"Wie schön, dass Sie alle dabei sind!"

(c) Michael Birgden / Kerygma

"Wie schön, dass Sie alle dabei sind!" Die Einheitsgedanken des "2. ÖKT" setzen  Landesbischof Dr. Johannes Friedrich und Erzbischof Reinhard Marx schon bei diesem einen Satz um, mit dem sie die tausenden herbei geströmten Besucher beim "Zentralen Eröffnungsgottesdienst" zum ÖKT auf der Theresienwiese begrüßen: sie sprechen synchron, wie aus einem Mund, ernten bereits nach wenigen Worten ersten Szenenapplaus. Auch die Hoffnung als weitere zentrale Rolle, die in diesen fünf ÖKT-Tagen in München so sehr im Mittelpunkt steht, rückt Landesbischof Friedrich gleich in die Gegenwart: "Wir haben die Hoffnung, dass die dunklen Wolken da oben am Himmel noch weggehen", lächelt er mit Blick auf den blaugrauen Himmel, der sich an diesem frühen Abend über der Theresienwiese wölbt, dunkle, regenwasserblaue Wolken über die Köpfe der Menschen schickt.

Peter ZimmerlingDie Zuschauer indes scheinen nicht ängstlich. Viele halten die durchsichtigen Regencapes bereit, die ihnen am Eingang ausgehändigt wurden, gespannt blicken sie zur Bühne neben der bedächtig grüßenden Bavaria. Es gibt Wichtigeres als den Wankelmut des Wetters. Die Gewissheit von der der Landesbischof spricht, und die der "2. ÖKT" verströmen will in den folgenden Tagen: die Hoffnung. "Sie gibt Kraft und Mut, wenn man an den Problemen und Schwierigkeiten in dieser Welt verzweifeln möchte", so Friedrich. "Wenn ich nur denke an die Not der Kinder in der Welt, die täglich verhungern. An die vielen Toten und Verletzten in den Kriegen in so vielen Teilen dieser Welt. An den Ölteppich vor der Küste Amerikas und die getöteten Tiere und Pflanzen in diesem Gebiet, an die Not der Menschen, die keine Arbeit haben, die von schweren Krankheiten geplagt sind, die keine Perspektive mehr haben. An die Menschen in Griechenland, die vollkommen niedergeschlagen sind. Aber auch natürlich an die Bevölkerung hier in Deutschland, die aufgrund der Entwicklungen in Europa verunsichert sind, die sich fragen, wo es hingehen soll mit unserer Wirtschaft und mit unserem Land, wie viele Länder wir denn mit unseren Finanzhilfspaketen künftig stützen müssen, damit bei uns die Situation nicht zur Katastrophe ausartet."

Die Menschen malen sich unsichtbare Kreuze auf die Stirn

Dies alles seien Sorgen und Nöte, die die Menschen niederdrücken; Hoffnung helfe dabei, dies auszuhalten. Indes: "Wenn Amtsträger der Kirche die Hoffnung enttäuscht haben, dann wiegt das umso schwerer", gibt Reinhard Marx zu bedenken; der Erzbischof spielt auf die aktuellen Missbrauchsskandale innerhalb der katholischen Kirche an, durch die "viel Vertrauen verloren" gegangen sei. Umso stärker gleichwohl etabliere sich die Herausforderung, "unsere Herzen neu zu öffnen, uns neu zusammenzutun".

Die Organisatoren des "Zentralen Eröffnungsgottesdienstes" auf der Theresienwiese machen darauf Appetit. Zwischen Predigten und Live-Musik wie etwa dem amerikanischen Volkslied "Amazing Grace" tragen ÖKT-Mitarbeiter grüne, blaue, weiße, rote, orangene, gelbe Luftballons auf die Bühne, auf denen Worte wie "Gemeinschaft", "Versöhnung", "Gerechtigkeit", "Umkehr", "Erneuerung" stehen. Berühmte Hoffnungsträger werden an eine große Leinwand projiziert, man sieht Martin Luther King, das Lächeln von Mutter Theresa. An einer Stelle im rund Open-Air-Gottesdienst, der mit lebendiger Festivalatmosphäre dem Alltag eine Auszeit gibt, reichen sich die Menschen die Hand, malen sich gegenseitig ein unsichtbares Kreuz auf die Stirn: "Damit Du Hoffnung hast."

"Sowas tut mir gut"

Ute Schmalz-SchubertDie Zuschauer haben sichtlich Freude an der Feier, an der Musik, vor allem an den Worten. Unter den Besuchern des Gottesdienstes ist auch Ute Schmalz-Schubert, 51, aus Reutlingen bei Stuttgart. Schmalz-Schubert, die beruflich als Erzieherin tätig ist, genießt besonders die bekannten Zitate der Hoffnungsträger wie etwa Luther King. "Sowas tut mir gut", nickt Schmalz-Schubert. An ihrer Seite sitzt Peter Zimmerling, 51, Pfarrer und Theologieprofessor aus Leipzig; schon von Berufs wegen interessiert ihn der "2. ÖKT", "ich bin besonders gespannt auf die Gottesdienste", die ihm gestalterische Anreize liefern könnten.

Und auch sonst sei so ein Ereignis lohnend. "Weil man Kirchentagsmenschen trifft, das sind häufig Menschen, die sonst gar nicht in die Kirche gehen und trotzdem von solch einer bunten Veranstaltung plötzlich erreicht werden", freut sich Zimmerling. Und hat das richtige Stichwort für den Schluss gegeben: Der "Zentrale Gottesdienst" auf der Theresienwiese, dem unter anderem auch Bundespräsident Horst Köhler beiwohnten, ebenso wie ein gut gelaunter bayerischer Miniterpräsdient Seehofer ("Das bayerische Kabinett hat beschlossen, dass in den nächsten Tagen nur angenehmes Wetter sein soll - schaun wir mal, was das Wort eines Politikers wert ist!") leitet nach gut zwei Stunden über in den kunterbunten "Abend der Begegnung". Blaskapellen begleiten die Besucherströme in die pulsierende Innenstadt, wo sich Infostände aneinander reihen, "ÖKT"-Events pulsieren.

Abend der Begegnungen lockt in die Innenstadt

Helena SteurerVielleicht hat sich auch Helena Steurer unters Volk gemischt; die 17-jährige Schülerin aus Villingen-Schwenningen ist dieses Jahr zum ersten Mal im Team der Kirchentagshelfer, hat Stunden zuvor, am Mttwochmorgen, noch fleißig Schicht auf dem Messegelände geschoben. Wenn Helena zwischen ihren Helferdiensten mal frei hat, will sie sich vor allem auf kulturelle Köstlichkeiten konzentrieren, die der "ÖKT" ja reichlich auch zu bieten hat: "Ich spiele selber Theater, will später mal Schauspielerin werden" - ein Beruf, bei dem eins nicht aufgeben darf: Hoffnung, das ÖKT-Thema ist einfach klassisch, strotzt nur so vor Aktualität. Sowohl in jüngeren als auch in älteren Herzen.

Die Predigt im Wortlaut lesen Sie hier!