{Abo bestellen}
Tankstelle im Alltag
„Wenn die Menschen, die zu uns kommen eine Ahnung davon gewinnen, dass an der Sache mit dem Glauben was dran sein könnte, dann haben wir viel gewonnen“, schmunzelt Schwester Kathrin-Susanne Schulz. Seit drei Jahren arbeitet die 41-Jährige in der Communität Casteller Ring, ist im hier angegliederten Jugendhof die Referentin für Kinder, Jugendliche und Familien.
Die Communität, die vor 60 Jahren aus einem lange geheim gehaltenen Kern der evangelischen Pfadfinderinnen gegründet wurde und sich mit den Jahren immer wieder neu definiert hat, ist für sie „eine eigene Welt, jedoch nicht abgehoben von er sonstigen Welt; die Menschen, die uns besuchen, sind zum Beispiel oft erstaunt, wie aktuell unsere Fürbitten sind“.
Viermal am Tag in Zwiesprache mit Gott
Rund 10 000 Tagungsgäste jährlich begrüßt das benachbarte Geistliche Zentrum auf dem Schwanberg, die den spirituellen Rahmen der Communität gerne nutzen, rund 1000 Menschen finden den Weg direkt in die Communität, die in den Augen von Christian Klose etwas Besonderes darstellt. „Es handelt sich um ein ökumenisches Projekt“, erklärt der 59-jährige Geschäftsführer des Geistlichen Zentrums die konfessionelle Unbekümmertheit, durch die sich die Communität Casteller Ring auszeichnet: die geistliche Freundschaft zur den katholischen Brüdern der Abtei Münsterschwarzach, wird von beiden Seiten mit Achtsamkeit und Respekt gepflegt.
Und sie wird vor allem gelebt: „Das Besondere am Casteller Ring ist“, so Klose, „dass es sich um einen evangelischen Frauenorden handelt, der nach den Regeln des heiligen Benedikt lebt“; die Schwester passen sich der katholischen Lebensweise in einem Kloster an, etwa viermal am Tag zu festen Gebetszeiten in Zwiesprache mit Gott gehen, wie Kathrin-Susanne Schulz verrät.
„Glaube ist nicht nur was für Sonntag“
Die Schwester freut sich, wenn sie externen Besuchern und Gästen vermitteln kann, dass man „kein verrückter Mensch“ sein muss, um in einem Kloster zu leben; dass ein Kloster am Puls der Zeit ist, ohne mit der Masse zu gehen, auf Trendwellen mitzuschwimmen und sich sein besonderes Regelwerk, die Eigenständigkeit seines Wesens zu bewahren.
„Die Communität ist ein Ort“, erläutert Schwester Schulz, „der versucht zu vermitteln, dass Glaube nicht nur ,was für Sonntag‘ ist, sondern einer innere Haltung entspricht“, welche die Mitarbeiter durch die unterschiedlichsten Veranstaltungsangebote, in Meditationsabenden, Stundengebeten, besinnlichen Gesprächskreisen oder auch Freizeiten für Familien vermitteln wollen. Auch kann man einfach einen Urlaub auf dem Schwanberg buchen oder „Mitleben auf Zeit“ und sich so eine Auszeit vom Alltag nehmen.
Etwas „zentrierter“ weggehen, als man gekommen ist
Insofern ist die Communität ein Ort zum Auftanken für die Menschen, unterstreicht da einmal mehr der Geschäftsführer des Geistlichen Zentrums Klose. „Ich freue mich, wenn die Menschen etwas zentrierter vom Schwanberg gehen, als sie gekommen sind: wenn sie durch uns dem Chaos und der Unruhe ihres Alltages ein Stück weit entkommen, vielleicht unklare Situationen für sich klären und eine neue Richtung und Orientierung finden konnten.“

