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"Wie ein Sommermärchen, nur ohne Fußball"

(c) iStockPhoto / Tom Nulens

Andreas (Foto unten) ist im Stress. Es ist Mittwoch, der Student im Fach Chemieingenieurwesen an der Technischen Universität München hat gerade eine heftige Klausur hinter sich, und eigentlich wäre jetzt mal dringend Entspannung angesagt. Aber das nahende Wochenende ist schon wieder voll verplant, da muss Andreas nämlich in die Schule, ins Werner-von-Siemens-Gymnasium an der Quiddestraße. Freilich nicht um zu lernen, sondern um die Räumlichkeiten des Hauses abzuchecken – denn die muss er bis zur zweiten Mai-Woche genau kennen,  im Idealfall bis in den hintersten Winkel.

Andreas gehört zu den insgesamt 6000 Helfern des „2. Ökumenischen Kirchentags“, der vom 12. bis zum 16. Mai nach München lockt: Der 26-Jährige wird als „Quartiermeister“ eingesetzt, in besagtem Gymnasium, das für den „2. ÖKT“ zum Hotel umfunktioniert wird, rund 900 Helfer in seinen Klassenräumen beherbergt. Als „Herbergsvater“ bezeichnet sich denn auch Andreas, „ich bin der, der vor Ort schaut, dass alles läuft, dass die Helfer in der Nacht in der Schule ihre Ruhe haben, dass morgens ihr Frühstück auf dem Tisch steht, dass ihre Sachen nicht geklaut werden, dass ein Notarzt gerufen wird, wenn einer gerufen werden muss“, erklärt der Student. Sein Einsatz beim „2. ÖKT“ ist nichts Neues für den Nürnberger, schon 2003 war er beim „1. Ökumenischen Kirchentag“ in Berlin dabei.

Straßen absperren, Semmeln schmieren

Ebenso wie Niki (Foto unten): Die heute 29-Jährige aus München engagierte sich vor gut sieben Jahren im „ÖKT“-Orga-Team in der Hauptstadt Deutschlands. Dieses Jahr erlebt sie „den Kirchentag endlich mal dahoam“. Und wieder als Helferin. Im Moment kümmert sie sich um die Sortierung der Tagungsmappen für die Teilnehmer, „die müssen verpackt und abgeschickt werden, damit alle auch möglichst bald in den Programmen schmökern können“, lächelt Niki. „Was ich in der Zeit vom 12. bis 16. Mai genau machen werde, steht noch nicht fest", über Berlin hinaus hat sie aber auch bereits bei anderen Kirchentagen der Vergangenheit geholfen und da "gab es immer viele interessante und sehr unterschiedliche Aufgaben. Vom Aufstellen der Straßenabsperrungen bis zum Semmeln schmieren für die Referenten war schon alles dabei“, erzählt Niki.

Klingt nach Tausendsassa-Einsatz, den auch Andreas vor der Brust hat. Dem Mai blickt er "mit Aufregung“ entgegen. „Es macht mir Spaß zu helfen, nicht blind durch die Gegend zu laufen, sondern die Chance zu ergreifen, etwas Sinnvolles zu tun.“ An seine Organisator-Rolle als „Quartiermeister“ ist er über den „Verband christlicher Pfadfinder“ (VCO) gekommen, dem er schon seit Jahren angehört. „Mein Gruppenleiter hatte irgendwann in die Runde gefragt, wer Lust hätte, beim nächsten Kirchentag zu helfen.“ Andreas hatte Lust. Und ist weit davon entfernt, die zu verlieren.

„Das war ein sauschönes Gefühl!“

„Schon beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin war eine ganz tolle Stimmung. Die Helfer haben sich natürlich gegenseitig an ihren Helfertüchern erkannt, die sie um den Hals trugen, insgesamt war einfach irgendwie eine ganz besondere Zugehörigkeit da, eine Zusammengehörigkeit unter den Menschen, auch wenn sie sich eigentlich gar nicht kannten. Fast so ein Gefühl von Familie. Und das war ein sauschönes Gefühl!“

Bestätigt auch Niki. „Man lernt so ein Großereignis einfach auch ganz anders kennen, wenn man ab und zu hinter die Kulissen schauen kann.“ Als sie vor sieben Jahren in den ersten „1. ÖKT“ tauchte, steckte die Münchnerin parallel gerade mitten in ihrem Informatik-Studium ihrer Wahlheimat Berlin, wurde per Plakat auf die konfessionell übergreifende Premiere aufmerksam. „Dann habe ich einfach bei der Helferzentrale angerufen, ob denn noch Hilfe benötigt wird.“ So wurde sie in eine der damaligen Informationsstellen am Brandenburger Tor eingeteilt. Der Ansturm war so groß, dass kurzfristig noch weitere Helfer gesucht wurden, und da „habe ich dann auch noch gleich einen katholischen Kommilitonen überredet noch mitzuhelfen. Und so“, lächelt die Münchnerin, „hatten wir auch unseren ökumenischen Informationsstand“.

„Letztendlich glauben doch alle an den gleichen Gott“

Überhaupt Ökumene. Die findet Niki wichtig. „Weil ich glaube, dass Gott wollte, dass alle Christen eine Einheit bilden. Klar hat jede Gemeinschaft ihre eigenen Bräuche und Traditionen, dadurch gibt es ja eine interessante Vielfalt, aber letztendlich glauben doch alle an den gleichen Gott und sind alles Christen. Und ich denke“, sagt Niki, die mittlerweile als Doktorandin am Deutschen Herzzentrum in München arbeitet, „wenn sich die Christen untereinander einig wären, würden sie auch nach außen viel glaubwürdiger wirken und viel mehr erreichen können. Ökumene beginnt meiner Meinung nach im Kleinen und wandert dann erst langsam mit der Zeit zu den Großkopferten hinauf.“ Der Kirchentag sei „eine ganz besondere Gelegenheit, um aufeinander zuzugehen und sich ein neues Bild vom anderen zu machen.“

Und ein toller Ort zum Feiern, nickt Andreas. Mit Freude, Sonne, Kribbeln im Bauch. "Der Kirchentag ist wie ein Sommermärchen, nur ohne Fußball."

Text: Almut Steinecke