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Johannis: Sommerweihnacht und ein unbequemer Heiliger

'Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen', mit diesen Worten beschreibt das Johannesevangelium (3,30) das Zeugnis Johannes des Täufers, der wie kein anderer als Wegbereiter von Jesus Christus gilt. Mit dem Johannistag - genau sechs Monate vor Weihnachten - wird an den Geburtstag des Bußpredigers und Vorläufers Jesu gedacht.

In Kamelhaar gekleidet und sich von Heuschrecken ernährend - so plastisch wird Johannes der Täufer im Matthäusevangelium beschrieben. Seinen Zuhörern sagt er ungeschminkt seine unbequemen Wahrheiten, nennt sie "Schlangenbrut" und fordert eine radikale Lebenswende. Ein Bußprediger und Prophet alten Stils: "Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen" (MT 3,2), lautet seine Botschaft.

Berühmtheit aber hat der Prophet durch seine Verwandtschaft und Nähe zu Jesus Christus erlangt. Er, der Cousin ist es, von dem sich Jesus die Taufe erbittet, obwohl sich Johannes nach biblischem Zeugnis zunächst dagegen wehrt: "Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?" (Mt 3,14) So ist er Zeuge der großen Zusage, die Gott Jesus in der Taufe gibt: "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe." Die Wertschätzung ist übrigens gegenseitig. Auch Jesus hat sich sehr positiv über seinen unbequemen Cousin geäußert: "Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer." Dennoch wird die Bedeutung des Täufers auch relativiert: "Der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er (Mt 4,14)."  Er ist ein Zeuge, ein Prophet - nicht mehr und nicht weniger.

Wenn die Nächte länger werden

So ist es nicht verwunderlich, dass schon im 4. Jahrhundert das Fest der Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni gefeiert wurde - sechs Monate vor der Geburt seines großen Verwandten und in unmittelbarer Nähe zur Sommersonnenwende. Während an Weihnachten, in der dunkelsten Zeit des Jahres der Einbruch des Lichtes in die Dunkelheit gefeiert wird, werden die länger werdenden Nächte um den Johannistag mit einem biblischen Zitat verknüpft: "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Joh 3,30)", bezeugt Johannes der Täufer über Jesus. Die Aussage ist prophetisch: Kurz darauf wird Johannes von König Herodes gefangen genommen und schließlich auf Veranlassung von dessen Stieftochter Salome enthauptet (nachzulesen im Matthäusevangelium, Kapitel 14).

Der Sprung über das Feuer

Damit passt sich das Johannisfest gut in die "Dramaturgie" des Kirchenjahres ein: Von Johannis an bis kurz vor Weihnachten werden die Tage immer dunkler, bis das Fest der Geburt Jesu in die Dunkelheit hineinstrahlt. In den Bräuchen zum Johannisfest spielt deshalb auch das Licht eine große Rolle. Im Johannisfeuer mischt sich die christliche Johannisfeier mit der germanischen Tradition des Sonnwendfeuers. Das Johannisfest wurde zur "Sommerweihnacht". Allerdings gab es für diesen Tag strenge Vorschriften: kein übermäßiger Alkoholgenuss, keine Prügelei, dafür ausgelassener Tanz und - früher ganz wichtig - der Sprung über das Feuer. Bewahrung vor Bösem und Krankheit, baldige Hochzeiten - all das erhoffte man sich von diesem Sprung.

Mancherorts verbrannten junge Frauen die Blumensträuße, die sie getragen hatten, im Feuer und sprachen dazu: „Wie dieser Kranz möge all mein Missgeschick verbrennen und in Nichts zerfallen.” Das Binden von Kräuterkränzen aus sieben oder neun verschiedenen Kräutersorten, die über Türen und Fenster gehängt wurden, um böse Geister zu vertreiben, oder ein Gang der Frauen zur Quelle, um kommendes Unheil abzuwaschen, gehörte in manchen Regionen zu den festen Bräuchen am Johannistag.

Wettervorhersage mit Johannis

Wie wichtig der Johannistag im Bewusstsein gerade der ländlichen Bevölkerung war, zeigen die Bezeichnungen Johannisbeere, Johanniskraut und Johanniskäfer sowie zahlreiche Bauernregeln. Hier eine kleine Auswahl:

 "Wenn die Johanniswürmchen schön leuchten und glänzen,
 kommt's Wetter zu Lust und im Freien zu Tänzen;
 verbirgt sich das Tierchen bis Johanni und weiter,
 wird's Wetter einstweilen nicht warm und nicht heiter."

"Wenn kalt und nass Johannis war, verdirbt er meist das ganze Jahr."

"Vor Johanni bitt um Regen, hernach kommt er ungelegen."

Der Johannistag in der Evangelischen Kirche

Auch wenn der Johannistag in der evangelischen Kirche kein Hochfest wie in der katholischen Kirche ist, so hat er doch auch unter Protestanten Tradition. Das zeigen unter anderem die drei Kantaten, "Christ unser Herr zum Jordan kam "(BWV 7), "Freue dich, erlöste Schar" (BWV 30) und "Ihr Menschen, rühmet Gottes Liebe" (BWV 167), die Johann Sebastian Bach für den Johannistag schrieb. Heute wird des Johannistags in einigen bayerischen Gemeinden gedacht. So schmücken beispielsweise die Menschen in Wunsiedel am Wochenende vor dem Johannistag die Brunnen ihrer Stadt mit Blumen. 

Wenn der Tag der Geburt Johannes des Täufers nicht direkt am 24. Juni begangen werden kann, wird er am darauffolgenden Sonntag gefeiert. Die liturgische Farbe des Tages ist weiß - genau wie am Heiligen Abend.