Menschen, die den Kontakt zur Kirche vielleicht verloren haben, aber eigentlich doch selber auch Fragen haben und mit allen Menschen, für die der christliche Glauben relevant ist.

Könnten Sie sich vorstellen, in die Politik zu gehen?

Das ist für mich kein Thema, denn ich glaube, dass ich in dem jetzigen Amt die wirkliche Grundlage des Lebens, nämlich den christlichen Glauben, gefunden habe. Diesen Glauben kann ich da stärken und von da aus ergeben sich dann viele Einflussmöglichkeiten, auch auf politische Fragen. Da wo es die Ethik berührt, das ist für mich der richtige Ort.

Warum lässt Gott auch so viel Elend und Not, die immer auch ganz viele unschuldige Kinder treffen, zu?

Das ist eine ganz schwierige und schmerzhafte Frage, weil dahinter viel Leid von Menschen steckt. Ich glaube, was man auf jeden Fall sagen kann ist, dass Gott da ist, wenn Menschen leiden. Denn derjenige, in dem sich Gott gezeigt hat, ist Jesus Christus und der ist am Kreuz gestorben und hat er hat am Kreuz geschrieen: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?“

Das ist die Stimme des Sohnes Gottes und deswegen ist für mich ganz sicher, dass Gott mit den Menschen leidet, da wo sie leiden. Das ist was man auf jeden Fall sagen kann! Ich stelle mir Gott nicht vor wie einen „Knopfdrückergott“, der auf den Knopf drückt und einen Tsunami kommen lässt und das Leiden der Menschen will.

Einstein hat ja mal gesagt: „Gott würfelt nicht“. Was ist Ihrer Meinung nach damit gemeint?

Das ist ein sehr weiser Ausspruch, denn Gott ist jemand der uns liebt, der sich uns zuwendet, der Anteil nimmt an unserem Leben, an unserer Erfahrung und deswegen nichts dem Zufall überlässt, sondern uns in Liebe zu gewandt ist. Ein Würfelspieler würfelt kalt ohne Beziehung zu dem Menschen, über den er würfelt. Gott ist anders: Gott liebt uns, Gott hat uns geschaffen und deswegen ist es eine ganz zutreffende Bemerkung, wenn Einstein sagt, dass Gott kein Würfelspieler ist.

Vielen Dank für das interessante und ausführliche Interview.

Termine

  • So, 27.07. 10.00 Uhr
    Dekanatsgottesdienst im Grünen auf dem "Walberla"
  • Di, 29.07. 20.00 Uhr
    Lesung mit Heinrich und Jonas Bedford-Strohm
  • Do, 31.07. 19.00 Uhr
    Ökumenischer Gedenkgottesdienst "100 Jahre 1. Weltkrieg"
  • --> weitere Termine


Predigten

Ein statisches Bild der Facebook Like-Box