Pressemitteilung vom 22.04.2011

Niedergefahren in die Hölle einer radioaktiv verseuchten Insel - Susanne Breit-Keßler predigte am Karfreitag in der Münchner St. Lukaskirche.

Susanne Breit-Keßler predigte am Karfreitag in der Münchner St. Lukaskirche

Die grenzenlose Liebe Gottes zu den Menschen werde darin sichtbar, dass Jesus den Tod auf sich genommen habe, um den Menschen "die freiwillig ohnmächtige Liebe Gottes" nahe zu bringen, so die Münchner Regionalbischöfin und Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler, heute in ihrer Karfreitagspredigt in der Münchner St. Lukaskirche.

Mit seinem Kreuzestod sei Jesus "niedergefahren zur Hölle", wie es früher im Glaubensbekenntnis hieß. "Es ist die Hölle einer radioaktiv verseuchten Insel, der verstrahlten Arbeiter und Kinder, die Hölle der Gewalt wie in der Elfenbeinküste, im Sudan und in Libyen, wo Menschen gefoltert und umgebracht werden. Er ist niedergefahren auch in die Hölle aller Lieblosigkeit und Hartherzigkeit unserer Gesellschaft", so Breit-Keßler.

Ein Gott, der seinen eigenen Sohn am Kreuz sterben lasse, sei "eine maßlose Provokation für jeden", der ein "wohltemperiertes" Bild von Gott habe. Der Kreuzestod Jesu stelle die selbstgemachten Gottesbilder in Frage, "in denen Gott auf Distanz gehalten, in einen fernen Himmel, in ein abstraktes Ideal oder ins Allerheiligste hinter den Tempelvorhang verbannt wird".

Richtig verstehen könne man die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu erst in Verbindung mit seiner Auferstehung am Ostersonntag. Der "lebendige Herr, dem alle Vollmacht gehört im Himmel und auf Erden" sei derselbe Jesus, der vor den Toren Jerusalems am Kreuz hänge, betonte Breit-Keßler.

Jesus sei nicht gestorben, weil Gott ein "gnadenloses Gerechtigkeitsprinzip" verfolgt habe, sondern weil Gott die Menschen selbst in den Abgründen ihrer Existenz liebe, hob Breit-Keßler hervor.

Das Kreuz sei Symbol für einen  "sympathischen Gott, der alle Lebenswege mitgeht, weil er am eigenen Leibe erfahren hat, was Leiden ist, was auch Menschen einem antun können". Jesus sterbe, damit Menschen leben könnten, damit Kinder, Frauen und Männer sich selbst akzeptieren könnten als von Gott gewollte und geliebte Menschen, "mit lebendigen Spuren von Lachen und Weinen im Gesicht und den Narben auf Körper und Seele, mit Sinn für Nähe und Zärtlichkeit, mit der Gabe zuzuhören und anzupacken".

München, 21. April 2011
Johannes Minkus, Pressesprecher


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