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Not-Anker im Hilfesystem
Für viele Menschen stellten die Bahnhofsmissionen den "letzten Notanker im Hilfesystem dar", was eine große Herausforderung für die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter sei, so Michael Frank, Referent für die evangelischen Bahnhofsmissionen beim Diakonischen Werk Bayern.
Auch Frauen kamen den Angaben zufolge verstärkt in die bayerischen Bahnhofsmissionen, ihre Zahl stieg von 77 000 (2007) auf 83 000 (2009). Viele von ihnen suchten vor allem abends und nachts Schutz vor Gewalt. Zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund (2009: 75.000) wandten sich ebenfalls an die Anlaufstellen. In der Münchner Einrichtung erhofften sich 2009 besonders viele arbeitssuchende Osteuropäer aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten Hilfe. "Diese Menschen kommen, weil sie zuhause in größter Armut leben und mit falschen Versprechungen hierher gelockt werden", erläuterten die Leiterinnen der Bahnhofsmission München, Andrea Sontheim und Gabriele Ochse.
Ein Platz zum Ausruhen und Aufwärmen
Die ersten Bahnhofsmissionen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts. 1910 schlossen sich evangelische und katholische Bahnhofsmissionen zur heutigen "Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland" zusammen, der ältesten ökumenischen Struktur auf dem Gebiet der offenen sozialen Arbeit. In Deutschland gibt es den Angaben zufolge derzeit knapp 100 Bahnhofsmissionen, in denen katholische und evangelische Träger oft zusammenarbeiten. Bayern zählt 14 Anlaufstellen, die sich nicht nur in den Großstädten München und Nürnberg, sondern zum Beispiel auch in Aschaffenburg, Hof, Lindau oder Passau finden. Neben Hilfe und Beratung in sozialen Notlagen unterstützen die Mitarbeiter vor allem ältere Reisende oder Alleinerziehende mit Kindern beim Umsteigen oder bieten einen Platz zum Ausruhen und Aufwärmen.
Zu den alltäglichen Geschichten in den Bahnhofsmissionen ist eine Sonderausstellung unter dem Titel "Das Leben ist Kunst. Mit Kreativität gegen soziale Ausgrenzung" entstanden. Sie wird beim 2. Ökumenischen Kirchentag im Mai in München offiziell vorgestellt.
Quelle: epd

