Seit fast 2000 Jahren leben Christen im Irak, doch jetzt scheinen ihre Tage gezählt zu sein. Seit über fünf Jahren wird im Land zwischen Euphrat und Tigris gekämpft und mit zunehmender Kriegsdauer schlägt den Christen immer größerer Hass entgegen: Priester werden getötet, Frauen werden entführt, vergewaltigt und ermordet, Kirchen in die Luft gesprengt, Bomben in christlichen Schulen gezündet. Islamische Gruppen verlangen von christlichen Familien eine „Sondersteuer für Ungläubige“. Wer nicht zahlen kann, soll öffentlich zum Islam übertreten oder bekommt im Namen Allahs die Aufforderung, binnen 24 Stunden sein Haus zu verlassen.
„Gottes vergessene Kinder – Christen im Irak“ lautet der Titel einer Reportage zu diesem Thema am Mittwoch, 30. Juli um 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen. Stefanie Landgraf und Johannes Gulde zeigen den Alltag der Christen, zu dem es gehört, dass sie immer wieder ins Fadenkreuz islamischer Extremisten geraten.
Der Angriffskrieg der Amerikaner im Irak hat „das Zusammenleben von Kulturen und von verschiedenen Religionsgemeinschaften, von Muslimen, Schiiten, Sunniten, Christen, Mandäern, und anderen Gruppen im Irak zerstört“. Darauf weist der Menschenrechtsbeauftragte des katholischen Missionswerkes Missio, Otmar Oehring (Aachen), in der Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks hin. Dieses Zusammenleben habe über Jahrhunderte „gut funktioniert“. Vor dem Hintergrund des unsäglichen Leids, das über viele Menschen im Irak gekommen ist, sei es eine Frage, ob „Versöhnung mittelfristig überhaupt möglich sein wird“.
Ein ebenso wichtiger Punkt ist nach Meinung von Oehring die Tatsache, dass der „Angriffskrieg der Amerikaner und ihrer Koalitionäre auf den Irak natürlich auch Einfluss hat auf das Vertrauensverhältnis zwischen der westlichen und der islamischen Welt“. Dieses Vertrauensverhältnis sei im Übrigen schon lange bedroht durch Konflikte wie auch den Palästina-Konflikt. Es sei schwer abzusehen, wie das Vertrauen zwischen der islamischen Welt und der westlichen Welt wieder hergestellt werden solle, wenn es nicht zu einer Lösung des Konflikts im Irak komme.
Oberkirchenrat Michael Martin (München) von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern macht in der Sendung darauf aufmerksam, dass die bayerische Landeskirche „Gespräche mit unseren politischen Verantwortlichen hier in Deutschland führt“. Zudem werbe die evangelische Kirche bei der deutschen Wirtschaft für ein stärkeres Engagement im Irak zur Unterstützung des Wiederaufbauprozesses. „Wenn dort Arbeitsplätze geschaffen werden und es für alle Bevölkerungsgruppen Arbeitsplätze gibt, haben die verschiedenen Volksgruppen wieder eine Perspektive“, so Martin.