{Abo bestellen}
Nürnberger "Allianz für den freien Sonntag" protestiert
Die Nürnberger "Allianz für den freien Sonntag" hat sich gegen die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten auf vier verkaufsoffene Sonntage in Nürnberg gewandt. Bis heute hätten die Sonntagsöffnungen keinen Aufschwung im Einzelhandel erzeugt, erklärte der mittelfränkische DGB-Vorsitzende Stephan Doll zum "Internationalen Tag des freien Sonntags" am vergangenen Mittwoch, 3. März. Leidtragende des gescheiterten Experiments seien die Beschäftigten und ihre Familien. Norbert Feulner vom evangelischen Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt verwies auf eine EU-Studie, wonach Sonntagsarbeit gesundheitsschädlich ist. Als positive Beispiele nannte die Allianz die Städte Würzburg und Ingolstadt. In Ingolstadt gebe es überhaupt keine Verkaufssonntage, und in Würzburg habe der Stadtrat erst vor wenigen Tagen einen zweiten verkaufsoffenen Sonntag abgelehnt.
Die "Allianz für den freien Sonntag" ist ein Bündnis von Gewerkschaften und Kirchen, sie wurde im November 2006 von der evangelischen Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (kda) gemeinsam mit der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), der Betriebsseelsorge und der Gewerkschaft verdi ins Leben gerufen. Seinerzeit hätten die politischen Zeichen schlecht für die Sonntagsruhe gestanden, so Philip Büttner, wissenschaftlicher Referent, kda München, in der Novemberausgabe 2009 der kda-Verbandszeitung ,Kirche und Arbeit'. "In Bayern verhinderte 2006 eine Patt-Abstimmung der CSU-Landtagsfraktion die Liberalisierung des Ladenschlusses. Doch auch im Freistaat bröckelte die Sonntagslobby. Sonntagsarbeit nahm hier, nicht anders als im Rest der Republik, über fast allen Branchen hinweg zu. Die Regierung erlaubte den Sonntagsbetrieb von Autowaschanlagen, weil auch die Österreicher sonntags ihr Auto waschen ließen. Sonderöffnungen im Einzelhandel verbreiteten sich derart, dass fast an jedem Sonntag im Jahr irgendwo in der Umgebung die Geschäfte öffneten."
"Sonntagsarbeit breitet sich immer schneller aus"
Vor diesem Hintergrund sei die kirchlich-gewerkschaftliche Allianz entstanden. "Die Chancen dieser überparteilichen Allianz liegen heute darin, den Sonntagsschutz auf allen politischen Ebenen, von der Kommune bis zum Bund, stark zu machen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass gerade der ,Sonntagsschutz von unten' durch Initiativen vor Ort so manchen verkaufsoffenen Sonntag konkret verhindern kann. In Ingolstadt etwa schloss die Stadt mit der örtlichen Sonntagsallianz sogar eine Art Vertrag gegen Verkaufssonntage", informiert Büttner. Auch auf höheren politischen Ebenen ließe sich etwas bewegen. "Im Zuge der Landtagswahl 2008 war es der bayerischen Sonntagsallianz gelungen, 200 Positionen von Kandidierenden aus allen großen Parteien zum Sonn- und Feiertagsschutz einzuholen und damit dem Thema eine Präsenz im Wahlkampf zu verschaffen. Dass die schwarzgelbe Koalition trotz des Vorhabens der FDP, die verkaufsoffenen Sonntage den Kommunen freizustellen, das Thema bislang nicht angetastet hat, kann als ein Teilerfolg auch dieser Wahlaktion gelten."
Doch gewonnen sei noch wenig. Sonntagsarbeit breite sich immer schneller aus. Die Zahl der davon betroffenen Erwerbstätigen liege laut Mikrozensus in Bayern heute schon bei 1,8 Millionen, so Büttner - "das ist mehr als jede/r Vierte und insgesamt eine halbe Million mehr als noch vor zehn Jahren". Auf die Frage, ob der freie Sonntag heute unter den Vorzeichen der Rund-um-die-Uhr-Kultur noch zeitgemäß sei, hat der Referent der kda gleichwohl eine klare Antwort: "Die Antwort der Allianz lautet: ja, gerade heute! Der Sonntag ist modern, weil er Mensch und Gemeinschaft gut tut - erst recht in einem Zeitalter der Beschleunigung und Flexibilisierung. Unserer Gesellschaft mangelt es nicht an Kommerz, sondern vielmehr an verlässlichen Zeiten für Familie und Gemeinschaftsleben, seelische Erhebung und Erholung."

