Pressemitteilung vom 3.12.2010
Ehrenamt – weil Glauben und Tun zusammengehören
Landesbischof und Synodalpräsidentin bei Verleihung des Ehrenamtspreises in Nürnberg
Ehrenamtliche Mitarbeit gehört seit Beginn der Kirche untrennbar zum Leben einer christlichen Gemeinde. Das sagte Landesbischof Johannes Friedrich heute in Nürnberg im Rahmen der erstmaligen Verleihung des Ehrenamtspreises. Das Ehrenamt sei nicht aus Not entstanden, sondern es sei „Ausdruck unserer Überzeugung, dass Glauben und Tun aller Christinnen und Christen aufs Engste zusammen gehören“, so Friedrich. Gleichzeitig wies der Landesbischof auf den „Mehrwert des Ehrenamtes“ hin. Ehrenamtlich aktive Menschen könnten im gemeinsamen Engagement neue Freundschaften gewinnen, ihr Selbstwertgefühl stärken und „ganz andere Seiten an sich entdecken“.
Die Präsidentin der bayerischen Landessynode, Dorothea Deneke-Stoll würdigte insbesondere den Fachbeirat Ehrenamt, der den Ehrenamtspreis ausgeschrieben und die Preisträger ausgewählt hatte. Sie habe „allergrößten Respekt“ vor dem, was der Fachbeirat in den letzten Jahren unter Leitung von Brigitte Reinard „auf die Beine gestellt“ habe. Die Aufgaben des 14-köpfigen Gremiums, zusammengesetzt aus haupt- und ehrenamtlich tätigen Personen aus Kirchengemeinden, landeskirchlichen Einrichtungen und der Kirchenleitung reiche von der Beratung der Kirchenleitung, über die Anregung von Modellprojekten bis hin zur inhaltlichen Mitarbeit bei der „PraxisHilfe Ehrenamt“, die vom Amt für Gemeindedienst herausgegeben wird.
Drei Preise, dotiert mit jeweils 1000 Euro, wurden vergeben. Ausgezeichnet wurden:
Das Projekt „Erlebnispädagogik in der Kirche“, das beim Dekanat Augsburg und dem Evangelischen Bildungswerk Augsburg angesiedelt ist, erhält einen Preis für die faszinierenden und hervorragend gestalteten Angebote für Schulklassen. Die Jury hat die etwa 40 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezeichnet, weil ihnen die Vermittlung des Glaubens durch die Verknüpfung von Lehrplanthemen und Kirchenräumen in spannender Weise gelingt. Das Projekt wurde zu Beginn finanziell und personell durch das Evangelische Bildungswerk Augsburg unterstützt, inzwischen liegt die Leitung, Koordination und Durchführung in der Hand von Ehrenamtlichen. Das große Engagement und die ansprechenden Angebote haben die Jury überzeugt.
Das Gottesdienst- und Gemeindeprojekt „Atemholen – Atempause“ findet in der Kirchengemeinde Buchbrunn (Dekanat Kitzingen) statt. „Atemholen“ ist „der etwas andere Gottesdienst“ mit einer selbstgestalteten Liturgie, GastpredigerInnen und einer Gottesdienst-Soap á la „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“. Die Themen sind aktuell und lebendig umgesetzt, was die GottesdienstbesucherInnen von 9-99 mit Begeisterung seit 2004 annehmen.
Dazu gehört „Atempause – der Kirchenbrunch“ für alle Mitarbeitenden bei den Gottesdiensten und deren Familien. Dieser Brunch trägt sich selbst, ist intergenerativ, ökumenisch und inzwischen ein fester Bestandteil des Gemeindelebens. Beides entstand aufgrund der Frage an damalige KonfirmandInnen: „Wie müsste ein Gottesdienst aussehen, damit ihr ihn gern besucht?“. Die Jury war überzeugt davon, dass die Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde Buchbrunn damit die Identifikation mit Kirche und christlichem Glauben stärken und beide Angebote als Vorbild für andere Gemeinden dienen.
Die Nachbarschaftshilfe der Kirchengemeinde Volkach (Dekanat Castell) überrascht seit 1999 mit einer einfachen Aufforderung: „Eine Stunde Zeit füreinander“. Inzwischen engagieren sich 45 ehrenamtliche „Zeitverschenker“ nach dem Prinzip „…diejenigen, die es können, helfen denjenigen, die es brauchen.“ Unterstützt wird die Initiative durch die örtliche evangelische und katholischen Kirchengemeinde, den Caritasverband, den ambulanten Krankenpflegeverein, das Diakonische Werk und das Volkacher Bürgerspital. Das „Volkacher Modell“ ist inzwischen überregional bekannt geworden durch den großen Erfolg, den die Ehrenamtlichen mit klaren zeitlichen Absprachen und selbstbestimmten Tätigkeiten haben. Die Jury war beeindruckt davon, wie hier Menschen zur Übernahme von Verantwortung aufgerufen werden – über konfessionelle und institutionelle Grenzen hinweg. Das Projekt ermöglicht Zeitverschenkern und den Zeit-Beschenkten neue Bindungen zu Kirche und zu Menschen.
Hinweis:
Ansprechpartnerin für weitere Informationen über die Projekte:
Anne-Lore Mauer
Amt für Gemeindedienst
Sperberstraße 70
90461 Nürnberg
0911 – 43 16 220
München, 3. Dezember 2010
Johannes Minkus, Pressesprecher

