Nicht müde werden, aufeinander zuzugehen
Nun ist er vorbei, der 2. Ökumenische Kirchentag (ÖKT), der unter dem biblischen Leitwort "Damit ihr Hoffnung habt" mit rund 3000 Events laut Veranstalter mehr als eine halbe Million Menschen lockte, darunter rund 130 000 Dauergäste. Zum großen Abschlussgottesdienst am Sonntag, 16. Mai, auf der Theresienwiese, fanden sich rund 100 000 Kirchentagsbesucher ein. Der Abschlussgottesdienst fand in Anwesenheit prominenter Persönlichkeiten kirchlichen Lebens statt, darunter Dr. Eckhardt Nagel, Kirchentagspräsident für die evangelische Seite und Alois Glück, Kirchentagspräsident für die katholische Seite, dazu zahlreiche Referenten und Prediger mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschland Präses Nikolaus Schneider, dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, und dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Augoustinos an der Spitze
Es war Präses Nikolaus Schneider, der genau das ansprach, was notwendig ist für wirkliche Veränderung: nämlich diese nicht nur theoretisch, sondern vor allem praktisch zu befürworten, den Mut zu finden, sie wirklich anzupacken – auch, wenn sich dieses Anpacken manchmal unbequem anfühlt. „Wir gut situierten Christenmenschen träumen von friedlicher Veränderung – nur kleinlaut und zaghaft stimmen wir in das Hoffnungslied von Maria ein“, sagte Schneider im Rahmen des feierlichen ÖKT-Abschlussgottesdienstes auf der Theresienwiese.
Es gelte, die „satte Selbstgenügsamkeit“ zu überwinden, die Zerschlagung von persönlichem Hochmut zuzulassen; deshalb richtete Schneider seine Bitte an Gott: „Lehre uns das Teilen von Macht, stärke die Niedrigen und schenke Demut den Mächtigen.“
Immer aber mit Gefühl
Denn nur, wenn sich Veränderung auch ein Stück weit unbequem für den Einzelnen anfühlt, handelt es sich um wirkliche Veränderung, die den destruktiven Akt des Auf-der-Stelle-Tretens in echtes Vorankommen wandele. Etwa mit Blick auf die wachsende Einheit der Konfessionen, den Ausbau der Ökumene, das große Thema des diesjährigen 2. ÖKT; ein Leitgedanke, den der Münchner Kirchentag fünf Tage lang in die Köpfe der Menschen gepflanzt hat, mal auf humorige, mal auf ernste Weise, immer aber mit Gefühl.
Letzteres wollen die Veranstalter einmal mehr beim Abschlussgottesdienst auf der Theresienwiese stimulieren, transportieren große Stoffbanner ins Publikum, die die Menschen über ihre Köpfe hinweg gemeinsam vorwärts bewegen, bunte Stoffbahnen, auf denen emotionale Worte stehen: „Tiefe“, Heilig“ oder „Wind“. Und natürlich: „Hoffnung“.
"Gottes Heiligsein und unsere Heilung"
Um diese zu haben und zu leben, brauche es den Respekt, den ein weiterer der geladenen Gäste ansprach: der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos. Furcht vor dem Herrn sei heutzutage „Mangelware“, sagte Augoustinos, doch „Furcht vor dem Herrn ist der Anfang von Weisheit“. Gesunde Demut vor Gott habe nichts mit Selbsterniedrigung zu tun, sondern mit dem Finden einer gesunden Mitte: „Gottes Heiligsein und unsere Heiligung – beide muss zusammenkommen“, unterstrich Augoustinos.
Der Kirchentag sei hierfür ein wichtiger Impulsgeber gewesen, wie der Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, bekräftigte. "Wir durften spüren und erfahren: Der Glaube an Gott führt zusammen und gibt Kraft." Dies habe der ÖKT gebettet in "anregende Tage ökumenischer Verbundenheit".
Und so ließ dieser Abschlussgottesdienst, bei dem sich die Menschen ein weiteres Mal nicht vom nasskalten Wetter abschrecken ließen, bei dem alle, sowohl die Zuschauer als auch die kirchlichen Promínenten, so friedlich gleich aussahen, eingepackt in Regencapes aus knisterndem Plastik, den ÖKT-Grundgedanken durchrutschen in den Bauch und zum Gefühl, vielleicht mal zur Überzeugung werden: Wir dürfen nicht müde werden, aufeinander zuzugehen.




