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Opfer sollen sich an kirchliche Ansprechstelle wenden

(c) iStockPhoto / Sean Warren

Im Falle eines mutmaßlichen Missbrauchs im Bereich der Kirche stehe das Opfer und seine juristische und psychologische Betreuung im Mittelpunkt, betonte Oberkrichenrätin Karla Sichelschmidt. Auch nach der breiten öffentlichen Debatte ist es in der Landeskirche laut Sichelschmidt zu keiner signifikanten Zunahme von Missbrauchsvorwürfen gekommen. Es seien lediglich vier Fälle aus den 60er Jahren bis Mitte der 80er Jahre neu gemeldet worden.

Die Ansprechstelle im Landeskirchenamt wurde bereits 1999 eingerichtet, Hauptansprechpartnerin ist die Leiterin der Frauengleichstellungsstelle. Das vierköpfige Team ist, wie die Oberkirchenrätin betont, zu "absoluter Verschwiegenheit" verpflichtet und klärt mit dem Opfer die nächsten Schritte. Dabei sei bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen trotz aller Bemühungen ein "Zielkonflikt" nicht gänzlich zu vermeiden. Dem häufig verständlichen Interesse des Opfers nach absoluter Diskretion stehe die Glaubwürdigkeit der Kirche gegenüber und ihre Verantwortung, dass "ein Täter nicht mehr in seinem alten Bereich oder mit Menschen arbeiten darf". Dadurch könnten in einem überschaubaren sozialen Umfeld, etwa in einem Dorf, Rückschlüsse auf das Opfer möglich sein.

Verstoß beginnt bei anzüglichen Bemerkungen

Wie die Oberkirchenrätin erläuterte, beginnt sexueller Missbrauch dienstrechtlich bereits bei anzüglichen, übergriffigen Bemerkungen. Bei einem "begründeten Anfangsverdacht" leite der Landeskirchenrat ein Disziplinarverfahren ein, der mutmaßliche Täter werde mit Einleitung des Verfahrens von seinem Dienst suspendiert. Je nach Schwere des Vergehens könnten die Maßnahmen dann bis zur Entfernung aus dem Dienst reichen. Bei schwerwiegenden Fällen trete disziplinarisch keine Verjährung ein. Deshalb könne beispielsweise das Beamtenverhältnis mit einem Pfarrer zu jedem Alter beendet werden - mit der Folge, dass der Täter statt der Pension nur noch die niedrigere gesetzliche Rente erhalte, sagte Sichelschmidt.

Die Hauptansprechpartnerin der kirchlichen Ansprechstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs, Dr. Johanna Beyer, die Leiterin der Frauengleichstellungsstelle, ist hier zu erreichen!