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"Wo Blüten, Früchte und Düfte ins Heilige Land entführen"
Beim "Netzwerk Bibelgärten" mit Sitz im westfälischen Minden sind etwa 100 Bibelgärten bundesweit gemeldet, davon zehn in Bayern. Solche Gartenanlagen gibt es an Universitäten, Schulen, Klöstern, in Seniorenstiften und bei Kirchengemeinden.
Einen Bibelgarten mit einer thematischen Brücke ins Kirchengebäude gibt es beispielsweise im Kloster Michaelsberg in Bamberg. Dort kümmern sich unter anderen der Umweltbeauftragte des Erzbistums Bamberg, Klaus Schwaab, und Dompfarrmesner Thomas Werb um Bibelpflanzen, die sie in zehn Kategorien aufgeteilt haben. Diese reichen von echten Obstbäumen, Feldfrüchten, Wilden Kräutern und Dornen sowie Disteln bis zum gemalten Himmelsgarten in St. Michael. Auch die bayerische evangelische Kirchengemeinde Rain am Lech (Landkreis Donau-Ries) hat einen Bibelgarten in ihrem Kirchgarten angelegt.
„Allein ist das alles nicht zu schaffen“
Bei der evangelischen Tagungsstätte Schloss Beuggen nahe Rheinfelden am Hochrhein betreut Claudia Schindler-Herrmann seit vier Jahren einen Bibelgarten. Inzwischen muss sie im Winter Fortbildungen organisieren, damit von Frühjahr an immer genug Ehrenamtliche die wachsende Gästezahl durch den Bibelgarten führen können.
"Allein ist das alles nicht zu schaffen", sagt sie, und meint damit nicht nur die Führungen. Der 1000 Quadratmeter große Garten braucht auch konstante Pflege. Allein die derzeit üppig blühende Rosenhecke aus 160 Pflanzen ist eine Herausforderung. Und immer wieder muss die Gruppe, ein Kern von etwa zehn Mitarbeitenden und vielen weiteren Helfern, auch "Lehrgeld bezahlen". So ist der erste Johannisbrotbaum entgegen allen gärtnerischen Versprechungen erfroren.
„Wie sieht denn eine Maulbeere aus?“
Den Garten betrachtet Schindler-Herrmann nicht allein unter botanischen Aspekten und fragt: "Wie sieht denn eine Maulbeere aus, und wie schmeckt sie?" So erlebt sie, dass mit dem botanischen Wissen die biblische Überlieferung anschaulicher wird - sowohl für Kindergartenkinder als auch für Konfirmanden oder Senioren und selbst noch für Theologen.
"Wir haben ein Färberbeet", berichtet Schindler-Herrmann. Wer wisse, wie aufwendig es sei, Wolle mit Pflanzenfarben bunt zu bekommen, der verstehe besser, wie neidisch Josefs Brüder gewesen seie, als der vom Vater ein bunt gewebtes Gewand erhalten hätte. Mit der überlieferten Folge, dass die erzürnten Brüder Vaters Liebling in die Löwengrube warfen.
Alle Pflanzen haben Verweise zu Bibelstellen
In Korb im Rems-Murr-Kreis hat sich seit 2006 um Christa Hahn ein Kreis geschart, der im alten Pfarrgarten mehr als 60 der 110 in der Bibel genannten Pflanzen pflegt. Sie nennt zwei Ziele, die sie mit dem Garten erreichen will: Die Bibel weise viele Riten, Feste, Gebote und Vorschriften auf, die mit dem Pflanzenanbau zu tun hätten und die bis heute das Gemeindeleben auch hierzulande mitprägten. Darüber sollte man Bescheid wissen, so Hahn. Außerdem sei der Garten auch ein Ort zur Kontemplation. Alle Pflanzen haben Verweise zu Bibelstellen. Eine Bank im Garten lädt ein, in der Bibel nachzuschlagen und sich in die Texte zu vertiefen. Auch die Kirchengemeinde Rain am Lech lädt dazu ein, die passenden Texte in der Bibel zu suchen.
Ihre Wurzel haben Bibelgärten in Forschungen zur Flora Palästinas, die der schwedische Botaniker Carl von Linné Mitte des 18. Jahrhunderts veranlasste. In Deutschland wird die Idee seit Ende der 1970er-Jahre umgesetzt.
Text: epd / Susanne Müller
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