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Wunderkind der Reformation

(c) www.nuernberg-evangelisch.de

Im Sommer 1518 kam Philipp Melanchthon in Wittenberg an - "völlig verdreckt nach mehrtägigem Ritt", so wird es berichtet. Der hochbegabte 21-Jährige sollte an der damals noch jungen Universität - dem geistigen Zentrum der Reformation - griechische Literatur lehren. Zugleich begann damit vor bald einem halben Jahrtausend eine Geschichte mit revolutionären Folgen: Die Zusammenarbeit des großen Humanisten Melanchthon mit Martin Luther veränderte das Christentum im Abendland grundlegend.

Vor 450 Jahren, am 19. April 1560, starb der Universalgelehrte Philipp Melanchthon in Wittenberg. Nach dem "Calvin-Jahr 2009" gedenkt die evangelische Kirche im "Melanchthon-Jahr 2010" an den großen Reformatore des 16. Jahrhunderts. Zum 450. Todestag Melanchthons erinnerte Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (Foto) im Melanchthon-Gymnasium Nürnberg an den "Humanisten und evangelischen Christen", dessen Plädoyer für Bildung Dr. Friedrich als "ganz aktuell" bezeichnete. "Heute wissen wir mehr denn je, dass in der Tat Bildung der Schlüssel für eine intakte Gesellschaft ist. Die sozialen Probleme in unserem Land wie auch in den so genannten Entwicklungsländern lassen sich nur durch qualifizierte und qualifizierende Bildung lösen. Sozialhilfe löst die Probleme nicht. In Bildung muss deshalb investiert werden, und zwar von Anfang an, nicht erst in Universitäten."

"Eine Quelle, zu der sich hinzuwenden lohnt"

Auch mit Blick auf den Humanismus sei Melanchthon damals wie heute ein Leitbild. "Melanchthons Denken kreiste immer um die Frage, wie der gnädige Gott humanere Menschen bekäme. Der Humanismus wie der christliche Glaube fordert und fördert die Wertschätzung der Freiheit und Würde des Individuums. Humanität und Bildung gehören zusammen." Politischen Verirrungen, Verkehrungen von "Ideologien zur Religion" entgingen die Menschen nur, wenn sie, wie Melanchthon, "Geistlichem und Weltlichem gleichermaßen je und je sein Recht" geben würden, auch dies stelle immer wieder eine Herausforderung an den Menschen dar. Basierend hierauf ließe sich überzeugend darstellen, dass der große Reformator uns noch heute Gewichtiges und Wegweisende zu sagen habe. "Philipp Melanchthon ist gerade 2010 eine Quelle, zu der sich hinzuwenden lohnt", so der Landesbischof. "Ich sehe in ihm nicht nur eine Gestalt der Geschichte, sondern in seinen Anregungen ein Leitbild auch für 2010."

Das Melanchthon-Jahr wird an vielen Orten Deutschlands gefeiert, und auch in Bayern erinnert man an den großen Reformator! So präsentiert das Evangelisch-Lutherische Dekanat in Nürnberg viele bunte Gedenkveranstaltungen, zum Beispiel am Freitag, 7. Mai: An diesem Termin veranstalten die evangelische stadtakademie nürnberg, die Offene Kirche Str. Klara und die Akademie CPH in der Kirche St. Klara, Königstraße 66, ein Theaterprojekt unter dem Titel "Philipp und Caritas. Toleranz und Ökumene: Begegnung zwischen Philipp Melanchthon und Caritas Pirckheimer" - Beginn ist um 19 Uhr. Informationen zum Kartenvorverkauf und zu weiteren Spielterminen gibt es hier! Sie wollen das gesamte Nürnberger Jubiläumsprogramm auf einen Blick? Dann klicken Sie hier! 

Gehen Sie auf digitale Schatzsuche!

In technischer Hinsicht bringt die Evangelische Medienzentrale Bayern das Gedenken an Melanchthon auf den neuesten Stand: Zum 450. Todesjahr hat sie eine digitale Schatzsuche auf den Spuren des Reformators ins Internet gestellt. Wer unter http://www.geocaching.com den Suchbegriff "Melanchthon" eingibt, findet die Anweisungen für eine Sightseeing-Tour zu den Schauplätzen von Melanchthons Aufenthalten in Nürnberg. Ausgerüstet mit einem GPS-Empfänger und gutem Schuhwerk kann es dann losgehen, wie die Medienzentrale mitteilte.

Weltweit haben Geocacher schon mehr als eine Million mit GPS aufspürbare Verstecke angelegt, in Deutschland sollen es schon 100 000 sein. Wer fündig wird, darf ein Minigeschenk entnehmen, ein anderes hineinlegen, und sich im Finder-Logbuch eintragen. Mit der Nürnberger Melanchthon-Schatzjagd, die etwa eineinhalb Stunden dauert, will die Medienzentrale Spaß am Entdecken mit Lerneffekten verbinden. Denn wie sonst sollen sich Jugendliche der "DSDS"-Generation für einen kleinen Mann im schwarzen Gelehrtenrock interessieren, der schon 450 Jahre tot ist, fragt Medienzentralen-Mitarbeiter Claus Laabs, der das Spiel zusammen mit dem Kunstpädagogischen Zentrum der Nürnberger Museen entwickelt hat.

"Zehn Kilometer ohne Murren und Knurren"

"Beim Geocaching ist die Motivation der Jugendlichen ungeheuer hoch", sagt Laabs. "Die laufen dann zehn Kilometer ohne Murren und Knurren." Wer keinen GPS-Empfänger hat, kann sich bei der Medienzentrale ein Gerät leihen und darüber hinaus Tipps für die Entwicklung eigener GPS-Touren bekommen. Es könne etwa für Kirchengemeinden eine pädagogisch interessante Sache sein, ihre Konfirmanden unter dem Motto "Entdecke deine Gemeinde" auf örtlichen High-Tech-Parcours zu schicken, sagt Laabs.

Wer in Sachen Geo-Caching noch nicht so fit ist: Am Sonntag, 16. Mai, veranstalten die Evangelische Medienzentrale Bayern und das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum (KPZ) der Museen in Nürnberg übrigens eine Einführung ins Geo-Caching mit praktischer Umsetzung: "Auf den Spuren Melanchthons - Eine digitale Schnitzeljagd" im Germanischen Nationalmuseum, Kartäusergasse 1, in der Zeit von 11 bis 16 Uhr. Weitere Informationen dazu gibt es hier!

Lust auf noch mehr Melanchthon? Kein Problem! Der Evanglische Rundfunkdienst Baden hat das Leben und Wirken des Reformators mit einem originellen Schnellsprechlied gewürdigt. Sehen und hören Sie hier den ultimativen Melanchthon-Rap:

 

Viel Spaß!

Text: Stephan Cezanne, epd / epd / Almut Steinecke