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Nürnberger Stadtmission 125 Jahre alt

Mit der Gründung im Jahr 1885 reagierten evangelische Pfarrer auf die soziale Not des Industriezeitalters. Die sozialen Probleme haben sich in den letzten 125 Jahren verändert – „beseitigt werden konnten sie nicht“, so Landesbischof Dr. Johannes Friedrich in seiner Predigt. „Die Schere zwischen den Erfolgreichen, die sich alles leisten können, und denen, die in dieser Gesellschaft keinen Fuß fassen, in Arbeitslosigkeit geraten, kurz vor dem Absturz stehen oder dem psychischen Druck nicht standhalten, ist immer größer geworden. Und es ist zu erwarten, dass diese Kluft mit dem neuen Maßnahmenpaket der Bundesregierung zur Schuldenreduzierung noch breiter wird. Das kann uns nicht gleichgültig lassen.“

Sparmaßnahmen und eine gute Haushalterschaft seien notwendig – gerade auch zu Gunsten der kommenden Generationen. „Aber wir müssen wachsam sein, dass diese Einschnitte nicht nur einseitig zu Lasten derer gehen, die eh schon nicht wissen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen, oder auf Kosten der Zukunft der Kinder aus Familien von Hartz IV-Empfängern“, betonte Friedrich. „Hier müssen diejenigen, die die Finanzkrise verursacht haben, noch viel konsequenter an der Beseitigung ihrer Folgen beteiligt werden.“

Verzicht leisten zugunsten des sozialen Gleichgewichts

Friedrich plädierte für eine Finanztransaktionssteuer für Banken. Zudem verdeutlichte er seine Überzeugung, dass viele Wohlhabende bereit seien, einen größeren Beitrag zur Schuldenreduzierung zu leisten. Dass von Gutverdienern sogar höhere Spitzensteuersätze gefordert würden, mache Hoffnung für das soziale Klima in Deutschland. Der Bischof forderte die Politiker auf, die Bereitschaft ernst zu nehmen, zugunsten des sozialen Gleichgewichts Verzicht zu leisten.

Mit der Gründung der Stadtmission im Jahr 1885 reagierten evangelische Pfarrer in Nürnberg auf die sozialen Nöte des Industriezeitalters. Heute nehmen jährlich 16.000 Bürger die Angebote des Wohlfahrtsverbandes wahr, der Heime für Kinder und Alte, zahlreiche Beratungsstellen und Einrichtungen für psychisch Kranke und Obdachlose betreibt. 850 Beschäftigte arbeiten in den 46 Mitgliedseinrichtungen.

"Suchet der Stadt Bestes"

Landesbischof Dr. Johannes Friedrich dankte den Mitarbeitenden und ermutigte sie, in ihrem Tun nicht innezuhalten: „Dass Sie immer wieder von Ihren Erfahrungen erzählen – wie Sie es auch heute mit diesem reichen Gottesdienst tun. Dass Sie Ihre Mitbürger sensibilisieren für offensichtliche und versteckte Not im Schatten der Burg – wie dies jetzt die weißen Stellvertreter so plastisch tun. Dass Sie Ihre Stadtpolitiker und über sie die größere Politik immer wieder ermahnen, den Schutz der Schwachen zu ihrer Aufgabe zu machen und den wichtigen Einsatz für die Gemeinschaft nicht nur an Ehrenamtliche zu delegieren. ,Suchet der Stadt Bestes' - das tun Sie gerade, wenn Sie die Entwicklungen in der Stadt mit wachem, kritischem Blick begleiten und immer wieder für Toleranz und Barmherzigkeit werben und auch für die Menschen, die ausgeschlossen und an den Rand gedrängt werden, weil sie nicht erfolgreich, gescheitert oder aus ihrem Heimatland geflohen sind.“

Die Predigt des Landesbischofs Dr. Johannes Friedrich anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Stadtmission im Wortlaut