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Lernanstöße durch Lutheraner

(c) www.bayern-evangelisch.de

Der Austausch von Pfarrern zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) und der Church of Scotland (CoS) hatte vor fünf Jahren mit dem Angebot von Rhona Dunphy begonnen, einer schottischen Pfarrein, die in der Studierendenseelsorge in Regensburg mitarbeiten wollte. Für die Studierendenseelsorge in Regensburg eröffnete sich dadurch die einmalige Chance, regelmäßig Angebote an englischsprachige Studierende, und das auch noch durch jemand, dessen Muttersprache englisch ist, zu machen.

Theologisch stellte die Idee keine Hürde dar, war doch die theologische Basis
mit der Leuenberger Konkordie bereits seit langem gelegt. Auch die Personalabteilung fand eine Lösung, so dass Vertreter des European Presbytery nach Regensburg zu einer reformierten Ordination und lutherischen Installation in die Deutschhauskirche nach Regensburg kommen konnten.

Eine echte Fränkin wird „really scottish“!

Auch wenn im ersten Moment nicht daran gedacht war, diesem Experiment einen Einsatz in Schottland folgen zu lassen, stand die Möglichkeit natürlich im Raum. Die ersten Schritte nach Schottland, hoch im Norden nach Dundee am Beginn der Highlands, machte ziemlich zeitnah Stefanie Lauterbach, die wahrscheinlich als echte Fränkin die richtige Grundeinstellung mitbrachte, um really scottish zu werden.

Die CoS reagierte auf die Entwicklung ähnlich überrascht wie die ELKB. Reformiert und lutherisch und dazu in ziemlich weiter geographischer Distanz zueinander schien dies keinesfalls naheliegend. Zudem hat die Synode der CoS beschlossen, dass für Schottland Europa keine relevante Größe sei und man sich auf die Beziehungen nach Afrika konzentrieren wolle.

Michael Martin und Ivo Huber zu Besuch bei der CoS

Die Entwicklung mit der ELKB initiierte in der CoS einen eindrücklichen Nachdenkprozess. Man wurde sich bewusst, dass es wichtig ist, wenn man in Europa auf protestantischer Seite die Stimme hörbar machen möchte, zusammen zu stehen. Auf einmal schien möglich, was bisher nicht wahrgenommen wurde, denn Lutheraner waren für Reformierte in nordisch „splendid isolation“ bislang immer nur mit Vorsicht zu genießen. Hier hatte die ELKB überhaupt keine Berührungsängste, und die reformierte CoS entdeckt bei den Lutheranern aus dem Süden höchst interessante Lernanstöße.

Der Nachdenkprozess gipfelte in einem Beschluss der Synode der CoS, sich wieder stärker Europa zu zuwenden und in der GEKE eine stärkere Rolle spielen zu wollen. Zugleich nahm die CoS eine junge bayerische Pfarrerin vor drei Jahren im Rahmen des Pfarreraustausches nicht nur gastweise, sondern ganz in ihren Dienst, so dass Miriam Groß zurzeit eine echte schottische Gemeinde auf den Orkney Island leitet.

Römisch-Katholische Kirche und CoS nahezu gleich groß

Diese Vorgeschichte war der Anlass für Oberkirchenrat Michael Martin und Kirchenrat Ivo Huber, der CoS einen Besuch abzustatten. Auf dem Programm standen intensive Gespräche mit der Kirchenleitung, in denen deutlich wurde, wie sehr die CoS im Rahmen der GEKE die Beziehungen zur ELKB wertschätzt. Besonders eindrücklich war das Gespräch mit dem Kirchenpräsidenten der CoS, dem principal clerk John Chalmers, der von seinen neu gemachten Erfahrungen mit der GEKE sprach und der ELKB dafür dankte, diese Horizonterweiterung angestoßen zu haben.

Neben den offiziellen Gesprächen gab es einigen Raum, die CoS und ihre Herausforderungen kennen zu lernen. Die Ökumenereferentin Sheilagh Kesting skizzierte die Entwicklung einer Staatskirche, deren Mitgliederzahlen stark zurück gegangen sind, so dass in einem sehr säkularisierten Schottland die Römisch-Katholische Kirche und die CoS nahezu gleich groß sind. Entsprechend kompliziert sind die ökumenischen Beziehungen zwischen gefühlter historischer Größe und der immer wieder neu zu akzeptierenden Situation von heute.

Rolle der Kirchenältesten immer wichtiger

Welchen Herausforderungen die CoS in der Umsetzung des Verständnisses als Kirche von Schottland ausgesetzt ist, konnte bei einem Besuch einer kleinen Inselgemeinde gut erlebt werden. Hier betreut ein Pfarrer auf zwei Inseln circa 300 Gemeindemitglieder. Ein wichtiges Engagement mit vielen hoch motivierten Gemeindemitgliedern, die keinen Zweifel aufkommen ließen, dass die Kirche unabdingbar mit dazugehört. Geld- und Pfarrermangel stellen dies allerdings auf einen harten Prüfstand, so dass den Kirchenältesten, die auf Lebenszeit ordiniert sind, eine immer wichtigere Rolle zufällt.

Mit großem Interesse wurden in der CoS Modelle der ELKB mit Prädikanten und der Urlauberseelsorge aufgenommen. Es ist und bleibt ein wundersames Kleinod, die Beziehung zwischen CoS und der ELKB, und sie zeigt, wie anregend und wichtig Kirchenbeziehungen im Rahmen der GEKE sein können, auch wenn im ersten Moment bei der Unterzeichnung der Leuenburger Konkordie wohl niemand an eine intensive Zusammenarbeit gerade dieser zwei Kichen gedacht hat.

Dazu kommt: diese Beziehungen sind von hoher Bedeutung, wenn es den protestantischen Kirchen in Europa gelingen will, eigene Akzente zu setzen.

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