Pressemitteilung vom 25.04.2008
Landesbischof schickt Kirchendelegation in den Nordirak
Politische Gespräche geplant
Bischof: „Wir machen uns große Sorgen um unsere Schwestern und Brüder im Irak“
Eine Kirchendelegation unter Leitung von Oberkirchenrat Michael Martin wird Ende Mai in den Nordirak reisen. Das kündigte Landesbischof Johannes Friedrich heute in München an. „Wir wollen den Christen im Irak zeigen, dass wir ihnen beistehen“, so Friedrich. Die Delegation wird sich über die Lebensbedingungen der Christen vor Ort, aber auch über den Fortgang der kirchlichen Hilfsprojekte informieren. Geplant sind darüber hinaus politische Gespräche, u.a. mit dem Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan, Masud Barzani und Finanzminister Sargis Aghajan. „Wir wollen die Verantwortlichen in der Provinzregierung fragen, wie es um den Schutz der Christen und der anderen religiösen Minderheiten vor islamistischen Übergriffen und Terrorakten steht“ erklärte Friedrich. Er stellte klar: „Unsere Hilfe vor Ort hat vor allem ein Ziel: Wir setzen uns dafür ein, dass Christen im Irak leben können und dort eine Perspektive haben“.
Die geplante Aufnahme von irakischen Flüchtlingen in Deutschland bezeichnete Friedrich als „konkrete christliche Nächstenliebe“. „Wer zu uns kommt, hat seine Heimat nicht freiwillig verlassen. Islamischer Fanatismus und terroristische Gewalt haben Hunderttausende aus ihrer Heimat vertrieben. Sie brauchen unser Gebet und unsere Solidarität jetzt ganz besonders“, betonte Friedrich. Er sei sehr dankbar für die Bereitschaft des bayerischen Innenministers Herrmann und seiner Kollegen in andern Bundesländern, Flüchtlinge aus dem Irak in Deutschland aufzunehmen. Friedrich begrüßte es, dass damit Christen aus dem Irak und anderen nichtmuslimischen Minderheiten eine Zukunftsperspektive gegeben werde. Besonders hoffnungsvoll stimme ihn, dass schon jetzt viele in Bayern lebende Christen aus dem Irak und seinen Nachbarländern gut integriert seien und bei der Aufnahme helfen könnten.
Einen dringenden Wunsch hat der Bischof daher schon heute: Wenn bald die ersten Flüchtlinge aus dem Irak nach Bayern kommen, sollten sie gastfreundlich aufgenommen werden. Hier bittet Friedrich die Kirchengemeinden um Unterstützung: „Es wäre sehr schön, wenn unsere Kirchengemeinden sich über die schwierige Situation der Christen im Irak informieren, und so mithelfen, dass bei uns ein Klima der Gastfreundschaft entsteht“.
Seit 1997 engagiert sich die bayerische Landeskirche im Verbund mit der Württembergischen Landeskirche mit verschiedenen Hilfsprojekten im Irak. In diesem Jahr wurden die Mittel noch einmal erheblich aufgestockt, um auch irakischen Inlandsflüchtlingen kurzfristig helfen zu können. Ganz aktuell wurde 700 besonders bedürftigen Familien über den Winter geholfen. An erster Stelle steht für die bayerische Landeskirche die Bekämpfung der Fluchtursachen. Etwa 120.000 Christen sind aus dem Süd- und Mittelirak in den relativ sicheren Nordirak geflohen. Dort unterstützen die bayerische und die württembergische Landeskirche viele christliche Gemeinden und christliche Sozialeinrichtungen. Dies ist aber bei weitem nicht ausreichend.
Weitere finanzielle Mittel sind dringend erforderlich.
Einige Beispiele für laufende und geplante Hilfsmaßnahmen:
- In der Umgebung von Dohuk sind 27 Dörfer neu entstanden, deren Bewohner christliche Flüchtlinge sind und dringend Hilfe brauchen.
- Mit einer mobilen Klinik wird durch lokale christliche Ärzte versucht, auch in entlegenen Teilen Flüchtlingen (auch solchen anderer Religion) medizinische Hilfe zu ermöglichen.
- In einem groß angelegten Programm möchte die christliche Frauenunion (Assyrian Women Union) die Bildung christlicher Frauen in Erbil und Dohuk verbessern, damit diese leichter Zugang zum Arbeitsmarkt haben.
- Über die deutsche kirchliche Stiftung Wings of Hope wird im Irak Trauma- und Versöhnungsarbeit mit Kindernp und Jugendlichen aller Ethnien aufgebaut.
- In Telkaif ist sogar ein Kirchenneubau geplant, mit Gemeinderäumen für Jugend- und Sozialarbeit.
Spendenkonto:
Evang.-Luth. Kirche in Bayern
Konto 10 10 107
EKK Kassel
BLZ 520 604 10
Stichwort „Christen im Irak“
München 25. April 2008
Johannes Minkus, Pressesprecher

