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Lerne aus den Jahren der Geschichte!
Seit 1996 gibt es den "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" in Deutschland und seit 2005 erinnern die Vereinten Nationen jährlich am 27. Januar an die Opfer des Holocausts. Anlässlich dieses Gedenktags mahnt der Beauftragte für Gedenkstättenarbeit der Bayerischen Landeskirche, Dr. Björn Mensing, dazu, Tätern und Opfern Namen und Gesicht zu geben:
"Denk an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte! So lesen wir im fünften Buch Mose, Kapitel 32, Vers 7, in der Einheitsübersetzung. Was Mose vor mehr als dreitausend Jahren seinem Volk mit auf den Weg gab, hat auch für uns heute Gültigkeit. Gedenktage wie der 27. Januar helfen uns dabei. Während der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee international als Tag des Gedenkens an die jüdischen Opfer der Shoah begangen wird, ist er in Deutschland seit einigen Jahren allen Opfern des Nationalsozialismus gewidmet. Und in diesem Jahr müssen wir in unser Gedenken auch neun Migranten und eine Polizistin einschließen, die in den vergangenen Jahren vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ in Deutschland ermordet wurden.
Rechtsextreme Einstellung in der Bevölkerung
Unter dem Eindruck der viel zu spät aufgedeckten Mordserie von Neonazis in Deutschland und der alarmierenden Studien über rechtsextreme Einstellungen auch in der kirchlichen Bevölkerung hat der Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern erstmals einen Landeskirchlichen Beauftragten für evangelische Gedenkstättenarbeit ernannt.
Beitrag zur Erinnerungsarbeit
Ich werde nun als Ansprechpartner für Gemeinden und kirchliche Einrichtungen in ganz Bayern fungieren, die an Orten, an denen Menschen vom NS-Staat verfolgt und gequält wurden, aus evangelischer Perspektive einen Beitrag zur Erinnerungsarbeit leisten möchten. Hinweise zur Spurensuche stehen neben praktischen Anregungen zur Gestaltung von Gedenkveranstaltungen. An zahlreichen Orten in Bayern befanden sich Außenlager der Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg. Hinzu kommen Foltergefängnisse, Lager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene sowie viele weitere Orte des NS-Terrors. An den meisten Orten erinnert bis heute kein Mahnmal, keine Informationstafel an die Verbrechen und an die Opfer.
Kirchengemeinden, kirchliche Jugendorganisationen und Erwachsenenbildungswerke können gemeinsam mit anderen örtlichen Partnern wichtige Beiträge zur Entwicklung einer lebendigen Erinnerungskultur leisten. Wo den Opfern und den Tätern wieder ein Name, ein Gesicht gegeben wird, haben es die Verharmloser und Relativierer der NS-Verbrechen schwerer.
Sensibel gegenüber rechtspopulistischen Parolen
Wo deutlich wird, wohin in der eigenen Nachbarschaft und Gemeinde Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit schon einmal geführt haben, können Menschen gegenüber aktuellen rechtspopulistischen Parolen sensibilisiert werden. Wo man sich mit Persönlichkeiten beschäftigt, die ihrem christlichen Gewissen folgten, Verfolgten halfen und Widerstand leisteten, kann heute Zivilcourage wachsen. Wo NS-Verfolgte und ihre Angehörigen spüren, dass ihr Leid nicht vergessen ist, kann ein Weg zu Versöhnung und Heilung behutsam angebahnt werden.
Pfarrer Dr. Björn Mensing
Landeskirchlicher Beauftragter für evangelische Gedenkstättenarbeit
KZ-Gedenkstätte Dachau, Alte Römerstraße 87,
85221 Dachau,
Tel. 08131/272601, info@versoehnungskirche-dachau.de


