Pressemitteilung vom 8.10.2009
Landeskirchenrat gedenkt der Besetzung des Landeskirchenamts durch die Nationalsozialisten vor 75 Jahren
Am 11. Oktober 1934 hatten Nationalsozialisten unter Leitung des „Rechtswalters“ August Jäger das Münchner Landeskirchenamt besetzt. Jäger erklärte den abwesenden Landesbischof Hans Meiser für abberufen. Den anwesenden Oberkirchenräten, die sich entschieden gegen den Übergriff zur Wehr setzen, wurde mitgeteilt, sie seien beurlaubt und hätten Redeverbot.
Erst nach kirchlichen Massenprotesten von Pfarrern und Hunderten von Kirchenvorstehern, von denen viele aus Franken angereist waren, wurde der Hausarrest für den Landesbischof einige Tage später wieder aufgehoben.
Die Leiterin des Landeskirchenamtes, Karla Sichelschmidt, erinnerte heute in München an die Ereignisse und erklärte, dass die Besetzung des Landeskirchenamtes vor 75 Jahren einen „Fixpunkt für die Identität der evangelisch-lutherischen Christen in Bayern“ darstelle, der „große Prägekraft entfaltete und von dem wir heute noch zehren“. Weiter fügte sie hinzu: „Mich persönlich – und von Amts wegen - berühren besonders vier Angestellte und eine Beamtin, die sich nicht auf Jäger verpflichten ließen und damit den Verlust ihres Arbeitsplatzes in Kauf nahmen.“
Sichelschmidt kündigte an, dass der Landeskirchenrat in seiner Andacht am Mittwoch, 14. Oktober um 8.30 Uhr der Ereignisse vor 75 Jahren gedenken werde.
München, 8. Oktober 2009
Johannes Minkus, Pressesprecher

