Pressemitteilung vom 10.9.2010

Landesbischof: Muslime sollen ihren Glauben in der Mitte der Gesellschaft leben

Brief an alle islamischen Gemeinden in Bayern: Hass ist das Gegenteil von dem, was Jesus gelehrt hat

Landesbischof Johannes Friedrich hat alle Muslime in Bayern aufgefordert, ihren Glauben in der Mitte der Gesellschaft zu leben. Der Bischof hat die Pläne einer kleinen christlichen Gemeinde in den USA zu einer Koranverbrennung zum Anlass genommen, an alle islamischen Gemeinden in Bayern zu schreiben.  Mit großer Bestürzung habe er von dem Vorhaben der Koranverbrennung gelesen. "Für uns ist das ein Vorhaben, das aus großem Hass geboren wurde. Und Hass ist das Gegenteil von dem, was uns Jesus Christus gelehrt hat", schrieb Friedrich. Darum verurteile die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern ein solches Vorhaben in aller Entschiedenheit. Er hoffe sehr, so Friedrich heute, dass die amerikanische Gemeinde doch endgültig auf diesen Schritt verzichte.

Das Grundgebot der Bibel rufe jeden Christen dazu auf, Gott zu lieben "mit allen deinen Kräften und deinen Nächsten wie dich selbst". Das Gebot der Nächstenliebe sei keinesfalls nur auf die eigene Familie, das eigene Volk oder Angehörige der eigenen Religion beschränkt, so Friedrich weiter. Jesus selbst habe im Gleichnis vom barmherzigen Samariter sogar das Handeln eines Menschen aus einer anderen Religionsgemeinschaft seinen Anhängern als Vorbild hingestellt.

Nach christlichem Verständnis "gehört zur Nächstenliebe auch der Respekt vor allem, was unseren Mitmenschen heilig ist". Das beinhalte auch den Respekt vor den Heiligen Schriften wie dem Koran der Muslime und der Tora der Juden, schrieb der Landesbischof.

Auch 70 Jahre nach der Schändung und Verbrennung  von jüdischen Tora-Rollen durch die Nationalsozialisten erfülle es ihn mit Scham, dass damals nur sehr wenige Christen laut gegen diese Schändung protestiert hatten. "Wir können daraus nur die Konsequenz ziehen, dass wir niemals mehr die Schändung der Heiligen Schriften unserer Mitmenschen unwidersprochen hinnehmen" bekräftigte Friedrich und bat alle Muslime in Bayern, sich "von den Untaten verblendeter Christen nicht beirren zu lassen oder bitter zu werden in ihren Herzen".

"Es gibt leider auch die andere Seite, die ich nicht verschweigen will", schrieb Friedrich weiter: "Immer wieder hören wir aus islamischen Ländern von Einschränkungen der christlichen Religionsausübung und Übergriffen gegen Christen. Das schmerzt uns." Christen seien jedoch an den Auftrag Jesu gebunden "Unrecht nicht mit Unrecht zu beantworten". Christen seien vielmehr dazu aufgerufen, "das Gute und Richtige zu tun und Liebe zu üben, auch wenn uns Unrecht angetan wird", betonte der Landesbischof.

Friedrich hob hervor, er werde weiterhin dafür eintreten, "dass die Muslime in Bayern ihren Glauben in der Mitte unserer Gesellschaft leben können". So wie viele Kirchen und immer mehr Synagogen im Zentrum der Städte sichtbar seien, "so sollen auch Moscheen ihren Platz in unserer Mitte haben". Misstrauen und Ablehnung sei am besten durch Offenheit und Transparenz zu begegnen. "Es schafft Vertrauen, wenn Sie Ihre Gebetsräume und Moscheen öffnen für Besucher und Gäste, wenn der Imam in Deutsch predigt, wenn durch einen islamischen Religionsunterricht und eine Imamausbildung an staatlichen Universitäten die Lehren des Islam für jedermann erkennbar werden", betonte der Landesbischof. Die bayerische Landeskirche werde weiterhin mit allen Kräften dazu beitragen, das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen in Bayern zu fördern.

München, den 10. September 2010
Johannes Minkus, Pressesprecher


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