{Abo bestellen}
"Nun kann der neue Rahmen mit Leben gefüllt werden"
Durch die Umverteilung kirchlicher Mittel nach einem transparenten für alle geltenden Schlüssel habe sich mehr und mehr gezeigt, dass die Tage der Eigenständigkeit des Ludwigsstädter Dekanatsbezirkes gezählt seien, erläuterte Dr. Dorothea Greiner in ihrer Predigt zur Fusion der Dekanatsbezirke Kronach und Ludwigsstadt. "Die Enttäuschung war oder ist bei vielen groß. Aus Perspektive der Ludwigsstädter sieht es fast so aus, da gewänne das Kronacher Dekanat etwas, nämlich den nördlichen Teil des Landkreises." Das gleichwohl stimme so nicht. "Auch die Kronacher geben die Eigenständigkeit auf. Nach diesem Tag gibt es keinen Dekanatsbezirk Kronach und keinen eigenen stellvertretenden Dekan mehr, denn nun vertritt Dekan Voss. Überhaupt soll der Stellvertreter immer in Ludwigsstadt sitzen.
Wenn man so will, verlieren alle etwas."
Dennoch ließen sich an der Fusion auch Vorteile entdecken. "Beide Dekanatsbezirke haben eine zukunftsfähige, tragfähige Struktur gewonnen", so Greiner. "Die Strukturdebatten sind zu Ende – sie wären bei faulen Kompromissen sonst jahrelang weitergeführt worden. Nun muss die Kraft nicht mehr in mühsame Diskussionen über Rahmenbedingungen gesteckt werden. Nun kann der neue Rahmen mit Leben gefüllt werden." Dem Dekan und den vier weiteren Ludwigsstädter Pfarrer tue es gut, Teil eines größeren Pfarrkapitels zu sein. Die neuen Kronacher Brüder und Schwestern bereicherten sie und umgekehrt. "Man kann sogar sagen, dass die zwei Pfarrkapitel in den letzten Jahren zusammengefunden haben und kein Zweifel besteht, dass auch die Dekanatsausschüsse und die Dekanatssynoden gut zusammenarbeiten wollen und auch werden."
"Aus dem Vergeben wird Segen wachsen"
Zweifellos habe die Umsetzung ihre "Stolpersteine" gehabt, konstatierte die Regionalbischöfin. "Manche Schritte und manche Worte waren ungut." Deshalb habe Senior Wiederanders zu Beginn des Gottesdienstes darum gebeten, "dass alle, die in diesem Prozess verletzt worden sind, denen vergeben, denen sie etwas nachtragen. Auch und gerade für uns selbst ist es heilsam, wenn wir unsere Enttäuschungen ans Kreuz hängen und dem abgeben, der sterbend allen vergeben hat, selbst denen, die ihn willentlich geschlagen hatten. Aus dem Vergeben wird Segen für das eigene Leben und das anderer Menschen wachsen; das ist ganz gewiss", unterstrich Greiner.
Letztendlich könne man sich gut tun, indem man versuche, innerlich zu der Gelassenheit einer Haltung zurückzugelangen, die in das Große und Ganze vertraue. Dies sei zu erreichen, indem man sich nicht länger an Äußerlichkeiten aufhalte. "Wir, die wir hier in dieser Kirche sind, ob wir aus Küps kommen, aus Weißenbrunn, Lauenstein, Steinbach am Wald und wie alle Gemeinden des neuen Dekanatsbezirks heißen, oder aus Bayreuth, wir gehören zusammen, weil wir zu Christus gehören", betonte Greiner. "Insofern ist unser Glaube an Christus und die durch ihn gewirkte Christenheit und Einheit eine große heilsame Relativierung aller Strukturfragen, die jemals in einer konkreten Landeskirche behandelt wurden oder noch kommen werden."

