Pressemitteilung vom 20.7.2011

Landeskirche verleiht Wilhelm-Freiherr-von-Pechmann-Preis

Die Münchner Regionalbischöfin und Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler, und Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll überreichten heute in der Münchner St. Markuskirche den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Wilhelm-Freiherr-von-Pechmann-Preis
der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern an die diesjährigen Preisträger.

Susanne Breit-Keßler wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass die Preisverleihung am Jahrestag des Stauffenberg-Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 stattfinde. Die Frauen und Männer des 20. Juli hätten ein Zeichen gesetzt, das über die konkrete geschichtliche Situation hinaus zum Symbol geistiger und moralischer Verantwortung geworden sei. Die Erinnerung daran müsseheute zur selbstkritischen Rückfrage nach dem eigenen persönlichen und politischen Engagement führen. Heute wie damals bestehe die Gefahr, „uns vorschnell anzupassen, unsere momentane Meinung absolut zu setzen oder umlaufende Überzeugungen unkritisch zu übernehmen“. Breit-Keßler erinnerte an die Barmer Theologische Erklärung aus dem Jahr 1934, die „in seltener Klarheit und Weitsichtigkeit“ die Kirche davor gewarnt habe, auf andere Wahrheiten zu vertrauen als auf Jesus Christus alleine.

Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll betonte in ihrer Laudatio, dass „wir aus diesem düsteren Kapitel unserer Geschichte gelernt haben sollten“, dass die Gottesebenbildlichkeit allen Menschen zukomme, und es darum „schlechthin untragbar“ sei, zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben zu unterscheiden. In den aktuellen medizinethischen Debatten komme der Kirche die Aufgabe zu, „gut zuzuhören, mit allen Beteiligten das Gespräch zu suchen und sodann ein theologisch und wissenschaftlich gut begründetes Urteil zu finden.“

Ausgezeichnet wurden:

  • Emmi Hetzner und die Klasse M9 der Stephanie-Mittelschule Gunzenhausen
    Für das Schulprojekt „Die Geschichte jüdischer Familien und ehemals jüdischer Wohnhäuser im Gunzenhausen des 20. Jahrhunderts“
  • Maximiliane Saalfrank und Thies Marsen
    Für das Radiohörbild „Blauer Strich heißt Leben, rotes Kreuz bedeutet Tod. Industrielle Ermordung. Vor 70 Jahren begann die Euthanasie der Nazis“, Bayern 2, 1.11.2010
  • Dr. Jörg Skriebeleit
    für die Erinnerungs- und Bildungsarbeit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, sowie
  • Kerstin und Jörg Schröder *
    Evangelische Jugend Oberfranken, für das „International Youth Meeting Flossenbürg“

Den (undotierten) Ehrenpreis erhält
Prof. Dr. Wolfgang Sommer

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat diesen Preis gestiftet zum Gedächtnis an Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948), dem ersten gewählten Präsidenten der Evangelisch-Lutherischen Generalsynode in Bayern. Freiherr von Pechmann war entschiedener Gegner des „Dritten Reiches“ und bekleidete neben seinem Beruf als leitender Banker zahlreiche nationale und internationale Ehrenämter in Wirtschaft und Kirche. Der Preis würdigt seine besonderen Verdienste um Humanität und Recht, Christentum und Kirche und sein Eintreten für jüdische Mitbürger. Ausgezeichnet werden herausragende Leistungen in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der historisch-wissenschaftlichen Forschung, in Bildungsarbeit und Publizistik, sowie vorbildliches Engagement für Gemeinsinn und Zivilcourage in der Gegenwart.

München, 20. Juli 2011
Johannes Minkus, Pressesprecher


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