Pressemitteilung vom 15.12.2011

Pfarrer Björn Mensing zum Landeskirchlichen Beauftragten für evangelische Gedenkstättenarbeit ernannt

Der Landeskirchenrat hat Pfarrer Dr. Björn Mensing (49) zum ersten Landeskirchlichen Beauftragten für evangelische Gedenkstättenarbeit ernannt. Mit dieser neuen Beauftragung will die Kirchenleitung die evangelische Arbeit an Gedenkstätten der NS-Diktatur in Bayern als Orte einer breiten gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus unterstützen.

Mensing soll zukünftig Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen beraten, die an Orten des NS-Terrors aus evangelischer Perspektive einen Beitrag zur Erinnerungsarbeit leisten wollen. An zahlreichen Orten in Bayern befanden sich Außenlager der Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg, dazu Foltergefängnisse und Lager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Meist erinnert bis heute kein Mahnmal an die Verbrechen und an die Opfer. Kirchengemeinden, kirchliche Jugendorganisationen und Erwachsenenbildungswerke können gemeinsam mit anderen örtlichen Partnern wichtige Beiträge zur Entwicklung einer lebendigen Erinnerungskultur leisten. "Wo deutlich wird, wohin in der eigenen Nachbarschaft und Gemeinde Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit schon einmal geführt haben, können Menschen gegenüber aktuellen rechtspopulistischen Parolen sensibilisiert werden. Wo man sich mit Persönlichkeiten beschäftigt, die ihrem christlichen Gewissen folgten, Verfolgten halfen und Widerstand leisteten, kann heute Zivilcourage wachsen", sagte Mensing nach seiner Ernennung.

Mensing ist seit 2005 Pfarrer der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau und wird von dort aus die zusätzliche Funktion wahrnehmen.  Der gebürtige Lüneburger studierte Theologie und Geschichtswissenschaften in Kiel und München, wo er vor zwanzig Jahren mit einer Studie über die Verstrickung der bayerischen Pfarrerschaft in den Nationalsozialismus promoviert wurde. In einem Forschungsprojekt beschäftigte er sich mit Biographien evangelischer Opfer des Nationalsozialismus und mit deren Wirkungsgeschichte.

Die Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau besteht seit 1967 und wurde durch ehemalige KZ-Häftlinge aus dem Ausland und dem Ökumenischen Rat der Kirchen initiiert. Die Trägerschaft heute haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. An der Versöhnungskirche wirken ein Pfarrer und ein Diakon in ökumenischer Kooperation mit einem katholischen Seelsorger. An der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ist darüber hinaus ein weiterer Pfarrer mit halbem Dienstauftrag tätig.

Kontakt: Pfarrer Björn Mensing, KZ-Gedenkstätte Dachau, Alte Römerstraße 87, 85221 Dachau, Tel. 08131/272601, info@versoehnungskirche-dachau.de

München, 15. Dezember 2011
Johannes Minkus, Pressesprecher


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