Pressemitteilung vom 21.4.2009

Kirchengemeinschaft zwischen Lutheranern und Baptisten erscheint möglich

Konvergenzdokument vorgelegt nach sechsjährigen Gesprächen zwischen dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB)

Zwischen Lutheranern und Baptisten gibt es größere theologische Übereinstimmungen, als dies bisher für möglich gehalten wurde. Das stellt das Konvergenzdokument „Voneinander lernen – miteinander glauben“ fest, das von einer lutherisch-baptistischen Arbeitsgruppe gestern in München offiziell den beteiligten Kirchenleitungen übergeben wurde.

„Vielleicht haben Sie ein Stück Kirchengeschichte geschrieben“. Mit diesen Worten würdigte Landesbischof Johannes Friedrich die Arbeit der Arbeitsgruppe, die mit dem Konvergenzdokument das Ergebnis ihres sechsjährigen Dialogprozesses den Kirchenleitungen übergab. Für die Baptisten nahm Regina Claas, Generalsekretärin des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, das Dokument entgegen. Sie begrüßte den Dialog und das daraus entstandene Konsenspapier und wies darauf hin, dass sich der Erfolg der Gespräche in der Praxis erweisen würde: „Ökumene lebt davon, wie Christen an der Basis miteinander unterwegs sind“.

Seit 2003 führen der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) regelmäßige theologische Lehrgespräche mit dem Ziel einer Verständigung über die volle gegenseitige Anerkennung als Kirchen und die Möglichkeit einer Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.

Die Delegation der ELKB unter Vorsitz von Kirchenrat Ivo Huber führte diese Gespräche zugleich im Auftrag der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Den BEFG vertrat die Theologische
Kommission des Landesverbands Bayern unter Vorsitz von Prof. Dr. Kim Strübind.

Als Folge eines von wechselseitigem Respekt gekennzeichneten Dialogs, so Huber und Strübind, habe man substanzielle Fortschritte in der Verständigung über zentrale Fragen des Glaubens erzielt.

Ein Durchbruch gelang der Arbeitsgruppe in der Frage des Taufverständnisses. Gerade in dieser Frage erschienen in den bisherigen Dialogen die Differenzen zwischen Lutheranern und Baptisten als unüberbrückbar. Hier kommt die Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis: „Baptisten und
Lutheraner können beide Taufverständnisse als unterschiedliche, jedoch legitime Auslegungen des einen Evangeliums anerkennen.“

Aufbauend auf diesem Grundkonsens entwickelte die Arbeitsgruppe konkrete Anregungen und Empfehlungen für die jeweils eigene Gemeindepraxis. Eine Veröffentlichung des Konvergenzpapiers ist für Ende Mai geplant, um den Kirchenleitungen Gelegenheit zu geben, sich zuvor damit zu befassen.

München, 21. April 2009
Johannes Minkus, Pressesprecher


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