Bericht von Landesbischof Johannes Friedrich auf der Herbstsynode 2005
Zum Auftakt der diesjährigen Herbstsynode in Weißenburg setzte Landesbischof Dr. Johannes Friedrich einen Schwerpunkt seines Berichts auf das Thema „Jugendarbeit in der Kirche“. Unter dem Motto „Wenn du in der Jugend nicht sammelst, wie kannst du im Alter etwas finden?“ (JesSir 25,5) betonte er das Zukunftspotential der Jugend: „Es gibt keine Zukunft ohne die, die zukünftig da sein werden. Und darum ist ‚Jugend’ nicht irgendein Thema, sondern ein Zukunftsthema. Wer in der Kirche über und mit Jugend redet, traut der Kirche Zukunft zu. Wer dieses Gespräch abbricht oder das Thema wegdrückt, gibt die Zukunft der Kirche auf!“
Vor allem die zurückgehende religiöse und kirchliche Sozialisation beunruhigt den Landesbischof. „Evangelischer Glaube ist etwas anderes als die Formen diffuser Religiosität, denen wir heute vielfach in der Erziehung begegnen. Von daher ist für mich klar: die eindeutige Priorität muss der Arbeit mit Kindern und der Jugendarbeit gelten, und zwar in klarer, evangelischer und damit auch recht verstandener missionarischer Perspektive.“
Bei seinen Begegnungen mit Jugendlichen etwa bei Dekanatsbesuchen oder beim Gedenktag an Dietrich Bonhoeffer in Flossenbürg konnte der Landesbischof feststellen, dass „die Kultur der evangelischen Jugendarbeit gekennzeichnet [ist] von Lebendigkeit, Fröhlichkeit und Frömmigkeit.“ So hat er in Flossenbürg, „Jugendliche erlebt, die sich mit hohem Engagement unserer Geschichte gestellt haben und mit großem Ernst auch in die Auseinandersetzung mit den anwesenden rechtsradikalen Jugendlichen gegangen sind.“
Lobend erwähnte Friedrich die Jugendarbeit sowohl in den Verbänden als auch in den einzelnen Gemeinden. „Dass wir in unserer Kirche einen so lebendigen und engagierten Jugendverband, die Evangelische Jugend in Bayern (ejb) haben, empfinde ich als hohes Gut, das wir nicht leichtfertig vernachlässigen dürfen.“ „Bei der Evangelischen Jugend wird mit Freude und Lust an Lebensthemen gearbeitet, und die Fröhlichkeit und Lust hat wohl ihren Grund in der Verwurzelung im Glauben, der sich in jugendgemäßen Frömmigkeitsformen ausdrückt“, so der Landesbischof weiter.
Landesbischof Friedrich würdigte auch das Engagement der berufsbezogenen Jugendhilfe der Evangelischen Jugendsozialarbeit in Bayern (EJSA), die sich u.a. um arbeitslose Jugendliche kümmert. Bei der Arbeit mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Gemeinden mit hohem Aussiedleranteil seien Integration und Prävention besonders wichtig. „Wenn Integration und Prävention, wenn Respekt und Achtung vor anderen vernachlässigt werden, das haben wir in den vergangenen Wochen am Beispiel Frankreichs miterlebt. Erschrecken sollten wir nicht nur bei den Bildern, die uns die blinde Zerstörungswut vor Augen führen. Erschrecken sollten wir auch ob der gesellschaftlichen Gleichgültigkeit gegenüber diesen Menschen, deren Eltern oder Großeltern einst als ersehnte Arbeitskräfte ins Land kamen, die aber jetzt infolge mangelnder Bildung und Ausbildung keinerlei Zukunftsperspektive haben und – sich selbst überlassen – in ihren miserablen Wohnghettos sitzen, ohne Aussicht, da je herauszukommen. Von Integration kann eine Gesellschaft nicht nur reden, sie muss auch zielführende Schritte dazu unternehmen. Die jugendlichen Aufständischen in den Vororten von Paris sind keine integrationsfeindlichen Muslime, sondern Migranten der zweiten und dritten Generation, die Franzosen sein möchten, denen man aber keine Chance bietet. Wenn wir aus gutem Grund als evangelische Christinnen und Christen solche Verhältnisse in unserem Land nicht wollen und auch nicht für menschenwürdig halten, dann gebietet unsere Glaubwürdigkeit, dass wir uns für diese jungen Leute engagieren“, so der Landesbischof.
Jugendarbeit sei vielmehr als die Sicherung des Nachwuchses in der Kirche meint Friedrich: „Wenn du in der Jugend nicht sammelst, wie kannst du im Alter etwas finden? Dieses Motto wäre missverstanden, wenn es so ausgelegt würde, als ginge es bei der evangelischen Jugendarbeit lediglich um die Nachwuchsarbeit der Kirche oder die Erhaltung des einen oder anderen Jugendverbandes. Es geht in ganz entscheidendem Maße dabei um die Kinder und Jugendlichen und ihre Reifung zum Glauben, zur Nächstenliebe und zur Hoffnung. Wenn die jungen Menschen die Angebote der evangelischen Jugendarbeit als Angebote ihrer Kirche erleben, dann ist evangelische Jugendarbeit wirkliche Wurzelarbeit, die junge Menschen zu Persönlichkeiten heranwachsen lässt, die Sinn, Orientierung und Halt in ihrem eigenen Leben entwickeln und finden.“
„Kinder und Jugendliche müssen nicht werden, wie wir sind. Aber sie sollten unseren Glauben an Jesus Christus und unsere Hoffnung auf den dreieinigen Gott in ihrer Sprache, mit ihrer Musik, in ihren Lebensformen teilen können. Dazu brauchen sie heute die Erfahrung, dass für sie in der Kirche Raum ist und sie von uns akzeptiert werden“, so der Landesbischof zum Abschluss seines Berichts über die Jugendarbeit.
Hier können Sie den gesamten Bericht des Landesbischofs lesen.
Weitere Informationen zur Herbstsynode 2005 sowie allgemeine Informationen zur Landessynode finden Sie in unserem Synoden-Spezial.
