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"Menschen zu Menschen bilden"

(c) Bayerische Staatskanzlei

Bildung beziehe sich nicht nur auf das Begreifen geistes- und naturwissenschaftlicher Zusammhänge, sondern ebenso auf den Ethos der Gebildeten, auf deren Charakter- und Gewissensbildung. Dafür plädierte Landesbischof Dr. Johannes Friedrich im Rahmen der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens, mit dem Ministerpräsident Horst Seehofer am gestrigen Donnerstag unter anderem auch Heidi Schülke, die ehemalige Präsidentin der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), auszeichnete.

„Es geht nicht nur darum, Menschen zu bilden, sondern darum, Menschen zu Menschen zu bilden“, so Friedrich. Mit dem Verdienstorden würden „Menschen ausgezeichnet, die diese Form an menschlicher und individueller Prägung und Bildung in ihrem Leben umgesetzt“ hätten. „Sie haben Begabungen und haben diese Begabungen gefördert oder wurden darin gefördert“, resümierte Friedrich, „zum einen natürlich, um Ihren Lebensunterhalt auf eine Art und Weise zu verdienen, die Ihnen liegt und Ihnen Freude macht. Zum anderen aber haben Sie Ihre Begabungen und Fähigkeiten auch zum Wohl der Menschen in Ihrem Umfeld und zum Wohl des Landes Bayern eingesetzt und sich dadurch ausgezeichnet.“

„Den einzelnen Menschen in den Blick nehmen“

Friedrich unterstrich seine Hoffnung, dass das Beispiel der Träger des Verdienstordens auch auf die Menschen wirke, die selbst ihre eigenen Fähigkeiten noch nicht erkannt oder zumindest Schwierigkeiten hätten, diese entsprechend zu leben und umzusetzen.  „Als Gesellschaft, aber auch als Kirche sind wir dazu berufen, den einzelnen Menschen in den Blick zu nehmen, seine persönlichen Fähigkeiten zu fördern und ihm das Instrumentarium an die Hand zu geben, sich selbst weiterzuentwickeln und seine Begabungen für sich, aber auch für andere Menschen und die Gesellschaft, in die er eingebunden ist, einzusetzen.“ Vor diesem Hintergrund gratulierte der Landesbischof den künftigen Trägern des Ordens, den der Freistaat Bayern am 11. Juni 1957 ins Leben rief: „als Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste“.

So wie die von Heidi Schülke. Die heute 71-Jährige wirkte von 2002 bis 2008 als Präsidentin der Landessynode, war sechs Jahre Mitglied der VELKD-Synode und zwölf Jahre Mitglied der EKD-Synode. Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Leitung der Landessynode ist Schülke in zahlreichen kirchlichen Funktionen tätig. Sie ist Mitglied in den Kuratorien von Mission EineWelt, Neuendettelsau, sowie des Frauenwerks in Stein. Darüber hinaus hat sie den Vorsitz im bayerischen Landesausschuss des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Schülke ist zudem als gefragte Prädikantin in ihrer Heimatgemeinde in Coburg tätig. Sie gehörte außerdem dem Präsidium des 2. Ökumenischen Kirchentags an.

Beeindruckendes „vielfältiges ehrenamtliches Engagement für die Kirche"

Über ihre Auszeichnung mit dem Bayerischen Verdienstorden reagierte im Vorfeld der Ordensverleihung auch die derzeit amtierende Präsidentin der Landessynode der ELKB, Dorothea Deneke-Stoll, mit großer Freude. Deneke-Stoll zeigte sich begeistert, dass mit der Verleihung des Verdienstordens an Heidi Schülke eine Frau geehrt werde, „deren vielfältiges ehrenamtliches Engagement für die Kirche mich sehr beeindruckt hat“. Die Synodalpräsidentin erinnerte daran, dass unter Schülkes Präsidentschaft die Synode der ELKB im Jahr 2003 dramatische Einsparungen im Haushalt beschließen musste. Es sei zu einem wesentlichen Teil Schülkes „umsichtiger und vermittelnder Leitung“ zu verdanken, „dass wir diese schwierige Phase bewältigen konnten und heute auf diese gute Basis aufbauen können“, so Deneke-Stoll.

Im Antiquarium der Residenz München zeichnete Ministerpräsident Horst Seehofer insgesamt 57 Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft aus, darunter die Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek, Ordensschwester Dr. Lea Ackermann, Gründerin und 1. Vorsitzende von „SOLWODI Deutschland e.V. Solidarität mit Frauen in Not“, sowie Dr. Markus Söder, Staatsminister für Umwelt und Gesundheit und Mitglied des Bayerischen Landtages, und Kameramann oder Hochschullehrer Professor Michael Ballhaus

Text: Almut Steinecke