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Mit Stampfen und Tanzen die bösen Geister vertreiben

Zwischen 24. Dezember und 5. Januar, in den zwölf Rauhnächten, soll die Sagengestalt "Frau Percht" ihr Unwesen treiben und bösen Menschen sogar den Bauch aufschlitzen. Sie gab der Zeit bis zum Dreikönigsfest ihren Namen: Perchtenzeit.
 
Angst vor Frau Percht hat inzwischen niemand mehr. Trotzdem erfreuen sich so genannte Perchtentänze in alpenländischen Gebieten in der kalten Jahreszeit immer noch großer Beliebtheit. "Im süddeutschen Raum gibt es derzeit rund 50 Perchtenbünde", erklärt der Schriftsteller Alfons Schweiggert, der sich in seinen Büchern unter anderem mit bayerischem Brauchtum beschäftigt. Die Tradition gehe auf die Kelten zurück. Der Jahreswechsel sei früher als bedrohliche Zeit empfunden worden. Durch die Perchtentänze solle das Böse vertrieben und das Gute angelockt werden.
 
Mit gruseligen Masken böse Geister vertreiben: Die Perchtenzeit. (c) annia316 ღ, everystockphoto.comHolzmasken und Kleidung fertigen die Perchtentänzer selbst. Ein bis zwei Wochen dauert es, eine Maske aus Holz oder Wurzelwerk herzustellen. Auch die Kleidung wird aus Naturmaterial wie Fell oder Stroh genäht. "Die Masken sind richtige Kunstwerke und können bis zu 20 Kilo wiegen", erklärt Schweiggert. Nach einem Perchtentanz sei man daher auch fix und fertig.
 
Klaus Mehlig hat 1995 offiziell den Perchtenbund im oberbayerischen Ainring im Berchtesgadener Land gegründet. Der Brauch fasziniert den 41-jährigen: Regelmäßig verkleidet er sich als Percht und hat schon drei Masken mit Steinbockhörnern geschnitzt. Perchten gebe es traditionell nur zwischen Heilig Abend und Dreikönig, erklärt Mehlig. Vor Weihnachten sei die Zeit der Krampusse, die den Perchten durch ihre Holzmasken sehr ähnlich seien. "Der Krampus hat aber mit den Perchten nichts gemeinsam", erklärt Mehlig. Leider würden sich viele Gemeinden nicht mehr an den Brauch halten und schon Ende November Perchtenläufe organisieren.
 
So sehr er sich auch darüber ärgert, dass Perchtentänze vielerorts inzwischen eher dem US-amerikanischen Halloween ähneln, so ist Mehlig doch der Meinung, dass Traditionen sich weiterentwickeln sollten. Vor allem die Perchtenmasken sind seiner Meinung nach im Lauf der Zeit immer gruseliger geworden. "Die Kinder sind durch Fernsehen und Computerspiele schon so viel Horror gewohnt, dass wir uns wirklich anstrengen müssen, ihnen zumindest noch ein bisschen Angst einzujagen", sagt er. Zuviel Angst darf es dann aber doch nicht sein, "denn die Kinder müssen ja wissen, dass wir auf der Seite der Guten stehen und böse Geister vertreiben wollen."

 

 

 

Quelle:
Christiane Ried, epd