Pressemitteilung vom 23.12.2011
"Weihnachten: Keine Idylle, sondern wachsamer Blick auf die Wirklichkeit" - Susanne Breit-Keßler feiert Weihnachtsgottesdienst in Münchner Gefängnissen
An Weihnachten werde "schmerzlich deutlich", wie heillos es in der Welt und im eigenen Leben zugehe, "wie schön es sein könnte und wie viel daran fehlt", so die Münchner Regionalbischöfin und Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler in zwei Weihnachtsgottesdiensten heute in den Münchner Justizvollzugsanstalten Neudeck und Stadelheim. Am Gottesdienst in der JVA Neudeck nahm auch Justizministerin Dr. Beate Merk teil. Breit-Keßler dankte ihr ausdrücklich für das Angebot an Sozial- und Arbeitstherapien für Gewalttäter und straffällig gewordene Jugendliche. "Bei meinen regelmäßigen Besuchen in den Justizvollzugsanstalten begegnen mir immer wieder Häftlinge und Psychologen, die außerordentlich dankbar sind für diese Chance, einen Weg aus der Schuld in neue Verantwortung zu finden", so die Regionalbischöfin.
Bei einigen der Gefangenen seien "die Karten im Leben von Anfang an schlecht gemischt" gewesen. Andere seien "in etwas hineingestolpert und ehe sie sich's versahen, mitten im Dreck gestanden". Wieder andere hätten "es vermasselt", was ihnen "an Leben, an Möglichkeiten anvertraut war", so Breit-Keßler. Sie würdigte den Einsatz von Seelsorgern und Beamten in den Justizvollzugsanstalten. Man spüre, so Breit-Keßler, wie viel Engagement für andere Menschen hier vorhanden sei - und wie sehr vor allem die Beamten litten, wenn sie zu wenig Zeit und Personal hätten, um sich um die Gefangenen zu kümmern und ihnen gerecht zu werden.
Weihnachten sei das Fest, an dem Gott Mensch wird, "damit wir lernen, Nähe zu empfinden und behutsam mit dem Kleinen, Zarten umzugehen". Wichtig für ein gelingendes Zusammenleben sei das Gespür, "welche Achtsamkeit ein anderer Mensch braucht", betonte Breit-Keßler. Alle müssten lernen auszusprechen "wie viel Nähe oder Distanz wir wollen, ohne gleich pampig oder gar gewalttätig zu werden".0Als besonders gutes Lernfeld bezeichnete Breit-Keßler ein Therapieangebot, in dem neue Gefangene durch ältere Häftlinge betreut würden, Gespräche mit den Seelsorgern oder auch der Besuch von Bibelstunden, in denen existentielle Fragen von Schuld und Verantwortung thematisiert werden.
München, 22. Dezember 2012
Johannes Minkus, Pressesprecher

