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Ökumene braucht gegenseitigen Respekt

(c) Gebetswoche für die Einheit der Christen in Bayern

"Wir brauchen eine Kultur des gegenseitigen Respekt und des Zuhörens", sagte er laut Predigtext. Den Respekt vor den Traditionen anderer Lehr- und Frömmigkeitstraditionen könne man lernen. Friedrich rief die Gläubigen auf, sich in das "religiöse Erleben und Denken" der anderen Konfessionen einzufühlen. Man müsse spüren, "wo das Herzblut des anderen fließt". Die Bibel fordere alle Christen dazu auf, gemeinsam den auferstandenen Christus zu bezeugen und nicht in erster Linie ihre eigene Glaubenstradition bewahren zu wollen.

Anders sei nicht gleich falsch, sonders anders, fügte Friedrich hinzu. Vor jeder Auseinandersetzung um die Lehre müsse der Respekt vor der Glaubensweise der anderen stehen. Wenn eine Kirche einer anderen Kirche sage, "was ihr lehrt, ist Irrtum oder Geschwätz" sei eine ökumenische Kultur des Respekts nicht gegeben. Friedrich leitete den Gottesdienst gemeinsam mit dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx und Pfarrer P. Deuscoros El Antony von der Koptisch-Orthodoxen Gemeinde St. Mina in München.

Sich begegnen, sich gegenseitig wertschätzen

Den ökumenischen Weg beschrieb der Landesbischof so, "dass Kirchen Kirchen bleiben und doch immer mehr eine Kirche werden". Damit zitierte er aus den grundlegenden ökumenischen Schriften des früheren Kardinals Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI..
Ausdrücklich lud Landesbischof Friedrich zum zweiten Ökumenischen Kirchentag Mitte Mai nach München ein. Das Christentreffen biete die Chance, Gläubige anderer Konfessionen zu begegnen und sich gegenseitig wertzuschätzen.

Am Gottesdienst nahmen auch die beiden Generalsekretäre des Ökumenischen Kirchentages 2010, Ellen Überschär (evangelisch) und Stefan Vesper, der katholische Kirchentagspräsident Alois Glück sowie Vertreter der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) teil. Sie verteilten nach dem Gottesdienst Kerzen an die Besucher.

"Er ist auferstanden - und ihr seid Zeugen"

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen wird seit 102 Jahren begangen. Seit 1969 wird das liturgische und biblische Material für die Gebetswoche gemeinsam von der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen koordiniert.

Die Gebetsordnung in diesem Jahr wurde nach ÖRK-Angaben von Christen aus Schottland erarbeitet. Im Mittelpunkt stehen die biblischen Berichte von der letzten Rede Jesu vor seiner Himmelfahrt. Das Motto stammt aus dem Lukas-Evangelium (24,48) und lautet: "Er ist auferstanden - und ihr seid Zeugen". An der Gebetswoche beteiligen sich traditionell Christen verschiedener Konfessionen. Die Gebetswoche wird neben dem Januartermin in der nördlichen Hemisphäre in der südlichen Hemisphäre auch zu Pfingsten gefeiert. (epd)

Lesen Sie hier die komplette Predigt von Landesbischof Dr. Johannes Friedrich im Original-Wortlaut!