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Neue Gedenkstätte für ungeborenes Leben
Die neue Gedenkstätte für ungeborenes Leben auf dem Neuen Friedhof Riem entstand durch eine ökumenische Initiative der fünf katholischen und zwei evangelischen Kirchengemeinden vor Ort. Die Kosten für das 26 000 Euro teure Kunstwerk des Bildhauers Robert Michael Weber tragen jeweils zur Hälfte die Kirchen und die Stadt München. Auch auf dem Münchner Westfriedhof und dem Waldfriedhof gibt es Gedenkstätten für Kinder, die vor oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Weitere Gedenkstätten seien geplant, sagte Stadtreferent Joachim Lorenz.
Die Bindung an ein Kind beginne lange vor der Geburt, sagte Pfarrerin Kerstin Scherer bei der Segnungsfeier für die Gedenkstätte. "Wenn Eltern dann plötzlich loslassen müssen, ohne ihr Kind je gesehen und kennengelernt zu haben, ist das besonders schmerzlich", so Scherer. Die Gedenkstätte sei ein Ort, an den Mütter und Väter mit ihrer Trauer, ihren Schuldgefühlen und ihren Klagen an Gott kommen könnten.
"Du hast einen klinischen Eingriff, und dann ist es vorbei"
Eine von ihnen ist Michaela B. Die junge Frau steht an die Friedhofsmauer gelehnt, ihr Gesicht ist nass von Tränen. Noch vor kurzem hat sie sich auf die Geburt ihres zweiten Kindes gefreut. Dann verlor sie es am Ende des dritten Schwangerschaftsmonats. Michaela B. schaut auf die große kreisrunde Scheibe aus unzähligen weißen, in der Sonne glitzernden Mosaiksteinchen, die auf einem wuchtigen Grabmal aus Stahl steht. "Du führst mich hinaus ins Weite. Du machst meine Finsternis hell" – ein biblischer Vers aus Psalm 18 ist in das Denkmal eingraviert. Michaela B. schluckt, neue Tränen rinnen unter der großen Sonnenbrille hervor.
"Du hast einen klinischen Eingriff, und dann ist es vorbei – du kannst es ja noch nicht mal sehen", beschreibt die junge Frau ihre Trauer über den Verlust des ungeborenen Kindes. Herbert Kellermann, der Pfarrer ihrer katholischen Gemeinde in Trudering, machte sie auf die neue Gedenkstätte aufmerksam. Was das Denkmal für sie bedeutet? "Eine Möglichkeit, sich zu verabschieden", sagt Michaela B.
Sich in Gedanken eines der vielen Mosaiksteinchen aussuchen
"Menschen können ihre Trauerarbeit nur verrichten, wenn es auch einen Ort dafür gibt – selbst, wenn das nicht der Ort der Bestattung ist", sagt Anton Hebensteiner von der Friedhofsverwaltung. An der Gedenkstätte in Riem könnten Eltern nun Blumen ablegen, eine Kerze anzünden oder sich in Gedanken eines der vielen Mosaiksteinchen aussuchen – als Symbol für ihr ungeborenes Kind.
Mit Riem hat die Landeshauptstadt jetzt drei Gedenkorte für Kinder, die vor oder kurz nach der Geburt gestorben sind: Im vergangenen Jahr wurde eine Stätte auf dem Westfriedhof eröffnet, 2007 die erste auf dem Waldfriedhof, wo auch Föten und Totgeburten bestattet werden können. Für Michaela B. ist die Gedenkstätte in Riem ein Ort, an den sie ihre Trauer tragen kann. Ob ihr das hilft, den Verlust zu verkraften, weiß sie noch nicht. "Es ist ein Versuch", sagt sie.
Quelle: epd / Susanne Petersen, epd

