{Abo bestellen}
"Werte brauchen Zeit und Raum"
Mit Bezug auf die globale Finanzkrise und Gewalt in der Gesellschaft sagte der Landesbischof Friedrich, dringend nötig sei eine neue Verständigung über die Prinzipien, "die wir der kommenden Generation vermitteln wollen". Es gehe darum, plausibel zu machen, "warum es Einstellungen jenseits des persönlichen Profits gibt, die unverzichtbar sind" und die sich nicht in Zahlen erfassen lasse. Die Rückbesinnung auf Werte, die Friedrich als hochrangiger Vertreter der Kirche gemeinsam mit weiteren Persönlichkeiten aus Politik, Staat und Gesellschaft beim Neujahrsempfang der Evangelischen Akademie Tutzing postulierte, dürfe nicht im privaten Bereich stattfinden. "Werte brauchen Zeit und Raum und auch finanzielle Mittel, damit sie nicht bloße Willensbekundungen bleiben", sagte Friedrich.
Deutliche Kritik übte der Bischof an der Sozial- und Familienpolitik der schwarz-gelben Bundesregierung. Die Erhöhung des Kindergeldes um 20 Euro zu Jahresbeginn komme bei hilfebedürftigen Familien nicht an, weil dieses Geld bei Hartz IV-Beziehern sofort wieder einbehalten werde. Im Gegensatz zu einer gut situierten Familie brauche eine bedürftige Familie die 20 zusätzlichen Euro, um davon vielleicht die ringend benötigten Schuhe für eines der Kinder bezahlen zu können. Die Kirche werde die Politik deshalb an den Wert erinnern, Kindern aus der Armut zu helfen, betonte der Bischof.
"Familiensinn, Ehrlichkeit und Alltagsvernunft"
Als Vertreter der bayerischen Staatsregierung rief Gesundheitsminister Söder dazu auf, einen Kompass für die Zukunft aufzuzeigen. Als die drei zentralen Herausforderungen nannte er, verantwortliches Handeln und nicht das Streben nach maßloser Gier in den Mittelpunkt zu stellen. Ebenso müsse die Weltgemeinschaft entschieden für die Umwelt und die Bewahrung der Schöpfung eintreten. Als überzeugter Protestant warb er zudem dafür, den christlichen Glauben als frohe Botschaft auch tatsächlich in die Gesellschaft einzubringen.
In der Debatte um Werte hielt Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio ein Plädoyer für mehr Familiensinn, Ehrlichkeit und Alltagsvernunft, wie sie in Familien und auch in Kirchengemeinden vorgelebt werden. In seinen Festvortrag zeichnete er vor allem die europäische Entwicklung einer freien und demokratischen Gesellschafts- und Sozialordnung nach. Nach dem Zusammenbruch der Systeme fehle eine klare Konzeption.
Nach Angaben von Akademiedirektor Friedemann Greiner hat im letzten Jahr die "Denkfabrik" am Starnberger See mit 181 Veranstaltungen rund 14.000 Menschen erreicht.
(Quelle: epd)

