Pressemiteilung vom 19.12.2008

Altlandesbischof D. Hermann von Loewenich verstorben

Altlandesbischof Herrmann von Loewenich ist gestern nach langer Krankheit im Alter von 77 Jahren in Nürnberg verstorben. Von Loewenich stand von Juli 1994 bis Oktober 1999 an der Spitze der bayerischen Landeskirche.

Landesbischof Johannes Friedrich würdigte seinen Vorgänger im Bischofsamt als einen Mann, der sich an allen Stationen seines Dienstes für die ganze Kirche verantwortlich gefühlt und „viele notwendige Reformen“ vorangebracht habe. Dreimal, so Friedrich, sei er von Loewenich nachgefolgt – als Studentenpfarrer und Dekan in Nürnberg, sowie als Landesbischof. „Jedes Mal hat er mich mit großem Wohlwollen unterstützt. Dafür danke ich ihm von Herzen“, so Friedrich.

Die Präsidentin der Landessynode, Dorothea Deneke-Stoll dankte von Loewenich für sein Engagement in Landessynode und Landessynodalausschuss. „Er hat sich große Verdienste erworben in seinem Einsatz für die Frauenordination und die Gleichstellung von Frauen in der Kirche“, betonte Deneke-Stoll. Auch in seiner Zeit als Bischof habe er sich den Anliegen der Synode aufgeschlossen gezeigt. Deneke-Stoll erinnerte daran, dass in seiner Bischofszeit wichtige Impulse und Schwerpunkte gesetzt wurden, die auch heute noch nachwirken.

Der gebürtige Nürnberger Hermann von Loewenich wuchs im Kreis von fünf Geschwistern auf.

Kindheit und Jugend wurden stark geprägt durch den Tod seines Vaters als Militärpfarrer in Stalingrad, durch die Zerstörung Nürnbergs und nach dem Krieg durch die fünfjährige Zeit im Pfarrwaisenhaus Windsbach, wo er Mitglied des Windsbacher Knabenchores war.

Nach dem Theologiestudium in Erlangen, Tübingen und Heidelberg und dem Lehrvikariat in Windsbach wurde von Loewenich am 11. Mai 1958 zum geistlichen Amt ordiniert. Die ersten Jahre im Pfarrdienst führten ihn zurück in seine Heimatstadt, wo er zunächst Studieninspektor am Predigerseminar, ab 1962 Studentenpfarrer und Gemeindepfarrer an St. Egidien war. Ab 1969 sammelte von Loewenich Erfahrungen in kirchlicher Leitungsverantwortung auf der "mittleren Ebene": Ab 1969 lernte er als Dekan von Kulmbach die kirchliche Arbeit im ländlich-kleinstädtischen Bereich kennen. Von 1976 an wurde für ihn als Stadtdekan von Nürnberg die "Kirche in der Großstadt" zum Lebensthema.

1967 war von Loewenich Mitbegründer des "Arbeitskreises Evangelische Erneuerung", der mit theologischen und kirchenpolitischen Impulsen für einen fortschrittlichen Kurs der bayerischen Landeskirche - beispielsweise die Frauenordination - eintrat. Von 1972 bis 1985 gehörte er den kirchenleitenden Gremien Landessynode und Landessynodalausschuss an. In der synodalen Arbeit war er als Vorsitzender des Ausschusses für Grundfragen des kirchlichen Lebens und als Sprecher des Arbeitskreises "Offene Kirche" tätig.

1985 wechselte von Loewenich in den Landeskirchenrat und übernahm als Regionalbischof Verantwortung für den Kirchenkreis Nürnberg. Über die Grenzen der Landeskirche hinaus engagierte er sich ab 1979 für den Deutschen Evangelischen Kirchentag sowie in Generalsynode und Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Die missionarische Konzeption der VELKD "Öffnen und Verdichten" hat von Loewenich maßgeblich miterarbeitet.

Am 18. April 1994 wählte die Landessynode in Rothenburg o.d.T. von Loewenich zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Seinen ersten Bischofsbericht bei der Synodaltagung im Herbst 1994 überschrieb er programmatisch "Kirche in Zeitgenossenschaft". Besonders am Herzen lag ihm, dass Kirche "offen und deutlich, aufgeschlossen und verlässlich dem Glauben und dem Leben dient.“ In seinem letzten Bischofsbericht vor der Synode im Frühjahr 1999 nannte von Loewenich als Schwerpunkte seiner Amtszeit seine Präsenz in der Ökumene und in den Gemeinden, sein Eintreten für die Gleichstellung von Frauen in der Kirche und sein Engagement für evangelisches Profil in Staat und Gesellschaft.

Geehrt wurde von Loewenich unter anderem 1996 mit dem Bayerischen Verdienstorden und 1997 mit der theologischen Ehrendoktorwürde, die ihm die Kirchliche Augustana-Hochschule Neuendettelsau verlieh.

D. Hermann von Loewenich war verheiratet mit Hiltrud von Loewenich und hinterlässt zwei erwachsene Kinder.

Die Beisetzung ist im engsten Familienkreis geplant, der offizielle Trauergottesdienst wird am 13. Januar um 14 Uhr in der Nürnberger St. Lorenzkirche stattfinden.

München, 19. Dezember 2008
Johannes Minkus, Pressesprecher


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