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"Nachfolge Jesu neu buchstabieren"

(c) Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg

Ein Beschnuppern ist nicht nötig, obgleich sich die meisten eher selten sehen. Sofort kommen die Vertreter der mecklenburgischen Kirchenleitung und des bayerischen Landeskirchenrates bzw. des Landessynodalausschusses ins offene und vertrauensvolle Gespräch bei der Klausur in Wedendorf bei Rehna. „Für die Beziehung zwischen einer kleinen und einer großen Landeskirche bemerkenswert“, sagt Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn. Und für seinen bayerischen Amtskollegen Johannes Friedrich ist der jährliche Austausch beim Treffen der Kirchenleitungen mehr als eine gute Tradition: „So authentisch etwas von der kirchlichen Situation zu erfahren, gemeinsam über den christlichen Glauben und die Zukunft der Kirche nachzudenken, ist ein Gewinn“. Unbefangen werden Dinge angesprochen und verschiedene Sichtweisen deutlich. Im Gespräch wird erkannt, was sich von der Situation her gleicht und wo es Unterschiede gibt, wo man voneinander lernen kann.

Thematisch spannte das Treffen einen Bogen zwischen der friedlichen Revolution vor zwei Jahrzehnten und der heutigen Zeit. Ganz persönlich erinnerten sich die Teilnehmer an die Wendezeit. Beim Blick zurück blieb es nicht. Heute sei Engagement für Veränderungen genauso wichtig wie damals, sagte jemand. Und ein anderer, dass er die mit Kerzen errungene Demokratie trotz mancher Schwächen gut finde. Impulsreferate gab es zu der Frage, welche Aufgaben die Kirche damals und heute hat. Gottfried Timm, SPD-Landtagsabgeordneter und früherer Pastor, wünschte sich, dass seine Kirche spirituelle Kraft entfalte, das heißt „gegenwärtig und standhaft“ sein sollte. Als Kirche da zu sein steht ebenso für Martin Scriba, früher Pastor an der Schweriner Paulskirche und heutiger Landespastor für Diakonie, immer noch ganz oben – vor allem in der Kirchgemeinde vor Ort. Fazit der Diskussion: Die Kirche hat in der ausdifferenzierten Gesellschaft die Aufgabe, orientierende Kraft zu sein. Dazu müssen wir „Sauerteig sein und neu buchstabieren, was Nachfolge Jesu heute ist“, so Landesbischof von Maltzahn. Der bayrische Oberkirchenrat Detlev Bierbaum warb dafür, als Kirche neue Wege der Mitgliederbindung zu gehen, Foren anzubieten und für Menschen aller Couleur offen zu sein.

Partnerschaft zwischen Mecklenburg und Bayern weiter vertiefen

Gespannt waren die Gäste auf den Ausflug nach Wismar. Alle Backsteinkirchen der Hansestadt standen auf dem Programm. Später hörten sie beim Kaffeetrinken in der Heiligen Geist-Gemeinde etwas von den „Geistlichen Hebungen“ und den Chancen und  Schwierigkeiten zwischen Kommune und Gemeinden, die Stadtkirchen künftig für kirchliche und kulturelle Zwecke zu nutzen.

Den Gottesdienst feierten die Mitglieder der Leitungsgremien in Kirch Grambow und erlebten eine lebendige Gemeinde. Dass sich 50 Kinder zur Rüstzeit in den Winterferien angemeldet haben und die Kirchgemeinde ganz bewusst den Brückenschlag zu Vereinen in Rehna sucht, war in einer Runde mit Kirchenältesten und Pastor Andreas Ortlieb zu erfahren. Zum Abschied bedankte sich Landesbischof Johannes Friedrich für die herzliche Gastfreundschaft und lud alle Mecklenburger ein, vom 12. bis 16. Mai zum Ökumenischen Kirchentag nach München zu kommen. „Es wird ein schöner Kirchentag.“ Und es böte sich die Chance, die Partnerschaft zwischen Mecklenburg und Bayern weiter zu vertiefen und gemeinsam mit anderen Christen neue Erfahrungen zu machen.

Text: Christian Meyer /
Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg