Pressemitteilung vom 25.12.2011
Landesbischof besucht Flüchtlinge und Asylbewerber in der Münchner Bayernkaserne
Am Nachmittag des Heiligen Abends hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in Begleitung seiner Frau und seines Sohnes Flüchtlinge und Asylbewerber besucht, die in der Bayernkaserne in München untergebracht sind.
Nach einem gemeinsamen Essen und einem Weihnachtsgottesdienst sagte der Landesbischof: „Ich bin den Flüchtlingen sehr dankbar für ihre Gastfreundschaft. Die Begegnung mit ihnen hat für mich einen starken menschlichen Eindruck hinterlassen. Das Etikett „Asylanten“ verdeckt, welch interessante und eindrucksvolle Persönlichkeiten hier leben. Ich wünsche mir in unserem Land viel mehr Aufnahmebereitschaft für diese Menschen.“ Neben dem humanitären Aspekt sei eine größere Aufnahmebereitschaft auch im eigenen Interesse, ergänzte der Landesbischof. „In zehn bis zwanzig Jahren, wenn wir immer weniger junge Leute haben und uns Arbeitskräfte fehlen, werden wir darum werben, dass diese Menschen zu uns kommen. Dann wird man sich sehr genau daran erinnern, wie gastfreundlich unser Land war, als es um Aufnahme gebeten wurde.“
Besorgt zeigte sich der Landesbischof über die erhebliche Überbelegung der Unterkünfte in Bayern, die vor allem im zentralen Aufnahmelager Zirndorf dramatische Ausmaße angenommen habe. Bedford-Strohm: „Die Menschen aus Kirche und Diakonie, die sich gemeinsam mit den vor Ort zuständigen Behörden nach Kräften um die Flüchtlinge kümmern, sind mit ihren Möglichkeiten allmählich am Ende. Sowohl im Hinblick auf die Unterbringung als auch im Hinblick auf die Betreuung ist eine Entlastung dringend notwendig. Ich bitte die verantwortlichen staatlichen Stellen, genügend Raumkapazitäten und Personal zur Betreuung der Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Die aufnehmenden Kommunen und die Menschen, die dort leben, bitte ich dringend um gastfreundliche Aufnahme der Flüchtlinge. Gerade an Weihnachten gilt es, daran zu erinnern, dass Josef und Maria mit ihrem neugeborenen Kind vor den Nachstellungen des Herodes nach Ägypten fliehen mussten. Glücklicherweise wurden sie an der Grenze nicht abgewiesen.“
Die Innere Mission München betreut die Flüchtlinge und Asylbewerber in der Bayern-Kaserne im Auftrag der Regierung von Oberbayern seit Dezember 2010. Derzeit sind in dem Gebäude an der Heidemannstraße rund 400 Personen untergebracht: Familien mit Kindern, Alleinstehende und ca. 140 Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMF). Die meisten von ihnen stammen aus Afghanistan; weitere Herkunftsländer sind Somalia, Nigeria, Sierra Leone, der Irak sowie Länder des ehemaligen Jugoslawien.
In der Erstaufnahme für die UMF sind zwölf Mitarbeitende tätig. Für die Klärung der Fluchthintergründe, die Altersfeststellung und den weiteren Weg der Betreuung sind drei Monate vorgesehen, nach deren Ablauf die Jugendlichen in andere Einrichtungen der Jugend- bzw. Sozialhilfe weitergeleitet werden sollen. Da jedoch geeignete Anschlussmöglichkeiten fehlen, beträgt die durchschnittliche Verweildauer derzeit ca. acht bis zehn Monate. In dieser Zeit bekommen die Jugendlichen Sprachunterricht. Dieser sei bisher von der Bildungsstiftung der Stadtwerke München mit insgesamt rund 150.000 Euro gefördert worden.
Für Lisa Ramzews, Leiterin des Flüchtlingssozialdienstes, würde eine schnellere Weitervermittlung in Jugendhilfeeinrichtungen viele der aktuellen Spannungen lösen: „Die Jugendlichen haben kaum eine Perspektive, weil sie nicht wissen, wie es nach der Flucht in ihrem Leben jetzt weiter geht.“ Zu diesem dramatischen Zustand der Ungewissheit komme, dass sie aufgrund von Gewalterfahrungen und Flucht meist schwer traumatisiert sind. „In der ungeklärten Situation, in der sie nicht wissen, wie es mit ihnen weitergeht, verstärken sich diese Traumatisierungen oft noch.“
Der Flüchtlings-Sozialdienst ist mit jeweils einer halben Stelle für die sozialen Belange der erwachsenen Flüchtlinge und der Familien zuständig. Neben der Einzelfallberatung lädt er zu Gemeinschaftsaktionen wie zum Beispiel Gruppengesprächen ein und unterhält eine kleine Kleiderkammer. Da die Kinder aus den Familien nicht in eine öffentliche Kindertagesstätte gehen dürfen und schulpflichtige Kinder auch nicht in Schulen, hat man „unter ungeheueren Anstrengungen“ eine eigene Kinderbetreuung eingerichtet, wie Lisa Ramzews sagt. „Wir sind hier für den sozialen Frieden zuständig und dafür, dass bei den Menschen das Ankommen in der neuen Heimat gelingt.“
München, 25. Dezember 2011
Johannes Minkus

