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Sehnsucht nach Gott im Gepäck

(c) Comunita Evangelica Luterana Roma

Jetzt dauert es wirklich nicht mehr lange, und dann sind endlich Sommer-Ferien in Bayern! Wo finden Urlauber im Ausland eigentlich Halt, wenn Ihnen mal was auf die Seele drückt? Zum Beispiel bei Dr. Jens-Martin Kruse: Der 40-Jährige ist evangelischer Pfarrer in der wunderschönen Stadt Rom, wo er eine 500-köpfige Gemeinde betreut. bayern-evangelisch.de-Reporter Michael Birgden spach mit Dr. Kruse, wie man als deutscher Pfarrer in Italien unterwegs ist.

Herr Dr. Kruse, seit wann sind Sie Pfarrer in Rom, und was waren Ihre Beweggründe, sich für die Stelle zu bewerben?
Dr. Kruse: Ich bin seit August 2008 Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Rom. Eine evangelische Gemeinde im Ausland, noch dazu in Rom, ist eine besonders schöne und interessante Aufgabe. Dazu gehört zum Beispiel die große Nähe und Gemeinschaft unter den Gemeindegliedern. Natürlich aber auch die vielfältigen ökumenischen Beziehungen und Begegnungen.

Wenn man sich die Webseite Ihrer Gemeinde anschaut stellt man fest, dass dort fast alles angeboten wird, was man in einer Kirchengemeinde in Deutschland auch findet. Was ist denn das Besondere in einer Gemeinde, die in einer beliebten Reisestadt im Ausland liegt?
Dr. Kruse: Zu den Besonderheiten unserer Gemeinde gehört in der Tat, dass wir - obwohl wir sehr klein sind - ein Gemeindeangebot haben, das sich durchaus mit einer volkskirchlichen Gemeinde vergleichen lässt. Daran kann man ablesen, wie engagiert viele Gemeindeglieder sind. Besonders ist, dass außer der Pfarrfamilie niemand in dem Quartier wohnt, in dem unsere Kirche liegt. Mein Pfarrbezirk umfasst die Stadt Rom und das Land Latium. Die Gemeindeglieder haben oft einen Anfahrtsweg von einer oder eneinhalb Stunden. Darauf müssen wir natürlich auch in unserer Gemeindearbeit stark Rücksicht nehmen.

Nach Rom pilgern jährlich unzählige Deutsche. Mit welchen Sehnsüchten begegnen Ihnen die Urlauber (die Pilger)?
Dr. Kruse: Viele Gemeindegruppen aus Deutschland besuchen uns, um die Gemeinde und unser Gemeindeleben als Evangelische in Rom kennenzulernen.

Mit welchen Anliegen kommen Urlauber zu Ihnen in den Gottesdienst oder in die Gemeinde?
Dr. Kruse: Wenn Menschen, die in Rom im Urlaub sind, zu uns in den Gottesdienst kommen, dann freuen sie sich, dass sie auch hier an einem evangelischen Gottesdienst in deutscher Sprache teilnehmen können. Manche nutzen das Beisammensein nach dem Gottesdienst, um mit unseren Gemeindegliedern ins Gespräch zu kommen und ein klein wenig von ihrem Leben in Rom zu hören.

Fast 19 Prozent des weltweit benötigten Energieaufkommens gehen mittlerweile in den Transport von Touristen. Können wir es uns überhaupt noch leisten, Urlaub zu machen, wenn wir damit so nachhaltig die Umwelt schädigen?
Dr. Kruse: Urlaub ist für jeden Menschen wichtig. Wir brauchen immer wieder Zeit zur Erholung, Zeit, um den Alltagstrott zu unterbrechen. Zeit, um über uns und unser Leben nachzudenken. Dabei ist es wichtig, dass wir bei unseren Reiseplänen natürlich die Umwelt und die Bewahrung der Schöpfung im Blick haben.

Ihr persönlicher Tipp für „Urlauber auf Gottsuche“: Wie kann man den Urlaub dazu nutzen, die religiöse Dimension des Lebens (wieder) zu entdecken?
Dr. Kruse: Eine Kirche besuchen, am Gottesdienst teilnehmen, die Bibel lesen ...

Wohin verreisen Sie am liebsten?
Dr. Kruse: Meine Antwort wird Sie vermutlich nicht überraschen: Wir machen am liebsten Urlaub in Italien.

Wir sagen es auch bestimmt nicht weiter: Wo in Rom kann man dem Trubel einer europäischen Großstadt am besten entfliehen?
Dr. Kruse: Am Vormittag in der Villa Borghese spazieren gehen, die per se eine beruhigende Wirkung hat. Wer in der Natur unterwegs ist, gewinnt Abstand. Wer in die Weite blickt, bekommt auch eine andere Perspektive auf sein Leben und kann in neuer Weise über sich und die Welt nachdenken.

Interview: Michael Birgden