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"Zivilgesellschaft braucht die Kirchen"
Das Verhältnis von Kirche, Staat und Gesellschaft hat den traditionellen Jahresempfang der Evangelischen Akademie Tutzing am Mittwochabend bestimmt. Die heutige "Zivilgesellschaft" brauche die Kirchen, betonte der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seinem Festvortrag. Denn in den öffentlichen Debatten sorgten die Kirchen für eine ethische und soziale Grundorientierung. Als Beispiele für diese ethische Tiefendimension nannte der Bischof, der zum ersten Mal bei dem kirchlichen Empfang das Hauptreferat hielt, die Diskussion um Bundespräsident Christian Wulff und die Situation auf den Finanzmärkten.
Gier nach immer mehr
Der Bundespräsident, aber auch einzelne Journalisten seien mit einer Häme übergossen worden, die nichts mehr mit einer Orientierung an der Menschenwürde zu tun habe. "Hier ist das Maß verloren gegangen", erklärte der Bischof. Das System der Finanzmärkte habe lange Zeit nicht auf der Schaffung von Werten beruht, sondern auf "der Gier nach immer mehr Geld und der Bereitschaft, dafür Risiken einzugehen, die sonst nur im Spielcasino üblich sind". Grundsätzlich müsse sich die politische Kultur immer ihrer besonderen Verantwortung für die Schwachen bewusst sein und und berücksichtigen, wie sich Entscheidungen auf die "verletzlichsten Glieder" der Gesellschaft auswirkten. Hier können Sie den Vortrag des Landesbischofs ganz lesen.
Partnerschaft zwischen Kirche und Staat unverzichtbar
Für die bayerische Straatsregierung sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU), dass gerade in Zeiten der Krise und des Umbruchs eine enge Partnerschaft zwischen Kirchen und Staat "unverzichtbar" sei. Die Kirchen seien vor dem Hintergrund der Globalisierung und der Beschleunigung des technologischen Fortschritts "Kompass und Korrektiv", betonte der Minister in seinem Redemanuskript. Denn sie verkörperten moralische und ethische Werte, die "heute unentbehrlicher sind denn je".
Das gesellschaftliche Klima mitgestalten
In seiner Begrüßung beschrieb Akademiedirektor Udo Hahn den Diskurs über gesellschaftspolitische, ökonomische und interkulturelle Fragen als Kernaufgaben der "Denkwerkstatt" am Starnberger See. Neben dem Dialog wolle die Akademie aber auch das politische und gesellschaftliche Klima aktiv mitgestalten. Sie setze sich deshalb für eine solidarische Gesellschaft ein, in der Antisemitismus und Fremdenhass keinen Platz hätten.
Quelle: epd


